Missbrauch in Riekhofen : "Die Verantwortung trägt der Täter"

In Riekhofen wurde ein bekannter Sexualstraftäter als Pfarrer eingesetzt. Die Gemeinde wurde nicht informiert. Dann missbrauchte der Mann wiederum einen Ministranten. Der verantwortliche Bischof wäscht seine Hände in Unschuld.

Bischof
Wäscht seine Hände in Unschuld. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. -Foto: ddp

RegensburgZehn Minuten lang verlas Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller im Saal "Dionys" seines Diözesanzentrums eine zweieinhalbseitige Erklärung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den Pfarrer von Riekofen. Doch trotz ausschweifender Erklärungsversuche hat man den seit fünf Jahren amtierenden Geistlichen selten sprachloser erlebt. Auf die bohrenden Fragen der Journalisten nach persönlichen Konsequenzen sagte er knapp: "Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter." Eine Antwort auf die Frage, ob er den Gläubigen der Pfarrei Riekofen noch in die Augen sehen könne, blieb er ganz schuldig.

Am 30. August wurde der Riekofener Pfarradministrator Peter K. unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Ministranten festgenommen. Dass er bereits acht Jahre zuvor im niederbayerischen Viechtach zwei Brüder missbraucht hatte, war erst wenige Wochen zuvor bekanntgeworden. Bischof Müller hatte sich im Jahr 2004, nach Ablauf einer Bewährungsstrafe und Vorlage eines positiven Gutachtens, für die Einsetzung von Peter K. in der Pfarrei im Landkreis Regensburg entschieden. Den Gläubigen war von der Vorgeschichte des Mannes nichts mitgeteilt worden. "Es war nicht möglich, dies der Gemeinde zu sagen, weil sonst kein Einsatz möglich gewesen wäre", sagte Generalvikar Michael Fuchs.

Jammervolle Töne

Nun üben sich die Beteiligten der damaligen Entscheidung in jammervollen Tönen. "Es handelt sich um eine schwere Sünde gegen das sechste Gebot", sagte Müller. Der Täter habe das Vertrauen der Diözese schändlich missbraucht. Generalvikar Fuchs gestand sogar ein, dass Peter K. offenbar sein Amt genutzt habe, um sich an Kinder heranzumachen. Fast angewidert verzog Müller dazu sein Gesicht: "Die Hände des Priesters werden mit dem heiligen Öl gesalbt, damit er die Menschen segnet und nicht, dass er ihnen schadet."

Doch all das Wissen von heute habe man damals nicht gehabt, verteidigte der Bischof sein Vorgehen. Die Gemeinde habe sich den
Priester doch geradezu als Pfarrer gewünscht, weil er nach gottesdienstlichen Aushilfen beliebt gewesen sei. "Wenn Jesus auch den schlimmsten Sündern verziehen hat und nach menschlichem Ermessen bei Peter K. wie bei jedem anderen Menschen, der auch mit Jugendlichen zusammenkommt, kein Übergriff mehr zu erwarten war, wie konnte man ihm eine zweite Chance versagen?"

Ein Satz zu eigenen Fehlern kommt dem Bischof nicht über die Lippen. Es ist an Rechtsanwalt Thomas Pfister, den Verantwortlichen für den Fall Riekofen zu benennen: "Dieses Gutachten ist falsch, aber was soll man machen." In dem von Peter K.'s Therapeuten verfassten Bericht aus dem Jahr 2003 werde von einem "einmaligen, regressiven Verhalten" gesprochen. Der Geistliche weise keinesfalls eine pädophile Fixierung auf. Pfister: "Dieses Gutachten ist absolut positiv, es geht sogar so weit, dass es sagt, man könne ihn wieder als Pfarrer einsetzen." Rechtlich, so der Jurist, habe deshalb das Bistum Regensburg keine Fehler gemacht.

Weitere Opfer? Natürlich nicht

Von möglichen weiteren Opfern in Riekofen will das Bistum derzeit nichts wissen. In gewundenen Worten sagte Generalvikar Fuchs: "Ich habe Hinweise auf auffälliges Verhalten bekommen, aber nicht auf weiteren sexuellen Missbrauch." Bischof Müller versprach den
Angehörigen des Opfers jede erdenkliche Hilfe - wies aber zugleich den in dieser Woche geäußerten Vorwurf, man habe der Familie der Viechtacher Opfer Schweigegeld gezahlt, vehement zurück. Dass er am Sonntag nicht selbst, wie ursprünglich geplant, nach Riekofen reise, habe nur einen Grund: "Ich will die Einführung des neuen Pfarrers und die Aufarbeitung der Vorwürfe auseinanderhalten."

Einen Generalverdacht gegen die 1800 Priester und Diakone in seinem Bistum dürfe es nicht geben. Ebenso wollte es Müller nicht zulassen, dass ein externes Kontrollsystem über die Kirche verhängt werde. "Wir sind eine geistige Gemeinschaft, unser Verhältnis ist auf Vertrauen aufgebaut." Ob sich dann nicht aber ein Fall Riekofen wiederholen könne, wurde Bischof Müller gefragt. "Man darf mich nicht mit meinem Vorgänger Manfred Müller verwechseln. Unter meiner Ägide gibt es keinen laxen Umgang mit solchen Dingen." Er sei aber nicht verantwortlich für alles das, was seine Geistlichen "in diesem Bereich" tun. (mit ddp)

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