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Katholische Kirche : Kardinal Meisner bedauert Äußerung zu Muslimen

Eine katholische Familie "ersetzt mir drei muslimische Familien": Mit diesem Satz hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner den Zentralrat der Muslime gegen sich aufgebracht. Nun rudert er zurück und hält die Wortwahl für "unglücklich".

Joachim Kardinal Meisner
Joachim Kardinal MeisnerFoto: dpa

Am vergangenen Freitag hatte der Kölner Kardinal Joachim Kardinal Meisner vor Angehörigen des katholischen "Neokatechumenalen Weges" gesprochen, einer katholischen Bewegung. "Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien", hatte er dabei gesagt, wie auch auf einem Video-Mittschnitt der Veranstaltung zu hören ist. Hinter der Gemeinschaft stände "die Glaubenskraft von Eheleuten, die zehn Kinder in die Welt setzen", sagte Meisner weiter.

Bekir Alboga, Sprecher der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), kommentierte die Äußerung Meisners im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft." Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, kritisierte den Kardinal. Dieser versuche "sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern", sagte er der Zeitung.

Aydan Özoguz (SPD, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, sprach laut der Zeitung von einer "persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht kommentiere, "auch wenn ich sie nicht verstehe". Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte in einem Interview der Deutschen Welle, Meisner polarisiere mit seinen Äußerungen. „Wir brauchen Brückenbauer und keine Polarisierer.“

NRW-Grüne: Abgestufte Wertigkeit von Menschen ist unchristlich

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) zeigte sich „sehr enttäuscht, dass ein führender Repräsentant der katholischen Kirche Menschen unterschiedlichen Glaubens gegeneinander ausspielt“. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) teilte der dpa mit: "Eine abgestufte Wertigkeit von Familien und damit von Kindern je nach Herkunft oder Religionszugehörigkeit verstößt nicht nur gegen unsere Verfassung, sie ist auch alles andere als christlich."

Meisner: Meine Wortwahl war vielleicht unglücklich

Meisner bedauerte am Mittwoch in einer Stellungnahme, dass seine Äußerung Irritationen ausgelöst habe. „Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten“, versicherte er. „Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich. (...) Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben.“

Kardinal Meisner war im Dezember 80 Jahre alt geworden. Im vergangenen Jahr hatte er dem Papst wegen seines fortgeschrittenen Alters seinen Rücktritt angeboten. Eine Antwort des Papstes steht noch aus. (ho/dpa)


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