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Jugendgewalt auf dem Fußballplatz : Tod eines Linienrichters

04.12.2012 17:50 Uhrvon

Einen Tag nach der tödlichen Prügelattacke auf den Linienrichter eines Jugendfußballspiels stehen die Niederlande unter Schock. Dass es sich bei den Tätern um junge Marokkaner handelt, wirft Fragen auf.

Gewalt auf dem Fußballplatz ist keineswegs ein Minderheitenproblem

Dass es sich bei den festgenommenen Schlägern laut „Algemeen Dagblad“ um drei Marokkaner handelt, macht den Fall nicht unbedingt leichter. Nach einem Bericht des Innenministeriums vom November 2011 wurden 40 Prozent aller marokkanischen Einwanderer im Alter zwischen 12 und 24 Jahren innerhalb der letzten fünf Jahre wegen Verbrechen in den Niederlanden verhaftet, verurteilt oder angeklagt. In Stadtvierteln mit mehrheitlich marokkanischstämmigen Einwohnern erreiche die Jugendkriminalität bereits 50 Prozent. Es stand schon mal besser um das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen.

Dabei ist Gewalt auf dem Fußballplatz keineswegs ein Minderheitenproblem und schon gar keines allein der Niederländer. Auch in Deutschland sind Übergriffe auf dem Platz und gerade gegen Schiedsrichter längst trauriger Alltag, wenn auch nicht mit der tragischen, in Almere erlebten Konsequenz. Im vergangenen Jahr wurde ein Schiedsrichter in Nordrhein-Westfalen niedergeschlagen und anschließend mit Tritten malträtiert. In Berlin prügelte der Spieler einer Altherrenmannschaft den Schiedsrichter ins Krankenhaus. In den unteren Ligen sind Übergriffe so selbstverständlich geworden, dass sie beim Berliner Fußball-Verband unter der Hand „Prügel-Klassen“ genannt werden. 65 Fußballspiele werden jährlich in Berlin abgebrochen, die Hälfte wegen Gewalt und Pöbeleien. Unaufhaltsam schwindet der Respekt vor Schiedsrichtern. Das ist so überraschend nicht in einer Gesellschaft, die Polizisten oft nur noch den Status von Kasperlefiguren in Förster-Uniformen zubilligt.

Auch die Millionenverdiener auf dem Platz gehen nicht immer mit gutem Beispiel voran. Im Sommer verhängte der Deutsche Fußball-Bund Sperren gegen vier Profis von Hertha BSC, weil diese in den Wirren des skandalumwitterten Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf mit Schiedsrichter Stark aneinandergeraten waren. Ein paar Wochen später musste abermals in Düsseldorf das Testspiel zwischen der Fortuna und Benfica Lissabon vorzeitig beendet werden, weil Schiedsrichter Fischer nach einem Bodycheck von Benficas Kapitän Luisao kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Der Brasilianer kam mit einer schmeichelhaften Sperre von zwei Monaten davon.

Nun ist Gewalt auf dem Fußballplatz kein Problem der modernen Zeiten. Schon 1910 notierte ein englischer Reporter: „Fußtritte in den Unterleib mit nachfolgenden Blasenbrüchen, Darmbrüchen und Unterleibsentzündungen sind an der Tagesordnung. Auch greift immer mehr die Unsitte um sich, den Schiedsrichter mit Ziegelsteinen und Eisenstangen anzugreifen, wenn eine seiner Entscheidungen das Missfallen der spielenden Partei erregt.“ 1977 traten im argentinischen Cordoba Spieler des Klubs Sportivo Rural den Linienrichter zu Tode. Und 1989 ließ die kolumbianische Wettmafia einen Schiedsrichter exekutieren. Ein Jahr später wurde bei einem spanischen Zweitligaspiel der Schiedsrichter von einem Zuschauer erschossen.

Der niederländische Fußballverband hat für das kommende Wochenende alle Amateurspiele abgesagt. Vor den Profispielen wird es eine Schweigeminute geben, Spieler und Schiedsrichter tragen Trauerflor. Die festgenommen Schläger wurden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Und der SV Nieuw Sloten hat seine Jugendmannschaft abgemeldet.

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