"Mein Herz" : Schlager boomt: "DSDS"-Gewinnerin Beatrice Egli liegt im Trend

Pop ist out, Schlager ist in – das zeigt auch der Sieg der Schweizerin Beatrice Egli bei „Deutschland sucht den Superstar“. Die große Vorreiterin der Welle ist Helene Fischer, die landauf, landab die Hallen füllt und von den Fernsehanstalten umworben wird.

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Eine Schweizerin als Deutschlands Superstar. Siegerin Beatrice Egli.
Eine Schweizerin als Deutschlands Superstar. Siegerin Beatrice Egli.Foto: picture alliance / dpa

Allein der Titel hätte bei den meisten Teenies früher wohl Brechreiz ausgelöst: „Mein Herz“, das klingt nach Schlager, Schmalz und Schunkelei, also nach all dem, was Jugendliche eigentlich am allerwenigsten hören wollen. Doch genau mit diesem Lied hat Beatrice Egli, 24, am Samstagabend das Finale der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) gewonnen. Mehr als 70 Prozent der Zuschauer, die über die Gewinnerin per Telefon und SMS abstimmen durften, haben sich für die Schlagersängerin und damit gegen ihre Konkurrentin Lisa Wohlgemuth, 21, entschieden, teilte RTL mit. 14 bis 49 Jahre alt ist die Mehrheit dieser Zuschauer. Und für sie gilt offensichtlich: Pop ist out, Schlager ist in – ein Trend, der sich jedoch nicht nur in dieser zehnten Jubiläumsstaffel von „DSDS“ gezeigt hat.

Mit Andrea Berg, Helene Fischer und Andreas Gabalier hat eine neue Generation von Sängern die Bühne betreten, die Schlager nicht mehr als Mutti-Musik, sondern als Lifestyle verstehen und präsentieren. Der „Volks-Rock-’n’-Roller“ Gabalier kommt zwar in Lederhosen daher, gibt sich aber als Casanova mit Rockabilly-Frisur und singt vom „Sweet Little Rehlein“. Helene Fischer hat jüngst in Berlin die Echo-Verleihung moderiert, die als Familientreffen des Pop gilt, doch die Schlagersängerin wurde von der Branche beklatscht wie ihresgleichen. Heftig wird Fischer derzeit sowohl von ARD als auch ZDF umworben, beide Sender würden sie gerne enger an sich binden. Da müssen die Vertreter der vorherigen Volksmusik-Generation Platz machen. So will das Zweite künftig jährlich nur noch drei statt sechs Ausgaben von „Willkommen bei Carmen Nebel“ ausstrahlen.

Und Andrea Berg, die statt im Dirndl lieber in knappen Lederoutfits auftritt, war in diesem Jahr sogar zu Gast bei „DSDS“, für einen Abend saß sie in der Jury neben den Tokio-Hotel-Zwillingen Tom und Bill Kaulitz und Mateo von der Band Culcha Candela. Geholt hatte sie Chefjuror Dieter Bohlen, der Andrea Berg bereits produziert hat. Bohlen wird ein feines Gespür für Musiktrends nachgesagt und in dieser „DSDS“-Staffel setzte er konsequent auf Schlager. Eine Woche nach Berg stand Heino auf der Bühne, der sich gerade neu erfindet und Lieder von Bands wie Rammstein und den Ärzten covert, was diese wiederum offensichtlich nicht so toll finden.

Berg und Heino in die Sendung zu holen war allerdings auch ein Versuch, „DSDS“ aus dem Quotentief zu holen. Lediglich 4,63 Millionen Fans schalteten die Finalshow am Samstag ein, ein Negativrekord. Im Vergleich: Bei der ersten Staffel 2003 verfolgten noch 12,8 Millionen Zuschauer das Finale, 2011 in der achten Staffel waren es immerhin noch 6,30 Millionen Menschen. In ihrem zehnten Jubiläumsjahr steckt die Castingshow damit offensichtlich in der Krise. „DSDS“-Produzentin Ute Biernat deutete zuletzt an, dass die Präsenz von Bohlen reduziert werden könnte. Zusammengerechnet würde Bohlen mit dem „Supertalent“ und „DSDS“ „32 Samstage von 52 im Jahr on air“ sein. „Da muss man aufpassen, wie man das frisch hält – und ob man es nicht zurückfährt“, sagte sie im dem „Kölner Express“. Am Samstag aber gab es aber dennoch den Aufruf, sich für eine neue „DSDS“-Staffel 2014 zu bewerben.

Das Vorbild. Helene Fischer ist der Star der Szene.
Das Vorbild. Helene Fischer ist der Star der Szene.Foto: dpa

Ein Gewinner bleibt Bohlen trotzdem. Er hat für Egli „Mein Herz“ komponiert, der Song dürfte schnell auf Platz eins in den Charts einsteigen – und die Popstars verdrängen. „Die Leute freuen sich, ihre deutsche Sprache klingen zu hören. Das ist moderne Musik mit modernen Texten, die gute Laune macht, und davon kann man nie genug haben“, sagte Egli, die aus Pfäffikon kommt und gelernte Hairstylistin ist, am Sonntag dem Tagesspiegel. Sie ist überzeugt, dass sich der Schlagertrend weiter fortsetzen wird: „Das ist doch wie bei Rosamunde Pilcher. Keiner gibt’s offiziell zu, aber sehen tun es die Leute trotzdem gerne. Es gibt eben diese Sehnsucht nach einer heilen Welt“. „Mein Herz, es brennt total verliebt, ist schon klar, dass es kein morgen gibt“, heißt es in ihrem Lied. Für den Schlager, so viel ist sicher, wird es ein morgen geben.

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