Welt : Mercedes-Manager mit seiner Familie ermordet

Harald Maas

Eine vierköpfige deutsche Familie ist am Wochenende in der ostchinesischen Stadt Nanjing von Einbrechern ermordet worden. Nach Angaben der Provinzregierung von Jiangsu hat die Polizei vier Bauern festgenommen, die ein Geständnis abgelegt haben sollen. Die Bluttat, bei der auch zwei Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren ermordet wurden, ereignete sich nach Angaben der Polizei am Sonntag um ein Uhr morgens.

Der 50-jährige Jürgen Pfrang, der als Vizegeschäftsführer für ein Bus-Unternehmen von DaimlerChrysler arbeitete, sei mit seiner Familie nach einem späten Abendessen nach Hause gekommen und habe dort die Diebe überrascht, teilte eine Unternehmenssprecherin in Stuttgart mit. Es sei zu einem Kampf gekommen, bei dem sich Jürgen Pfrang vergeblich gewehrt und laut um Hilfe geschrien habe. Vermutlich in Panik hätten die Diebe dann die Familie mit langen Melonenmessern erstochen, sagte ein Polizeibeamter in Nanjing. Aufmerksam gewordene Wächter hätten vor dem Haus Blutspuren gefunden, und die Polizei alarmiert, berichtet die Lokalzeitung "Jiangnan Times". Die vier zum Teil zerhackten und blutüberströmten Leichen seien in einem Raum im zweiten Stock des Hauses entdeckt worden, berichtete die Polizei.

Die mutmaßlichen Mörder im Alter zwischen 19 und 21 Jahren wurden auf der Flucht in der Wohnanlage geschnappt. Die vier Bauern aus dem Nachbarkreis Suyang hätten mittlerweile ein Geständnis abgelegt, sagte ein Sprecher der Provinzregierung: "Es gibt auch belastende Fingerabdrücke und Fußspuren, welche die Täter überführen." Die Männer sollen erst am 1. April nach Nanjing gekommen sein und sich die luxuriöse Wohnanlage am Xuanwu-See für einen Diebstahl ausgesucht haben. Als Dienstboten verkleidet hätten sie sich Zugang in die nur leicht bewachte Villenanlage verschafft. Zuerst seien sie in ein Nachbarhaus eingedrungen. Weil sie dort aber nichts fanden, seien sie durch ein Fenster in das Haus der Deutschen eingebrochen.

Jürgen Pfrang und seine Familie lebten seit Mai 1997 in Nanjing. Er war für das deutsch-chinesische Busunternehmen Yaxing-Benz als Finanzmanager zuständig.

Nach Einschätzung des deutschen Generalkonsulats in Shanghai, das am Montag eine Mitarbeiterin nach Nanjing entsandte, handelt es sich bei der Ermordung um einen tragischen Einzelfall, der offensichtlich nicht geplant war. China gilt für Geschäftsleute als sehr sicheres Land. Verbrechen gegen Ausländer sind äußerst selten und werden von den Behörden mit drakonischen Strafen bis zum Tod geahndet. Als Folge von Massenentlassungen hat sich in manchen Gebieten die soziale Lage jedoch so verschärft, dass Diebstahl und Überfälle auch gegen Fremde zunehmen. Nach der Ermordung eines russischen Geschäftsmannes in einer populären Bar in der Hauptstadt Peking hatte die US-Botschaft im vergangenen Sommer eine Sicherheitswarnung an alle Amerikaner im Land veröffentlicht.

Die chinesischen Behörden kündigten an, die jetzt Verhafteten würden "streng bestraft". Sie werden aller Voraussicht nach hingerichtet.

DaimlerChrysler und deutsche Wirtschaftsvertreter in China zeigten sich "schockiert" und "tief bestürzt" über die Bluttat. Der Delegierte der deutschen Wirtschaft, Jörg Rudolph, Geschäftsführer der deutschen Auslandshandelskammer in Peking, erläuterte, dass die Bestürzung auch deshalb so groß sei, "weil wir immer gedacht haben, in China kann so etwas nicht passieren". Obwohl die Ausländer in China abgeschirmt von der Gesellschaft lebten, habe der Fall in Nanjing gezeigt, "dass es doch passiert".

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