Jungunternehmer : Lars Windhorst auf der Intensivstation

Der umstrittene Jungunternehmer Lars Windhorst wird nach dem Flugzeugunglück in einer Berliner Klinik behandelt.

Rainer W. During
Lars Windhorst
"Wunderkind" Lars Windhorst. -Foto: dpa

Der am zweiten Weihnachtsfeiertag bei einem Flugzeugunfall in Almaty in Kasachstan schwer verletzte Unternehmer Lars Windhorst wird im Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn behandelt. Das erklärte ein Sprecher der Klinik.

Der 31-Jährige wurde gegen 3 Uhr nachts mit einem Notarztwagen der Feuerwehr vom Flughafen Schönefeld nach Marzahn gebracht. Windhorst war mit einem deutschen Geschäftsflugzeug abgestürzt. Einer der beiden deutschen Piloten kam dabei ums Leben. Der andere Pilot ist schwer verletzt. Wie Luftfahrtkreise bestätigten, handelt es sich dabei um einen Kriminalkommissar aus Kreuzberg, der als offiziell genehmigte Nebentätigkeit Businessjets flog.

Nach Angaben des Kliniksprechers Detlef Hoffmann hat Windhorst bei dem Absturz Verbrennungen sowie Verletzungen des Gesichtsschädels und des Brustkorbs erlitten. Er werde nach der Untersuchung durch Ärzte verschiedener Fachdisziplinen intensivmedizinisch überwacht. Sein Zustand sei inzwischen stabil, er ist bei Bewusstsein und für die Mediziner ansprechbar. Besucher darf er nicht empfangen. An das Unfallgeschehen habe Windhorst derzeit keine Erinnerung, sagte Hoffmann.

Windhorst war als einziger Passagier mit der zweistrahligen Challenger 604 von Hannover aus zu einem Flug nach Hongkong gestartet. In Almaty hatte die Maschine eine Zwischenlandung zum Auftanken eingelegt. Beim Start danach soll die Maschine nach vorliegenden Berichten unmittelbar nach dem Abheben wieder auf den Boden gestürzt, gegen eine Mauer geschleudert und in Flammen aufgegangen sein.

Die Challenger gehörte der 1997 gegründeten, auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen ansässigen Gesellschaft Jet Connection, die sich auf die Vercharterung von Geschäftsreiseflugzeugen spezialisiert hat. Ihm würden noch keine Berichte der kasachischen Behörden vorliegen, sagte Geschäftsführer Georg Biesing gestern dem Tagesspiegel. Entgegen erster Meldungen habe es keine Explosion an Bord gegeben. Experten der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung befanden sich gestern auf der Reise nach Almaty, um sich an der Suche nach der Ursache des Absturzes zu beteiligen.

Laut Biesing hatte es bei der sieben Jahre alten Maschine – den gleichen Typ setzt die Flugbereitschaft der Bundeswehr ein – keine technischen Auffälligkeiten gegeben. Der zweite Pilot und die Flugbegleiterin wurden bei dem Unglück ebenfalls verletzt und sind inzwischen auch mit Rettungsflugzeugen zur Behandlung in deutsche Kliniken geflogen worden.

Lars Windhorst gilt als eine der schillerndsten Figuren in den Zeiten des Internetbooms. Der Jungunternehmer hatte in den 90er Jahren unter anderem in Begleitung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl für Aufsehen gesorgt. So gründete der aus Ostwestfalen stammende Windhorst als 16-Jähriger ein Unternehmen für Computerzubehör. Kohl stellte ihn als Vorbild für die Jugend dar und nahm ihn medienwirksam auf Asienreisen mit.

Windhorst, der viele Investoren davon überzeugte, ihm ihr Geld anzuvertrauen, wollte ein großes Firmenimperium aufbauen, legte aber schließlich eine spektakuläre Pleite hin. Viele fragten sich anschließend, wie Profis des Geldgeschäfts sich mit ihm einlassen konnten. Vermutlich erlagen sie seinem jungenhaften Charme.

Von enttäuschten Gläubigern wurde er anschließend mit Prozessen überhäuft, vor allem von Ulrich Marseille, dem Betreiber eines großen privaten Klinikkonzerns. Erstaunlich ist, dass es Windhorst gelang, mit dem neuen Privatinsolvenzrecht schon nach drei Jahren persönlich schuldenfrei zu sein.

Nach seinen geschäftlichen und privaten Insolvenzen ist Windhorst jetzt bei einem Finanzinvestor tätig.

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