Kindesentführung : Suche nach Madeleine bewegt Millionen

Das Interesse am Schicksal der verschwundenen Madeleine McCann hält unvermindert an: Bis Freitag haben mehr als 50 Millionen Menschen weltweit die Internetseite www.findmadeleine.com besucht.

London/Praia da Luz - Das Schicksal der kleinen Madeleine bewegt weltweit immer mehr Menschen. Die offizielle Webseite zur Suche nach dem britischen Mädchen, das vor mehr als zwei Wochen in Südportugal entführt wurde, wurde bis Freitag über 50 Millionen Mal angeklickt. "Suchen Sie weiter!", hieß es auf der Internetseite, von der sich die Eltern der Vierjährigen Hinweise eventueller Zeugen erhoffen. Zugleich setzten zahlreiche Organisationen, Prominente und hunderte freiwillige Helfer in weiten Teilen Europas ihre Aktionen zur Unterstützung der Suche nach Maddie fort.

Die portugiesische Polizei dementierte derweil Berichte, die Ermittlungen steckten in einer Sackgasse. Sichtbare Fortschritte gab es jedoch auch nicht. In Praia da Luz an der Algarve-Küste räumte Chefinspektor Olegário Sousa ein, dass viele Hinweise im Sande verlaufen seien: "Wir sind Informationen aus allen möglichen Richtungen nachgegangen, doch unglücklicherweise führten sie nicht zum Erfolg." So gebe es immer wieder Anrufe von Bürgern, die ein kleines blondes Mädchen mit einem verdächtigen Erwachsenen gesehen haben wollen. Es habe sich jedoch jedes Mal um einen Fehlalarm gehandelt. Sousa schloss aber nicht aus, dass demnächst neue Verdächtige ermittelt werden könnten. Die Fahndung gehe "dynamisch" voran, hieß es.

Hauptverdächtiger musste wieder freigelassen werden

Einen 33-jährigen britischen "Hauptverdächtigen" musste die Polizei nach stundenlangen Verhören aus Mangel an Beweisen wieder freilassen. Der 22-jährige Computerspezialist bestritt jede Verwicklung in den Fall. Presseberichten zufolge warf er der Polizei vor, ihn während des Verhörs misshandelt zu haben. Die in seiner Wohnung beschlagnahmten Gegenstände, darunter ein Laptop und zwei externe Festplatten, seien noch nicht ausgewertet worden, verlautete es aus Ermittlerkreisen. Nach Informationen der Zeitung "Diário de Notícias" wird er jedoch verdächtigt, direkt an der Entführung Madeleines beteiligt gewesen zu sein.

Auch die fünfstündige Vernehmung eines russischen Bekannten brachte laut Medien keine neuen Erkenntnisse. Der aus Moskau stammende Mann ist ein Geschäftspartner des bislang einzigen offiziellen Verdächtigen. Der 22-Jährige versicherte, er habe dem Briten lediglich bei der Einrichtung einer Internetseite geholfen. Gegenüber der britischen Zeitung "Daily Mirror" äußerte er sich schockiert über seine Behandlung: "Mein Leben ist völlig durcheinander geraten". Seit Jahren versuche er, sich eine Existenz aufzubauen - "Und dann reicht eine Stunde - und ich bin plötzlich ein Kinderschänder", sagte der Website-Designer.

20.000 Poster europaweit verteilt

Die kleine Maddie war am 3. Mai aus einer Ferienanlage an der Algarve verschwunden, als ihre Eltern in einem Restaurant in der Nähe zu Abend aßen. Die Polizei vermutet eine Entführung als Hintergrund, schließt aber auch andere Möglichkeiten nicht aus. Die Eltern fürchten inzwischen, dass die Kleine nicht mehr in Portugal ist.

Zu den europaweiten Suchaktionen gehört die Verteilung von Bildern Maddies an etlichen öffentlichen Plätzen sowie bei Veranstaltungen von Fußballspielen bis hin zu den Filmfestspielen in Cannes. So ließ ein britischer Geschäftsmann 20.000 Plakate mit dem Porträtfoto der Kleinen drucken. Die selbstklebenden Poster werden seit Freitag an Autofahrer verteilt. Nach Informationen des britischen Fernsehkanals Sky News erklärten sich mehrere internationale Firmen - darunter eine Fluggesellschaft und eine größere Restaurantkette - bereit, die Poster in ihren Filialen anzubringen. John Sandford-Hart, der eine Firma für Schilder und Zeichen aller Art führt, hofft, dass mit den Postern auf Autos überall in Großbritannien und darüber hinaus noch mehr Menschen auf das Schicksal des Mädchens aufmerksam werden. Möglicherweise ergebe sich durch die Aktion ein hilfreicher Hinweis für die Suche. "Wenn nur ein einziges der Poster hilft, hätte sich die Aktion gelohnt", sagte der Geschäftsmann.

(tso/AFP/dpa)

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