Mittsommernacht : So feiern die Europäer die Sommersonnenwende

In der Mittsommernacht feiert Nordeuropa die Ankunft des Sommers mit heidnischen Bräuchen, Saunabesuchen – und zum ersten Mal mit einer Zugfahrt zum Polarkreis. Unsere Redakteurin ist live dabei!

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Leuchtende Landschaften. Auch nachts geht die Sonne nicht unter.
Leuchtende Landschaften. Auch nachts geht die Sonne nicht unter.Foto: promo

Wenn die Sonne nicht mehr untergeht, feiert Nordeuropa durch. Egal ob nachts um zwölf oder morgens um vier, es wird nie richtig dunkel. Warum also schlafen? Die Landschaften leuchten regelrecht magisch – ein Grund, warum die Feiern zur Sommersonnenwende zu den ältesten Brauchtümern der Welt gehören. Vor allem in den skandinavischen Ländern und im Baltikum leben viele dieser Bräuche weiter. Strandfeuer, nächtliche Fallschirmsprünge oder Saunabesuche mit der Familie – die Feierlichkeiten sind vielfältig und bunt. Und in Finnland fährt in diesem Jahr ein Partyzug die Nacht durch – von Helsinki bis zum Polarkreis.

Die astronomische Sommersonnenwende fällt auf die Nacht des 21. Juni, den Sommerbeginn, wenn die Sonne senkrecht über dem Wendekreis steht. Die Skandinavier nutzen den Anlass meist, um das Wochenende durchzufeiern. In Finnland wird „Juhannus“ gefeiert, in Norwegen das „Sankt-Hans-Fest“ und in Schweden „Midsommar“, nach Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres.

Auch in St. Petersburg geht die Sonne an diesem Wochenende nicht unter. Die Russen feiern gleich einen ganzen Monat lang mit vielen Festivals und Konzerten. Für die Schüler-Abschlussparty „Purpurrote Segel“ bekommen alle Schulabgänger St. Petersburgs zwei Karten geschenkt: Am 24. Juni steigt in diesem Jahr die Party mit Feuerwerk und Open-Air-Konzert.

Im südenglischen Stonehenge werden am Donnerstag 20 000 Sommeranbeter erwartet. Im prähistorischen Steinkreis feiern die verrücktesten Gestalten die ganze Nacht durch und vertreiben sich die Zeit mit heidnischen Bräuchen und mystischen Ritualen. Allerdings sind die Wetterprognosen mit hoher Regenwahrscheinlichkeit in diesem Jahr eher britisch ungemütlich.

Die Norweger feiern ihr Sankt-Hans- Fest am 23. Juni – hier wird die Mittsommernacht traditionell mit dem Gedenktag an Johannes den Täufer verknüpft, in den Norwegen und auch Dänemark hineinfeiern. Familien und Freunde grillen im Park oder am Strand, der Alkohol fließt trotz hoher Preise in rauen Mengen. Und doch ist das Fest nicht nur ein großes Besäufnis, sondern auch ein traditionelles Ritual. Die Norweger zünden große Feuer an, um die Hexen zu verscheuchen, die sich der Sage nach in dieser Nacht treffen. Wie auch in Schweden heißt es hier, junge Mädchen sollten sieben Sorten wilder Blumen pflücken und sich diese in der Nacht unters Kopfkissen legen – dann träumten sie von dem Mann, den sie heiraten werden. Deswegen tragen viele Mädchen in der Mittsommerzeit Blumenkränze im Haar.

In Finnland sind die Städte am Sonnwendwochenende wie leer gefegt. Helsinki verwandelt sich an „Juhannus“ in eine fast menschenleere Geisterstadt. Die Einwohner verbringen das Fest lieber auf dem Land, in Ferienhäusern oder am Strand. Auch hier ist es Tradition, böse Geister mit Feuern zu vertreiben, und Fallschirmspringer stürzen sich um Mitternacht aus dem Flugzeug. In diesem Jahr aber haben sich die Finnen etwas ganz Spezielles ausgedacht: Ein ganzer Zug wird zur mobilen Sonnwend-Party. Von Helsinki bis zum Polarkreis nach Rovanimie fährt er, von 19 Uhr abends bis acht Uhr morgens wird auf den Schienen der Sommer gefeiert. 950 Kilometer geht es einmal fast komplett durch Finnland. Je weiter die Reise nach Norden geht, desto heller wird die Nacht – am Zielort Rovanimie, der Hauptstadt der Provinz Lappland, geht die Sonne acht Wochen lang nicht unter. An Bord feiern Künstler, Musiker und Schauspieler, auch der finnische Fußball-Nationaltrainer „Mixu“ Paatelainen ist mit dabei. Die Reise führt von Helsinki über Riihimäki, Hämeenlinna, Tampere, Parkano, Seinäjoki, Kokkola, Ylivieska, Oulu und Kemi, an jedem Bahnhof bereiten die Einwohner festliche Empfänge vor. Schließlich endet die Fahrt in Rovanimie – wo angeblich der Weihnachtsmann wohnt.

Arte überträgt am Freitag ab 22 Uhr die ganze Nacht live aus dem Zug, Tagesspiegel-Redakteurin Anke Myrrhe blogt die ganze Nacht auf: http://www.arte.tv/sites/de/mittsommernacht/

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