• Kreuzfahrtunglück: Ist der Kapitän schuld am Schiffbruch der "Costa Concordia"?

Kreuzfahrtunglück : Ist der Kapitän schuld am Schiffbruch der "Costa Concordia"?

Dem Kapitän wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, er soll zu nah an den Felsen vorbeigefahren sein. Er habe sie nicht sehen können, sagt der Kommandant.

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Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Noch dauert die Rettung an. Bei dem Schiffbruch der „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste sind – nach dem Stand von Sonntag – fünf der 4229 Personen an Bord ums Leben gekommen. 15 Personen werden noch vermisst. Nur weil der Kapitän nach dem Auffahren auf Felsen das beschädigte Schiff noch in allernächste Nähe zur Inselküste manövrierte, erklärte der italienische Zivilschutz, sei eine noch größere Tragödie verhindert worden.

Wie geht es den Passagieren?

Die von der „Costa Concordia“ geretteten Personen sind nach der mehr als sechsstündigen Rettungsaktion in der Nacht zum Samstag am Wochenende auf verschiedene Hotels verteilt worden. Die meisten der 3216 Touristen aus aller Welt traten am Sonntag per Flugzeug bereits den Heimweg an – unter ihnen auch der allergrößte Teil der 569 Deutschen, von denen etwa zehn wegen leichter Verletzungen kurzzeitig im Krankenhaus behandelt worden waren. Das Unternehmen „Costa Kreuzfahrten“ teilte am Sonntagnachmittag mit, unter den bis dahin noch vermissten Personen seien „nach Lage der Dinge“ keine Deutschen mehr. Das Außenministerium in Berlin sprach am Sonntagnachmittag allerdings von „einigen noch ungeklärten Fällen“. Noch könne man nicht davon ausgehen, dass sämtliche deutschen Passagiere das Unglück überlebt hätten.

Wer ist schuld an dem Unglück?

Der Kapitän ist verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen ein „allzu verwegenes Fahrmanöver“ und mehrfache fahrlässige Tötung vor – sowie die Tatsache, dass er als Kommandant zu früh von Bord gegangen ist: Nachdem die „Costa Concordia“ am Freitag gegen 21 Uhr 30 eine Klippe gestreift hatte und gekentert war, hatte der Kapitän das Schiff gegen 23 Uhr 30 verlassen; die letzten Passagiere wurden erst gut fünf Stunden später gerettet.

Als Ursache des Unglücks gilt, dass sich das Schiff nicht auf seiner normalen Route befand, auf der es die Unglücksstelle vor der „Isola del Giglio“ in etwa fünf Kilometern Entfernung hätte passieren müssen. Vielmehr hatte es sich bis auf 150 Meter der felsigen Küste genähert. Das Wetter scheidet als Erklärung für den ungewöhnlichen Kurs aus: Es war zum Zeitpunkt des Unglücks hervorragend.

Vielmehr deutet sich an, dass eine dichte Vorbeifahrt der „Costa Concordia“ an der Insel Giglio häufiger vorgekommen sein könnte. Nach Angaben der örtlichen Lokalzeitung „Il Tirreno“ zum Beispiel am 14. August 2011. Das beweise ein Schriftwechsel zwischen dem damaligen Kommandanten und dem Bürgermeister der Insel, Sergio Ortelli. Der Bürgermeister bedankt sich darin am Folgetag für das „wunderbare Schauspiel der Vorbeifahrt“.

Der genaue Grund für die allzu große Nähe zur Küste bei der Vorbeifahrt am Freitag – technisches oder menschliches Versagen – bleibt offen bis zur Auswertung der „Black Box“ des Schiffes, die wie der Flugschreiber bei einem Flugzeug alle Daten über die Route und die Geschehnisse auf der Kommandobrücke aufzeichnet. Die Box ist geborgen und könnte nach Auskunft der Staatsanwälte „schon in wenigen Tagen“ Erklärungen liefern.

Der Kapitän der Costa Concordia versichert derweil, die Granit-Klippen, die nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche ragen, nach Aussagen der Inselbewohner aber „scharf sind wie Messer“, seien auf den Seekarten nicht verzeichnet gewesen. Den Inselbewohnern freilich sind sie als „Le scole“ sehr wohl bekannt.

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