Mensch und Tier : Fehlender Sex treibt Taufliegen in den Alkohol

Unklar ist, ob das auch auf Menschen zutrifft. Forscher hoffen aber, später einmal mit ihren Erkenntnissen Suchtprobleme bei Menschen besser bekämpfen zu können.

Fabian Morsch
Manchmal frustriert: die Taufliege, nicht zu verwechseln mit der Fruchtfliege, auch wenn es im Englischen "fruit fly" heißt.
Manchmal frustriert: die Taufliege, nicht zu verwechseln mit der Fruchtfliege, auch wenn es im Englischen "fruit fly" heißt.Foto: dpa

Alkoholkonsum erzeugt bei Taufliegen ein ähnliches Glücksgefühl wie Sex. Forscher haben herausgefunden, dass männliche Taufliegen dazu neigen, einen Ausgleich zu suchen, sollte der Sex ausbleiben. Diesen finden sie häufig im Alkohol, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“.

Die Ursache hierfür sei der Botenstoff Neuropeptid F. Dieser werde durch Sex sowie durch Alkoholkonsum freigesetzt und aktiviere ein Belohnungszentrum im Gehirn. Wissenschaftler von der Universität von Kalifornien in San Francisco brachten in einem Experiment männliche Taufliegen mit weiblichen zusammen. Die Weibchen hatten sich bereits zuvor gepaart und wiesen ihre Verehrer daher zurück. Im Anschluss boten die Forscher den frustrierten Taufliegenmännchen normales sowie mit Alkohol versetztes Futter an. Die abgewiesenen Insekten bevorzugten eindeutig die alkoholische Speise. Wiederholte man den Test später und ließ die Taufliegenmännchen im Test kopulieren, wählten sie anschließend das normale Futter. Zum gleichen Ergebnis kamen die Forscher, als sie den Neuropeptidlevel der Tiere durch genetische Manipulation künstlich erhöhten. Auch hier bevorzugten die Taufliegen normales Futter.

„Sexentzug erzeugt einen Mangel dieses Botenstoffs, der die Taufliegen nach anderen Möglichkeiten der Befriedigung suchen lässt“, erklären Ghalit Shohat-Ophir und seine Kollegen. Mittels Tests wie diesen hoffen Wissenschaftler, die molekularen und genetischen Grundlagen von Belohnung und deren Zusammenhang mit Sucht- und Missbrauchsverhalten in Zukunft besser zu verstehen. Bei Säugetieren gäbe es nämlich einen eng verwandten Hirnbotenstoff, das Neuropeptid Y. Es sei bereits erwiesen, dass die Produktion dieses Stoffes bei Menschen mit Depressionen oder Alkoholsucht unterentwickelt ist. Auch für die Schlaf- und Stressverarbeitung sei das Neuropeptid Y wichtig.

Eine direkte Verbindung zwischen dem Botenstoff und menschlichem Suchtverhalten sei aber noch nicht nachgewiesen. „Es ist verlockend, die Ergebnisse bei den Taufliegen auf den Menschen zu übertragen und auch dort auf eine Verbindung zwischen sexueller Zurückweisung und Alkoholkonsum zu schließen“, sagt Troy Zars von der Universität von Missouri in Columbia in einem Kommentar zu der Studie. Es sei aber verfrüht, diese Schlussfolgerung schon jetzt zu ziehen. Ein solcher Zusammenhang müsse erst eindeutig nachgewiesen werden.

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