Kloster mit Kurznachrichtendienst : Im Glauben an Twitter

Das Kloster Marienthal liegt abgelegen im Dreiländereck zu Polen und Tschechien. Die Zisterzienserinnen verbinden sich über Twitter, Facebook und Google+ mit der Welt. Dabei ist auch eine Nonne aus Prenzlauer Berg.

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Kloster Marienthal
Gezwitscher nicht nur von Vögeln. Das Kloster Marienthal an der Neiße zwischen Görlitz und ZittauFoto: dpa

Den Papst finden sie vorbildlich, die Zistersienserinnen im Kloster Marienthal in der Oberlausitz am östlichen Rand Deutschlands. Geistesverwandt sind sie mit dem Kirchenoberhaupt in mehrerlei Hinsicht. Darunter ist die Begeisterung für Twitter. Dass @pontifex seit Dezember 2012 regelmäßig in neun Sprachen, darunter in Deutsch, Botschaften über den Kurznachrichtendienst verbreitet, loben die Nonnen: „Das ist sehr gut – er ist ein gutes Vorbild und spricht weltweit alle Menschen an.“
Wobei noch die Frage ist, wer sich nun wen zum Vorbild genommen hat. Denn das älteste Frauenkloster des Zisterzienserinnenordens in Deutschland ist in den sozialen Netzwerken des Internets höchst aktiv, und dies schon seit fast drei Jahren. Mehrfach am Tage zwitschert es unter @KlosterStMarien von der Neiße aus – Bibelsprüche und andere Meldungen mit geistlichen Inhalten, aktuelle Mitteilungen, Retweets der Kurznachrichten von Erzbischöfen, Missionswerken und immer wieder mal auch der Tweet vom Papst höchstpersönlich. Eine gut gepflegte Internetseite kommt dazu, Präsenz bei Facebook und Google+. Nur bei der Zahl der Follower können sich die emsigen Ordensschwestern im Kloster an der Neiße nicht mit dem Papst messen: 935 folgen ihnen aktuell auf Twitter, bei @pontifex sind es mehr als elf Millionen.
Der Tagesablauf im Kloster ist streng geregelt. Er beginnt für die 16 in dem Ort Ostritz zwischen Zittau und Görlitz lebenden Nonnen mit dem Aufstehen früh um vier Uhr morgens, eine Dreiviertelstunde später steht das erste Chorgebet im Oratorium an. Danach: Meditationen, Gebete. Danach geht jede Schwester ihrer Arbeit nach – als Bäckerin, Hauswirtschafterin, Krankenbetreuerin. Die Arbeit am Computer gehört für mehrere Schwestern zum täglichen Ablauf – etwa für die Priorin, die Gästeschwester, die Archivarin und die Bibliothekarin. Der Tag endet mit dem „Komplet“, dem letzten Gebet, um 21 Uhr ist Nachtruhe.

Eine Nonne hat es aus Prenzlauer Berg nach Ostritz verschlagen

Die junge Ordensschwester Anna Rademacher, die es vor neun Jahren aus Berlin-Prenzlauer Berg ins Kloster Marienthal verschlug, fühlt sich ausgesprochen wohl im Kloster direkt an der Grenze zu Polen. „Mir war das alles zu viel in der Großstadt“, erzählte sie kürzlich dem „Neuen Deutschland“. Früher sei ihr das Nonnenleben als „Mischung aus Audrey Hepburn und Whoopi Goldberg“ erschienen, inzwischen aber habe sie aufgeräumt mit dem Klischee der grauen Kloster-Mäuse.

Der Oder-Neiße-Radweg führt mitten durch's Klostergelände

Das Kloster Marienthal liegt geographisch am Rande – und im Funkloch. Die Nonnen halten dagegen, dass ihr Kloster eine Station ist auf der „Via Sacra“ (Heiligen Straße) und dem Zittauer Jakobsweg. Wer es weltlicher mag: Auch der Oder-Neiße-Radweg führt direkt durchs Klostergelände. Mit Hilfe des Internets lässt sich alles virtuell ansteuern – vor dem realen Kloster-Tourismus. Anders als bei Twitter üblich, bleiben die Nonnen allerdings meist beim „Sie“. Auf Anfrage teilen sie mit: „Es würde uns aber nicht weiter stören, wenn wir geduzt werden –- vorausgesetzt der Umgangston in seiner Art und Weise ist in Ordnung.“

Papst Benedikt XVI. machte eben dieser Umgangston zu schaffen: Wegen anhaltender Schmähungen wollte der Vatikan im vergangenen Jahr den Twitter-Kanal fast schließen, wie der Präsident des päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, bei einer Konferenz in Rom sagte. Mit ablehnenden Kommentaren habe er zwar gerechnet, sagte Celli laut Radio Vatikan, doch nicht mit der „Vulgarität“ und der „Grobheit“ der Attacken. Letztlich hätten sich die vatikanischen Kommunikationsexperten aber dafür entschieden, den Kanal offen zu halten, „und die Einschätzungen für die Zukunft haben uns bei dieser mutigen Entscheidung geholfen“. Das Riesen-Interesse dürfte dabei eine Rolle gespielt haben: Schon wenige Tage nach Eröffnung des Twitter-Accounts im Dezember 2012 hatte @pontifex eine Million Abonnenten.

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