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Mythos "geplante Obsoleszenz" : Haltbarkeit gibt es nicht geschenkt

24.12.2012 18:10 Uhrvon
Brummendes Weihnachtsgeschäft. Smartphones, Tablets, Flachbildschirme und andere technische Geräte sind der Renner in Kaufhäusern, Geschäften und Onlineshops. Dass sie nicht sehr lange in Benutzung sind, hat einen ganz speziellen Grund. Foto: dpaBild vergrößern
Brummendes Weihnachtsgeschäft. Smartphones, Tablets, Flachbildschirme und andere technische Geräte sind der Renner in Kaufhäusern, Geschäften und Onlineshops. Dass sie nicht sehr... - Foto: dpa

Haben technische Geräte ein eingebautes Verfallsdatum? Verbraucherschützer und Wissenschaftler nehmen die Industrie in Schutz.

Wer hat das nicht schon einmal erlebt: Ein neu gekauftes Gerät funktioniert tadellos, gibt aber kurz nach Ablauf der Garantiezeit seinen Geist auf. Bald steuert der Bekanntenkreis ähnliche Beispiele bei. Da entsteht rasch ein Verdacht. Bauen manche Hersteller Geräte mit einem eingeplanten Verfall, der kurz nach der Garantiezeit liegt? Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: „geplante Obsoleszenz“. Jetzt, da zum Weihnachtsfest wieder viele Geräte verschenkt werden, taucht diese Frage wieder auf. Fast erwartungsgemäß streitet zum Beispiel der Zentralverband der Elektroindustrie solches Verhalten strikt ab. Überraschend aber ist die Unterstützung, die von eher unerwarteter Seite kommt: „Bei unseren Untersuchungen konnten wir bisher keine geplante Obsoleszenz feststellen“, erklärt Jürgen Nadler, der bei der Stiftung Warentest in Berlin wissenschaftlicher Leiter des Multimediateams ist.

Die einzigen handfesten Hinweise auf ein solches gewolltes technisches Verfallsdatum stammen dann auch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Legendär ist der Nylonstrumpf, der – geschäftsschädigend – zunächst keine Laufmaschen bekam. Die sollten später dazukommen.

Damals sollen auch Hersteller von Glühlampen die Betriebsdauer nach internationalen Absprachen auf höchstens tausend Stunden begrenzt haben. Technisch war diese Vorgabe einfach umzusetzen. Das Licht entsteht beim Aufheizen eines dünnen Metalldrahts. Dabei verdampfen Metallatome. Irgendwann sind so viele Atome verdampft, dass der Draht an der dünnsten Stelle reißt. „Ein gute Glühwendelkonstruktion mit entsprechender Aufhängung verringert die mechanische Belastung durch Erschütterungen und verhindert so ein frühes Reißen“, erklärt Jürgen Nadler von der Stiftung Warentest. Je höher die elektrische Spannung, je dünner der Faden und je schlechter die Aufhängung, umso häufiger musste man also eine neue Birne kaufen.

DDR-Glühlampen standen in dem Ruf, unverwüstlich zu sein. Dass es definitiv anders geht, beweist eine Kohlenfadenlampe, die seit 1901 in einer Feuerwache in Kalifornien mit nur kurzen Unterbrechungen bei Stromausfällen oder Umzügen pausenlos glimmt – am 18. Juni 2011 wurde ihr 110. Geburtstag groß gefeiert.

Während die Glühlampe langsam aber sicher zum Relikt einer guten alten Zeit wird, entscheiden heute oft elektronische Bauteile über die Lebensdauer von Handys, Flachbildfernsehern oder Notebooks und PC. Solche Geräte testet Jürgen Nadler und findet bei ihnen tatsächlich Obsoleszenz. Allerdings nicht bei seinen technischen Tests, sondern viel häufiger beim Blick in den Alltag der Konsumenten. „Stand ein Röhrenfernseher im Durchschnitt noch zehn Jahre im Wohnzimmer, bevor er seine nächste Verwendung im Kinderzimmer fand, schafft der Flachbildschirm heute nur noch 7,3 Jahre“, sagt der Experte unter Berufung auf Statistiken. Der Grund für diesen schnelleren Austausch liegt aber selten in technischen Defekten, sondern beim technologischen Fortschritt. Der Röhrenmonitor funktioniert ja noch, aber der neue Flachbildschirm ist viel besser und sieht besser aus. Der Konsument wirft das alte Gerät weg, obwohl es noch funktioniert. Und bald wird der Flachbildschirm durch einen noch flacheren abgelöst. Das Gleiche gilt für viele andere Geräte von der hervorragend funktionierenden analogen Kamera bis zum Handy, denen bessere digitale Geräte oder ein Smartphone ein vorzeitiges Ende bescherten.

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