Klima-Risiko-Index : Experte: „Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen“

Klimaextreme machen die Länder immer verwundbarer. Der Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch zeigt, welche Länder am stärksten betroffen sind. Die Katastrophe auf den Philippinen beeinflusst auch den Weltklimagipfel in Warschau.

Dagmar Dehmer
Auf dem Flughafen von Tacloban hat eine Menge die Landebahn gestürmt. Soldaten drängten die Menschen zurück.
Auf dem Flughafen von Tacloban hat eine Menge die Landebahn gestürmt. Soldaten drängten die Menschen zurück.Foto: dpa

Im Klima-Risiko-Index, den die Entwicklungsorganisation Germanwatch am Dienstag zum neunten Mal vorgelegt hat, stehen die Philippinen auf Platz sieben. Der Index betrachtet die Verwundbarkeit von Staaten durch Wetterkatastrophen von 1993 bis 2012. Dafür nutzt Germanwatch die Naturkatastrophen-Datenbank des Rückversicherungskonzerns Munich Re (Nat Cat Service) und Wirtschaftsdaten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der siebte Platz der Philippinen sagt zweierlei aus: Erstens, der Inselstaat im Pazifik wird von einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Naturkatastrophen heimgesucht, zwischen 1993 und 2012 waren es 311 – deutlich mehr als alle Länder auf den ersten zehn Plätzen. Dass das Land trotzdem nicht ganz oben platziert ist, zeigt, dass die Philippinen eigentlich auch überdurchschnittlich gut auf Naturkatastrophen vorbereitet sind.

"Die Klimakrise ist Wahnsinn"

2012 landeten die Philippinen, die schon vor einem Jahr den verheerenden Taifun „Bopha“ zu verkraften hatten, auf Platz drei des Risiko-Indexes. Der Super-Taifun „Haiyan“ hat allerdings alles übertroffen, was die Philippinen in den vergangenen 20 Jahren erlitten haben. Bei der Eröffnung des Weltklimagipfels in Warschau am Montagabend hat die Verhandlungsdelegation aus den Philippinen ihren Kollegen aus aller Welt eine Ahnung von der Katastrophe gegeben. Yeb Sano, ein Delegierter des Inselstaates, sprach mit stockender Stimme von den Menschen in seiner Heimat, von seinem Bruder, der seit zwei Tagen mit bloßen Händen Tote geborgen habe, von den Angehörigen, auf deren Lebenszeichen er noch immer warte, von Hunger und Durst in den Dörfern und Städten mit zerstörter Infrastruktur. Sano kämpft mit den Tränen. „Die Klimakrise ist Wahnsinn“, sagt er. „Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen – hier in Warschau.“

Dass die Philippinen mit ihrer Verletzlichkeit gegen klimabedingte und andere Wetterkatastrophen nicht allein stehen, zeigt ein weiterer Blick in den Risiko-Index von Germanwatch. Unter den ersten zehn gelisteten Ländern sind acht Entwicklungsländer und zwei Schwellenländer. Am schwersten trafen die Wetterkatastrophen der vergangenen 20 Jahre Honduras, Birma und Haiti. Im vergangenen Jahr belegten Haiti, wo „Sandy“ gewütet hatte, bevor der Sturm nach New York weiterzog, die Philippinen und Pakistan die ersten drei Plätze der Liste.

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