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Malaysia Airlines Flug MH370 : Boeing vermutlich gezielt Richtung Westen geflogen

Seit fast einer Woche wird Flug MH370 vermisst. Nun berichten Forscher von einem „Ereignis“ im Meer - möglicherweise ausgelöst durch ein abgestürztes Flugzeug. Sehen Sie hier die letzte Bewegung der Maschine auf dem Radarschirm.

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Die letzte Position von MH370 auf dem Radarschirm. Erkennbar ist die eingeleitete Rechtskurve.
Die letzte Position von MH370 auf dem Radarschirm. Erkennbar ist die eingeleitete Rechtskurve. Die Flugsicherung verwendet für...Foto: During (mit Genehmigung von flightrader24.com)

Das seit fast einer Woche vermisste malaysische Flugzeug ist Insidern zufolge gezielt Richtung Westen geflogen. Darauf deuteten Daten der malaysischen Streitkräfte hin, sagten mehrere mit den Ermittlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Eine Maschine, bei der es sich um Flug MH370 von Malaysia Airlines handeln solle, sei zwischen Luftfahrt-Wegemarken über dem Andamanischen Meer westlich von Malaysia aufgetaucht. Die Punkte würden von Verkehrsflugzeugen auf dem Weg in den Nahen Osten oder nach Europa genutzt. Das sei ein Hinweis, dass die Boeing 777 bewusst in das Gebiet gesteuert worden sei. Die Ermittlungen konzentrierten sich nun auf Sabotage oder eine Entführung.

Chinesische Forscher hatten ein „Ereignis“ am Meeresboden gemessen und dies als eine mögliche Spur zu der verschollenen Boeing gewertet. Eineinhalb Stunden nachdem der Kontakt zu dem Flug MH370 am Samstag abgebrochen war, registrierten Seismologen und Physiker die Besonderheit auf dem Meeresboden zwischen Malaysia und Vietnam, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete. Die Wissenschaftler von der Universität für Wissenschaft und Technologie sagten, dass das „Ereignis“ von einem in das Meer gestürzten Flugzeug ausgelöst worden sein könnte.

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein hatte zuvor Berichte dementiert, wonach die Triebwerke nach dem Verlust des Radarsignals noch stundenlang Betriebsdaten zur Bodenstation funkten. Das „Wall Street Journal“ hatte unter Bezug auf amerikanische Sicherheitskreise gemeldet, dass die Boeing aufgrund dieser Signale noch vier bis fünf Stunden weitergeflogen sein muss. Die beiden von Rolls-Royce gebauten „Trent 800“- Triebwerke sind mit rund zwei Dutzend Sensoren ausgestattet, die dem Hersteller ständig Betriebsparameter funken, damit Störungen frühzeitig erkannt werden können. Sowohl Rolls-Royce als auch Boeing lehnten am Donnerstag Stellungnahmen ab.

Im Meer treibender Müll hat nichts mit der Boeing 777 von Flug MH370 zu tun

Zuvor hatte die chinesische Verwaltung für militärische Forschung, Technologie und Industrie drei Satellitenfotos von drei im Südchinesischen Meer treibenden, bis zu 22 mal 24 Meter großen Gegenständen veröffentlicht, die zunächst dem Flugzeug zugeordnet wurden. Nachdem die vietnamesische Küstenwache bereits erste Zweifel angemeldet hatte, weil dieser Meeresteil bereits gründlich abgesucht worden war, entsandte Malaysia ein Suchflugzeug in das benannte Gebiet. Schließlich bestätigten chinesische und malaysische Behörden, dass es sich bei dem Fund vermeintlicher Wrackteile erneut um einen Irrtum gehandelt hat.

