Kokainkartelle in Kolumbien : Sexpartys für US-Drogenfahnder

Kokainkartelle in Kolumbien finanzierten US-Agenten ausschweifende Sexorgien. Der Skandal beschädigt den Ruf der USA – und schwächt die Politik gegenüber Lateinamerika. Diese Länder wollen den lukrativen Drogenhandel nicht mehr bekämpfen.

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Ein Schild der DEA - "Drug Enforcement Administration" vor dem DEA-Museum in Arlington.
Ein Schild der DEA - "Drug Enforcement Administration" vor dem DEA-Museum in Arlington.Foto: rtr

US-Drogenfahnder haben sich nach einem Bericht des Justizministeriums von kolumbianischen Drogenkartellen kaufen lassen. Zwar nennt die US-Behörde nicht den Namen des Landes, in dem die Top-Agenten der Anti-Drogenbehörde DEA an von der Mafia finanzierten Sexpartys teilgenommen haben, doch laut lokalen Medien handelt es sich um das Land des weltweit größten Kokainproduzenten Kolumbien.

Die Vorwürfe sind erheblich. In den Büros der DEA-Spezialkräfte, die teilweise zu den Top-Agenten gezählt hätten, seien wilde Sexorgien mit kolumbianischen Prostituierten gefeiert worden. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden die Frauen von den mächtigen kolumbianischen Kartellen bezahlt. Welche Gegenleistungen die DEA-Agenten dafür erbracht haben, ist dagegen Gegenstand von Spekulationen. Sieben von zehn DEA-Fahndern haben bislang eingeräumt bei den Sexpartys mitgemacht zu haben, allerdings beteuern sie, dass sie nicht gewusst hätten, dass die Frauen von den Kartellen angeheuert worden seien.

Dem widersprechen die Ermittler. Die in der Drogenszene bestens vernetzten und mit den dortigen Gepflogenheiten vertrauten DEA-Agenten hätten wissen müssen, worauf sie sich da eingelassen hätten, zitierten amerikanische Medien einen Sonderermittler.

Ob die Frauen nur für Sex oder auch für Spitzeldienste bezahlt wurden, ist unklar

Bei den inzwischen tageweise suspendierten DEA-Mitarbeitern handelt es sich offenbar um Spitzenkräfte mit besonders großem Einfluss. Das macht die Sache noch brisanter, denn ob die von der Mafia bezahlten Frauen außer den sexuellen Dienstleistungen auch noch für Spitzeldienste bezahlt worden seien, ist nicht bekannt. Dass die Vorgänge in den Büros der Agenten stattfanden, lässt mit Blick auf die Geheimhaltung Schlimmes befürchten.

Kolumbiens Drogenmafia exportiert jedes Jahr Kokain im Wert von mehreren Milliarden Dollar in die USA. Die Drogen werden über Mittelamerika und Mexiko transportiert. Die Arbeit der Drogenmafia hinterlässt in der Region Verwüstung, weil rivalisierende Drogenbanden auf dem Rücken der Zivilbevölkerung einen Krieg gegeneinander und gegen die Staatsmacht austragen. Mit den Milliardeneinnahmen sind die Kartelle in der Lage, nicht nur die lateinamerikanische Justiz und Politik zu unterwandern. Ihr langer Arm reicht auch in die USA und bis zu den DEA-Drogenfahndern.

Die Nachricht über die korrupten DEA-Beamten fällt zusammen mit einer anderen Enthüllung, wie die Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien bekannt gab. In den Jahren 2003 bis 2007 kam es zu 50 Fällen sexuellen Missbrauchs durch Angehörige des US-Militärs in Kolumbien. Betroffen waren minderjährige Kolumbianerinnen in Konfliktregionen. Zur Rechenschaft gezogen wurden die US-Militärs nicht. Die jüngsten Entwicklungen sind nicht überraschend, fielen US-Sicherheitskräfte doch schon am Rande des Amerika-Gipfels 2012 in der kolumbianischen Touristenmetropole Cartagena negativ auf. Leibwächter des Secret Service, die eigentlich für den Schutz von Präsident Barack Obama abgestellt waren, hatten eine Sexparty im Nobelhotel Caribe veranstaltet. Allerdings wollten die US-Beamten ihre Prostituierten nicht bezahlen. Als diese die Polizei riefen, um ihren Lohn einzufordern, kam der ganze Skandal ans Licht. Der Secret-Service musste sich unangenehme Fragen stellen lassen, es rollten auf der Führungsebene Köpfe. Die betroffenen Mitglieder, die sich an den ausschweifenden Festen beteiligten, wurden suspendiert oder versetzt.

Der moralische Zeigefinger der US-Regierung wirkt unglaubwürdig

Für die USA ist der neuerliche Skandal noch aus einem anderen Grunde politisch brisant. Längst hat die USA in Lateinamerika ihren Ruf als moralische Institution verloren. Als die Obama-Regierung vor wenigen Tagen mit Sanktionen auf die schweren Menschenrechtsverletzungen in Venezuela reagierte und das Land als eine „Bedrohung für die Sicherheit“ brandmarkte, solidarisierten sich Lateinamerikas Linksregierungen mit der Maduro-Regierung in Caracas.

Beim anstehenden Amerika-Gipfel in Panama-Stadt Mitte April wird die Verhandlungsposition der USA durch solche Skandale weiter geschwächt. Vor allem die harte Gangart Washingtons im Kampf gegen Drogen stößt zunehmend auf Kritik. Zahlreiche lateinamerikanische Politiker wie Guatemalas Präsident Molina oder Kolumbiens Präsident Santos forderten eine Neuausrichtung der Drogenpolitik, die bislang vor allem auf eine militärische Bekämpfung der Mafia setzt. Den moralischen Zeigefinger aus Washington sind viele Regierungen in Lateinamerika nicht mehr bereit zu akzeptieren. Uruguay versucht sich deshalb erstmals an einer neuen Strategie und setzt auf eine vorsichtige staatliche Regulierung des Drogenmarktes. Dann würde das Geld nicht mehr in den Kassen der Kartelle, sondern in denen des Staates landen.

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