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Kein Geld für syrische Flüchtlinge : UN streichen Nahrungsmittelhilfe

Hunderttausende syrische Flüchtlinge erhalten keine Lebensmittelgutscheine mehr, weil den UN das Geld dafür ausgegangen ist. Schuld sind die Geberländer, die mit ihren Zahlungen nicht nachkommen.

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Auf Lebensmittel angewiesen. Syrische Familien in den Flüchtlingslagern.
Auf Lebensmittel angewiesen. Syrische Familien in den Flüchtlingslagern.Foto: Reuters

Kleine Kinder, die keine Schuhe haben und durch Schlamm waten. Familien, die ohne Decken und warme Kleidung auskommen müssen. Kranke, die dringend benötigte Medikamente nicht erhalten. Frauen und Männer, die unter zerrissenen Plastikplanen hausen: So beschreiben Helfer die Not der syrischen Flüchtlinge im Bürgerkriegsland und in den Nachbarstaaten. Millionen Menschen, die vor der Gewalt geflohen sind und alles verloren haben. Menschen, für die deshalb Unterstützung lebenswichtig ist. Jetzt verschärft der beginnende Winter die ohnehin katastrophale Lage.

Doch womöglich werden Hunderttausende bald auch noch hungern. Denn das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) muss ab sofort seine auf Gutscheinen beruhende Lebensmittelhilfe für Syrer in Jordanien, der Türkei, dem Libanon, im Irak und in Ägypten einstellen. Der UN-Organisation fehlen 64 Millionen Dollar, um das Programm im Dezember aufrechtzuerhalten – Geld, das zwar von der Staatengemeinschaft versprochen wurde, aber dennoch bislang nicht zur Verfügung steht.

Mithilfe der elektronischen Gutscheine konnten Flüchtlingsfamilien bislang in lokalen Geschäften einkaufen. Das gab den Menschen die Möglichkeit, sich selbstbestimmt zu versorgen. Gleichzeitig wurde dadurch die einheimische Wirtschaft gestärkt. So sind seit dem Beginn des Programms laut WFP mehr als 800 Millionen Dollar der Region zugute gekommen. Doch schon vor einigen Wochen musste das Welternährungsprogramm die monatliche finanzielle Zuwendung für die Flüchtlinge drastisch kürzen. Nun gibt es gar kein Geld mehr.

1,7 Millionen Kinder, Frauen und Männer

Ohne die Gutscheine werden viele Menschen vermutlich nicht ausreichend zu essen haben. Betroffen sind nach Angaben von WFP 1,7 Millionen Kinder, Frauen und Männer. „Für viele Familien, die ohnehin unter dem harschen Winter leiden, wird die ausbleibende Hilfe drastische Konsequenzen haben“, sagt Ertharin Cousin, WFP-Exekutivdirektorin. Die Gesundheit und Sicherheit dieser Menschen sei gefährdet. Man könne zudem nicht ausschließen, dass die Anrainerländer noch mehr als bisher unter Spannungen und Instabilität leiden. Allein der Libanon hat 1,5 Millionen Menschen Schutz vor dem Krieg in Syrien gewährt. Das Land ist aber ebenso wie Jordanien mit der Aufgabe völlig überfordert. „Wir sind sehr besorgt über die negativen Auswirkungen dieser Kürzungen für die Flüchtlinge und die Länder, die sie aufnehmen. Diese Staaten haben eine schwere Last geschultert“, sagt Muhannad Hadi, WFP-Nothilfekoordinator für die Syrienkrise.

Sowohl die öffentliche Gesundheitsversorgung als auch das Bildungswesen sind in Jordanien und dem Libanon mittlerweile völlig überlastet. Der Wohnungs- und Arbeitsmarkt droht zusammenzubrechen, weil die Mieten in die Höhe schnellen und die Löhne in den Keller gehen. Dementsprechend groß ist der Unmut bei den Einheimischen. Die sozialen Spannungen nehmen immer mehr zu. Gerade deshalb hatte die Bundesregierung vor einigen Wochen eine Syrienkonferenz organisiert. Das Treffen sollte deutlich machen, wie dramatisch die Situation in den Nachbarstaaten bereits heute ist. Daher waren sich die 40 hochrangigen Konferenzteilnehmer auch einig, dass nur gezielte, vor allem langfristige Hilfe die Stabilität der Länder gewährleisten kann. Deutschland verpflichtete sich damals, bis 2017 zusätzlich 640 Millionen Euro für die Syrien-Hilfe bereitzustellen.

Doch Deutschlands Engagement ist die Ausnahme, nicht die Regel. Viele Geber sind mit ihren zugesagten Zahlungen in Verzug - zum Schaden der syrischen Flüchtlinge. "Die Weltgemeinschaft muss umgehend ihrer Verantwortung gerecht werden", fordert Ralf Südhoff, Leiter von WFP in Deutschland. "Denn Millionen Vertriebene, die keine Chance haben, sich und ihre Familien selbst zu versorgen, stehen jetzt vor dem Nichts."

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