Die Boeing 777 gilt als sicheres Flugzeug

Drei Tage vor dem Verschwinden des Flugzeuges hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA eine Lufttüchtigkeitsanweisung für „bestimmte Modelle“ der Boeing 777 erlassen. Sie sollen überprüft und modifiziert werden, nachdem bei einer Maschine Korrosion und Rissbildung im Bereich des Adapters einer Satellitenantenne entdeckt wurden. Diese könnten zu einem plötzlichen Druckabfall und zu einem „Verlust der strukturellen Integrität“ der Maschine führen, schrieb die Behörde. Die auf dem Flug MH370 eingesetzte Maschine gehörte dem Vernehmen nach aber nicht zu den betroffenen Modellen. Bisher gilt die 777 als ausgesprochen sicheres Flugzeug.

Sehen Sie hier die genaue Bewegung der Maschine auf dem Radarschirm

Aufgrund der übermittelten Daten des ADS-B-Systems, bei dem ein Bordsender ständig Positionsangaben übermittelt, lässt sich der Flugweg von MH370 auf der Website flightradar24.com verfolgen. Danach ist die Maschine unmittelbar nach dem um 0.41 Uhr erfolgten Start in Kuala Lumpur auf einen Nordostkurs von 25 Grad gegangen. Um 1.01 Uhr erreichte sie südlich des Kenyir-Sees die vorgegebene Flughöhe von 35 000 Fuß (10 668 Meter). Um 1.09 Uhr überflog die Boeing die malaysische Ostküste nördlich von Kuala Terenggano in Richtung auf die Südspitze Vietnams.

Um 17.22 Uhr leitet MH370 bei einer Geschwindigkeit von 471 Knoten (rund 873 km/h) eine Rechtskurve ein. Die letzte Kursangabe lautet 40 Grad, die Höhenanzeige springt auf null, dann verschwindet das von der ADS-B-Station WMKC1 in Kota Bharu empfangene Signal. Sehen Sie hier die genaue Bewegung der Maschine auf dem Radarschirm. Klicken Sie hier und anschließend den Video-Rechtspfeil unter der Radarschirm-Darstellung. Sie können auch das Bild vergrößern und sich darin bewegen.

Die Verbindung stand, die Piloten hätten sofort Alarm schlagen können

Während der ganzen Zeit flog die Maschine unter dem ihr zugeteilten Transponder-Code 2157. Im Falle eines Notfalles, eines Funkausfalles oder einer Entführung hätten die Piloten einen der dafür vorgesehenen Codes wählen können, um die Fluglotsen zu alarmieren.

Zum Zeitpunkt des Verschwindens befanden sich nur zwei Airbusse der China Eastern Airlines jeweils auf Gegenkurs in der Nähe der Boeing. Flug MU5093 von Kunming nach Singapur befand sich westlich, Flug MU539 von Schanghai nach Kuala Lumpur östlich der Boeing. Beide Maschinen waren jedoch mehr als 100 Kilometer entfernt.

Die Wohnungen von Besatzungsmitgliedern wurden durchsucht

Malaysische Medien berichteten, dass die Polizei die Wohnungen von Besatzungsmitgliedern des Flugzeuges durchsucht und deren Angehörige befragt hat. Ferner heißt es, die Behörden würden sich für einen chinesischen Passagier uigurischer Abstammung interessieren. Die chinesischen Behörden machen uigurische Separatisten für das Massaker vor zwei Wochen im Bahnhof von Kunming verantwortlich. Malaysias Kripo-Chef Hadi Ho Abdullah dementierte, gegenüber der Presse entsprechende Angaben gemacht zu haben und erklärte, die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Flugzeugs seien vertraulich.

Malaysia Airlines haben indessen die Flugnummern der Verbindung zwischen Kuala Lumpur und Peking geändert. Aus Flug MH370 wurde Flug MH318. In der „New Straits Times“ wird darüber spekuliert, dass bei der Wahl der neuen Flugnummern auch die chinesische Zahlenmystik eine Rolle gespielt haben könnte. Die Acht ist dort die Glückszahl schlechthin, steht für Reichtum und Erfolg, die Neun für Langlebig- und Beständigkeit. Indessen hat das Flugplan-Kürzel von Malaysia Airlines eine makabre Bedeutung bekommen. M und H sind die Anfangsbuchstaben der malayischen Worte Masih Hilang und die bedeuten; „Noch immer vermisst“. (mit dpa)

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