"Kürschnergate" : E-Mail-Chaos im Bundestag: Babette ist’s gewesen

Eine Mitarbeiterin einer Grünen-Abgeordneten schaffte es, den Mailverkehr des Bundestages lahmzulegen. Ursache war eine E-Mail "an alle". Daraufhin antworteten auch "alle".

Lilly Busch
Verwirrung im Bundestag.
Verwirrung im Bundestag.Foto: dpa

Der „Kürschner“, ein staubtrockenes Nachschlagewerk, in dem man nützliche Informationen für den alltäglichen Politikbetrieb findet, ist eigentlich nichts, worüber man sich normalerweise amüsieren würde. Doch am Mittwoch löste das Wort „Kürschner“ bei Twitter und Facebook Heiterkeits- und Begeisterungsstürme aus. Denn Dank des Handbuches war der Bundestag gestern so gut wie arbeitsunfähig. „heute.de“ berichtete am Mittwoch, was genau geschah: Um 9.44 Uhr entschied sich eine Wahlkreismitarbeiterin der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, eine Kollegin zu bitten, ihr ein Buchexemplar mitzubringen – und verklickte sich. Sie schrieb die Nachricht unter ihren Namen Babette aus Versehen an den ganzen Bundestag, auf sechs Rechner pro Bundestagsabgeordnetem, also 4032 an der Zahl. Auf die E-Mail „an alle“ antworteten andere wieder „an alle“. Im Sekundentakt tauschten sich „alle“ per Mail aus. Einige wollten einfach nur aus dem Verteiler genommen werden, andere machten sich darüber lustig. „Ich grüße hiermit meine Mutti“, tippte einer und klickte auf „Antwort an alle“. Bei Twitter machten Mitarbeiter und Abgeordnete den Vorfall öffentlich: Das sei wie Speeddating für den Bundestag, schrieb dort ein Mitarbeiter eines CDU-Abgeordneten, ein anderer stellte sofort die passende Facebook-Gruppe ins Netz: „Babette war’s“. Ein Grünen-Mitarbeiter twittert: „Mein erstes Kind soll Babette heißen.“ Die ungeschickte Wahlkreismitarbeiterin und ihre Chefin trugen es mit Humor. Am Ende meldete sich die Bundestags-Referat-IT: „Aus gegebenem Anlass wird hiermit daran erinnert, dass E-Mail-Verteiler ausschließlich für dienstliche Zwecke zu verwenden sind.“ lil

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