Marihuana-Legalisierung in den USA : Berauschendes Geschäftsmodell

Haschisch-Brownies im Laden und Marihuana beim Apotheker: Das ist in einigen US-Bundesstaaten schon Realität. Doch in Colorado und Washington avanciert der Joint nun nach einer Volksabstimmung zum legalen Genussmittel. Die Grasindustrie wittert das große Geschäft.

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Zur medizinischen Nutzung ist Marihuana in Colorado schon seit dem Jahr 2000 legal.
Zur medizinischen Nutzung ist Marihuana in Colorado schon seit dem Jahr 2000 legal.Foto: dpa

Nach dem Supermarkt noch schnell in den Kannabis-Laden und dort ein Tütchen Gras für den Eigenbedarf kaufen: In zwei US-Bundesstaaten könnte das in einiger Zeit Realität sein. Erstmals in der Geschichte der USA haben die Wähler von Colorado und Washington für eine völlige Legalisierung von Marihuana gestimmt. Nach den beiden Volksabstimmungen, die am Tag der Präsidentenwahl stattfanden, avanciert der Joint dort nun zum legalen Genussmittel. In Zukunft sollen Erwachsene, die älter als 21 Jahren sind, bis zu einer Unze (28 Gramm) Gras besitzen dürfen. Auch für den Anbau, die Weiterverarbeitung und den Verkauf soll es neue Regelungen geben. Die Grasindustrie wittert jetzt das große Geschäft.

In Colorado begann Legalisierung von Marihuana schon im Jahr 2000. Damals entschieden die Wähler des Bundesstaates, dass der Besitz von Marihuana zu medizinischen Zwecken legalisiert werden soll. Patienten, denen ihr Arzt den Kannabis-Konsum empfohlen hatte, konnten fortan einen Freund oder Nachbarn als ihren „Pfleger“ bestimmen. Dieser durfte bis zu sechs Pflanzen anbauen und damit nicht mehr als fünf Patienten versorgen. Im Jahr 2007 wurde die Fünf-Patienten-Regel jedoch aufgehoben, so dass sich in den folgenden zwei Jahren hunderte Abgabestellen bildeten, die mehr als 100 000 Bürger mit Marihuana versorgten. Um die Droge zu kaufen benötigte man nicht mehr als eine Patienten-Karte. Mittlerweile darf in 18 US-Staaten, darunter Oregon, Kalifornien und Massachusetts, Marihuana für medizinische Zwecke verwendet werden.

Schon jetzt ist das Geschäft mit dem Gras äußerst lukrativ. Ob es nun das Tütchen Marihuana in der Apotheke ist oder ein Haschisch-Brownie aus dem Spezialgeschäft - die Droge mit der schmerzlindernden Wirkung geht oft über den Ladentisch. Im Jahr 2010 generierte der Verkauf von medizinischem Marihuana laut dem "Nationalen Verband der Cannabis-Industrie" in Colorado Einnahmen in Höhe von 181 Millionen Dollar. Mit der anstehenden Legalisierung der Droge als Genussmittel hoffen viele nun auf noch größere Gewinne.

Wenige Tage nach der Volksabstimmung fand in Denver, der Hauptstadt von Colorado, die "National Marijuana Business Conference" statt. Die Fragen der Stunde: Wie investiert man am besten in die Marihuana-Industrie? Und wie lässt sich der meiste Profit herausschlagen? Praktische Tipps gab es beispielsweise von Steve DeAngelo, dem Chef eines sogenannten "Health Centers", wo die Patienten zu medizinischen Zwecken Marihuana konsumieren können. Wer Erfolg in der Branche haben wolle, so DeAngelo, müsse auf sein Image achten und den Menschen vermitteln, dass es beim Cannabis-Konsum nicht um den Rausch, sondern um Wellness ginge. Auch ein guter Business-Plan und verschiedene Vertriebswege für die Marihuana-Produkte seien wichtig.

Doch nicht nur Kannabis-Verkäufer könnten davon profitieren, wenn der Verbrauch steigt. Auch Unternehmen, die Equipment zum Marihuana-Anbau und -Verkauf produzieren, dürften sich in Colorado und Washington wohl auf wachsende Einnahmen einstellen. "Nennt es den grünen Rausch", sagte Derek Peterson, CEO der Firma "GrowOp Technology", die online Hilfsmittel zum Innanbau von Pflanzen verkauft. "Die Industrie expandiert und es gibt so viele Möglichkeiten, zu investieren."

Doch einen Wermutstropfen gibt es für die Geschäftsmänner im grünen Rausch: Bis die neuen Gesetze in Washington und Colorado in Kraft treten und dort Marihuana als legales Genussmittel verkauft werden kann, wird es wohl noch etwa ein Jahr dauern. Zudem ist unklar, ob die Regierung in Washington D.C. die neue Regelung, die einen klaren Verstoß gegen die Bundesgesetze darstellt, nicht doch noch kippen wird.

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