Johannes Heesters ist tot : Eleganz war seine Rebellion

Don Juan im Frack, Luftikus und Jahrhundert-Entertainer: zum Tod von Johannes Heesters. Der Schauspieler und Sänger starb am Samstag im Alter von 108 Jahren im Klinikum Starnberg.

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Drei Monate nach Johannes Heesters' Tod liegen die Angehörigen des verstorbenen Schauspielers mit dem Springer-Verlag im Clinch. Anlass ist ein "Bild"-Beitrag über Heesters in der Nazi-Zeit mit merkwürdigen Angaben nicht nur über Heesters. Unter anderem erscheint dort auch Ingrid Bergman mit ihrer Rolle im amerikanischen Filmklassiker "Casablanca" in der rechten Spalte unter der Überschrift "Das verdienten Hitlers Filmstars". Im folgenden eine Bildergalerie zu Johannes Heesters.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Tsp
05.04.2012 12:35Drei Monate nach Johannes Heesters' Tod liegen die Angehörigen des verstorbenen Schauspielers mit dem Springer-Verlag im Clinch....

Frack, Zylinder, Stock und Einstecktuch, das war seine Arbeitskleidung. Mit durchgedrücktem Rücken und einem strahlenden, manchmal leicht spöttischen Lächeln auf den Lippen, so hat sich Johannes Heesters durchs Leben bewegt. Sein Rollenfach war der Bonvivant mit lässig um den Hals gewickeltem Seidenschal, ein Typus, der den in Paris spielenden Romanen und Operetten des Fin de siècle entstammte. Die Zeiten mochten hart und trostlos sein, aber Heesters schien immer unterwegs zu irgendeinem nächtlichen Vergnügen zu sein. Die Eleganz war seine Art der Rebellion gegen die Zumutungen des 20. Jahrhunderts.

Am Heiligen Abend ist er um 10 Uhr 15 in Beisein seiner Ehefrau Simone Rethel und seiner Enkelin Wiesje Herold friedlich verstorben, hieß es aus dem Klinikum Starnberg. Heesters war am 17. Dezember mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen und lag seitdem auf der Intensivstation. Heesters, der erst am 5. Dezember seinen Geburtstag gefeiert hatte, galt als der älteste Schauspieler der Welt.

Den Grafen Danilo Danilowitsch aus Lehárs Stück „Die lustige Witwe“, die Rolle seines Lebens, spielte Heesters mehr als 1600 mal, zum ersten Mal Silvester 1938 im Münchner Gärtnerplatztheater und zum letzten Mal 1988 bei einer Gala zu seinem 85. Geburtstag. Danilo ist ein donjuanhafter Luftikus, einer, der auch im allergrößten Schlamassel noch die Korken knallen lässt. „Ich wollte nicht, dass die Leute sagen: ,Na, der kann gar nicht mehr ins Maxim gehen – der muss mit dem Rollstuhl gefahren werden“, so begründete Heesters seinen Abschied von der Rolle. Doch den größten Hit aus der Operette, eine überschwängliche Hymne auf den Hedonismus, hat er auch danach immer noch gerne gesungen: „Da geh’ ich ins Maxim / Dort bin ich sehr intim / Ich duze alle Damen / Ruf’ sie beim Kosenamen / Lolo, Dodo, Joujou, Clocio, Margot, Froufrou / Dann wird champagnisiert / Und häufig cancaniert / Und geht’s ans Kosen, Küssen / Mit allen diesen Süßen.“

Heesters’ Art, seine Karriere umspannt das gesamte 20. Jahrhundert des Entertainment, von der Stummfilm- und Schellackplatten-Ära bis ins Zeitalter von Internet und DVD. Seinen ersten Film drehte er 1924, ein expressionistisches Melodram mit dem Titel „Cirque Hollandais“, über das er achtzig Jahre später spottete: „Der Regisseur bestand darauf, dass ich sehr stark geschminkt wurde. Ich sah mit Anfang 20 wie ein Grufti aus, etwa so wie heute der Sänger von Tokio Hotel.“

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