Matthies meint : Fall Böhmermann: Die Lösung wäre, das Internet zu löschen

Wenn sich das Internet löschen ließe, bliebe uns der eine oder andere Informations-Overkill erspart, meint Bernd Matthies. Wie im Fall Böhmermann.

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Auch eine intensive Google-Recherche nach dem richtigen Weg führt dauernd in die Irre.
Auch eine intensive Google-Recherche nach dem richtigen Weg führt dauernd in die Irre.Foto: REUTERS

Das wäre der richtige Augenblick für eine Zeitreise. Ein paar Wochen zurück, dann zum ZDF gehen und denen sagen, Freunde, passt mal auf den Böhmermann auf... Was wäre uns erspart geblieben!

Klar, Zeitreisen gehen nicht. Die nächste, weniger disruptive Möglichkeit bestünde darin, wenigstens das Internet zu löschen, um nie wieder vom Thema zu hören oder zu sehen. Viele junge Nerds überwiegend zwischen zehn und zwölf arbeiten daran, aber ihre Erfolge halten sich in Grenzen – meistens schießen sie nur den eigenen Rechner kaputt. Und auch eine intensive Google-Recherche nach dem richtigen Weg führt dauernd in die Irre: Wie Sie Ihre Spuren im Internet löschen. Mehr steht da nicht, schönen Dank.

Möglicherweise ist also der ganze Ansatz falsch. Aber es gibt Hoffnung, und sie verknüpft sich mit dem britischen Web-Dienstleister Marco M., der kürzlich in seinem Büro einen falschen Computerbefehl eingegeben hat. In der nächsten Sekunde waren all seine Daten weg, die Internetseiten seiner Kunden gleich mit und alle Back-ups auch. Er hat seine komplette Firma vernichtet.

Mehr "rm -rf" wagen

Das könnte also eine Möglichkeit sein. Wir lesen, der unter Experten berüchtigte Computerbefehl laute "rm -rf" und gelte als tückisch, weil er, fehlerhaft formuliert, alles plattmacht, was in seiner Umgebung ist. Es heißt weiter, Marco M. habe damit aber vor allem bewiesen, dass er ein Trottel sei, der seine Finger ohnehin von elektronischen Geräten lassen solle – aber hier ist nicht der Ort, das zu beurteilen.

Es geht ausschließlich darum, dass es diese Möglichkeit gibt: rm-rf. Das Kürzel aus dem Unix-Dateisystem werde "wegen seiner katastrophalen Wirkung bereits von der Netzkultur metaphorisch verwendet", lesen wir bei Wikipedia, aha, es bedeutet also so viel wie "Overkill", jenes verheerende Kommando, an das sich die Anhänger von Orion-Commander McLane vielleicht noch...

Der Richter ist zu bedauern

Ich schweife ab. Im Grunde ging es darum, die Frage zu beantworten, wie sich Informations-Tsunamis wie der aktuell aufschäumende unter Kontrolle bringen ließen. Vielleicht kann ja jeder, dem die Nerven flattern, einfach ein wenig mit rm -rf herumspielen, um zu testen, ob da was geht oder nicht.

Bei der Gelegenheit: Man wird wohl heute schon den Richter bedauern dürfen, der die Beleidigungsklage ZDF/Erdogan abzuhandeln hat. Was immer er tut: Die Löschung des Internets dürfte dagegen eine Kleinigkeit sein.

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