Mönche in Thailand und Indien : Die Milliarden der Luxus-Gurus

Sie predigen Verzicht und fliegen selbst in Privatjets um die Welt. Wie in Asien aus spirituellen Führern schwerreiche Unternehmer werden.

Daniel Kestenholz
Baba Ramdev strebt eigentlich nach geistiger Ausgeglichenheit. Aber auch an ganz weltlichen Freuden ist er interessiert.
Baba Ramdev strebt eigentlich nach geistiger Ausgeglichenheit. Aber auch an ganz weltlichen Freuden ist er interessiert.Foto: Andy Buchanan/ AFP

Die Grenzen zwischen Heiligkeit und Scheinheiligkeit sind oft fließend. Das beweist in letzter Zeit auch ein Blick auf eine Vielzahl spiritueller Führer in Asien. In Thailand zum Beispiel sorgt schon seit Jahren "Jet-Set-Mönch" Wirapol Sukphol für Aufregung, weil er sich in seinem Privatflugzeug mit teurer Sonnenbrille und Louis Vuitton-Tasche filmen lässt. Auch wenig vorbildhaft: Der 90-jährige "Bad boy" wird von den thailändischen Behörden unter anderem wegen Vergewaltigung, Geldwäsche und Spendenbetrugs gesucht. Erst kürzlich ließ sich das designierte buddhistische Oberhaupt Thailands dann –illegal – einen sündhaft teuren Mercedes-Oldtimer importieren.

Baba Ramdev: Ein Yoga-Guru wird zum Großunternehmer

Auch in Indien, einem Land mit zahlreichen, inbrünstig gelebten Religionen, gibt es Reihe von Gurus, für die Meditation, Yoga und Askese in einer abgeschiedenen Himalaya-Höhle eher zweitrangig geworden sind. Paradebeispiel: Der "weise Vater" und Mönch Baba Ramdev. Als Yoga-Guru lehrte er Millionen Zuschauern jahrelang in Fernsehsendungen richtige Atemtechniken, brachte ihnen die Kräuterheilkunst näher und verknotete seinen Körper waghalsig. Heute ist der einst so spirituelle Ramdev zunehmend dem Kapitalismus zugeneigt, er ist mittlerweile Herr über ein Milliarden-Imperium. Schätzungen zufolge wird der Umsatz seiner Firma "Patanjali" im Jahr 2020 stattliche drei Milliarden Dollar betragen. Schon jetzt ist "Patanjali" der größte Werbekunde im indischen Fernsehen, die landesweit zehn Produktionsstätten beliefern kleine Straßenläden wie große Supermarktketten.

Mit "Make in India" gegen ausländische Großkonzerne

Ramdevs Ashrams, eigentlich religiöse Meditationszentren, wurden im Zuge der Kommerzialisierung ihres Eigentümers kurzerhand umfunktioniert. Ramdevs Firma stellt dort mittlerweile Hunderte von pflanzlichen und organischen Produkten her, darunter Seife, Shampoo, Zahnpasta, Waschmittel, Säfte und Honig. Ramdev stellt sich dabei angeblich ganz in den Dienst seiner Nation, folgt er doch dem "Make in India"-Aufruf von Premier Narendra Modi. Im Rahmen dieser Initiative fordert der Regierungschef, das Land nicht internationalen Großkonzernen wie Nestlé oder Unilever zu überlassen. In dem Land, in dem lange als "in" galt, was ausländisch war, appelliert auch Ramdev an den indischen Nationalstolz und preist seine Produkte mit "indischer Seele" an. Man solle sich auf das Ayurveda-Wissen und die Yoga-Kultur verlassen – eine 490 Milliarden Dollar Industrie –, um ausländischen Multis neue Spielregeln vorzugeben. Unilever hat schon reagiert und einen einheimischen Haarölproduzenten aufgekauft.

"Guru Inc.", so nennt man in Indien den Trend der Mönche, die sich zu gewieften Geschäftsleuten mausern. Auch Baba Gurmeet Ram Rahim Singh ist einer von ihnen. Er versteht sich nicht nur als Geistlichen, sondern auch als Schauspieler, Sänger, gar eine Art Rockstar. Singh präsentiert sich gern in schrillsten Kostümierungen in Filmen und Musikvideos. Neuerdings prangt sein Konterfei nun auch auf der Produktlinie MSG, einer Reihe, die organische Nahrungsmittel und Gesundheitsprodukte produziert.

Geistige Führer und Politiker kennen sich in Indien

Renditen und weltliche Ideale vertragen sich bei alldem scheinbar bestens mit religiöser Entsagung. Schließlich kurbeln die "Boten Gottes" die heimische Industrie an und schaffen Arbeitsplätze. Dass sie dabei auch Immobilien, Luxusautos und unbesteuerten Reichtum horten – nur ein "Nebeneffekt". Geistige Führer und Politiker kennen sich in Indien, und die Behörden verhalfen der "Make in India"-Bewegung auf ihre ganz eigene Weise zu Rückenwind, als sie vergangenes Jahr den Proteststurm gegen angeblich verunreinigte Maggi-Fertignudeln noch weiter anheizten. Hersteller Nestlé nahm die Produkte monatelang vom Markt. In die Bresche sprang Baba Ramdev, der schnell seine eigene Nudelmarke lancierte.

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