• Nach dem Todestrakt: Kommt die gebürtige Berlinerin Debra Milke endgültig frei?

Nach dem Todestrakt : Kommt die gebürtige Berlinerin Debra Milke endgültig frei?

Nach ihrer Freilassung aus der Todeszelle in Arizona könnte es im Fall Debra Milke an diesem Freitag zu einer Entscheidung kommen. Möglicherweise muss sie sich nicht noch einmal einem Prozess stellen. Der einzige Belastungszeuge will nicht mehr reden.

Debra Milke
Debra MilkeFoto: dpa

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Todestrakt des US-Bundesstaates Arizona kann Debra Milke erstmals wieder eine Adventszeit in Freiheit verbringen. Die in Berlin geborene 49-Jährige muss nicht mehr in einer kleinen Zelle mit ständigem Gedanken an die drohende Hinrichtung wegen der vermeintlichen Anstiftung zum Mord an ihrem kleinen Sohn leben. Sie kann sich in die Privatsphäre und Wärme eines Hauses in der Region der Metropole Phoenix zurückziehen.
Sie darf die Weihnachtsdekoration in der Stadt bewundern gehen und und an gemütlichen Abenden die Gesellschaft von Freunden genießen.

Sie ist gegen Kaution frei


Doch ihre elektronische Fessel am Fuß, die nächtliche Ausgangssperre und viele andere Einschränkungen signalisieren eindeutig: Wirklich frei ist Debra Milke weiterhin nicht. Zumindest noch nicht.
Denn bereits an diesem Freitag könnte es zu einer Vorentscheidung kommen, ob sich die weißhaarige Frau überhaupt noch einmal einem Prozess stellen muss - oder ob der Spuk für sie vielleicht bald ganz vorbei ist. Eigentlich wird ihr vorgeworfen, 1989 zwei Männer zur Ermordung ihres vierjährigen Sohnes Christopher angestiftet zu haben.
Ein Gericht befand sie der Tat 1991 für schuldig. Ihre Exekution war nur noch eine Frage der Zeit.
Der schreckliche Mordfall hatte sich ebenfalls zur Weihnachtszeit ereignet. Milke setzte Christopher zu einem Mitbewohner und dessen Freund ins Auto. Die drei sollten in ein Einkaufszentrum fahren, um den Weihnachtsmann zu besuchen.
Stattdessen streckten die Beiden das Kind an einem trockenen Flusslauf in der Wüste mit drei Schüssen in den Hinterkopf nieder.
Dann meldeten sie den Jungen als vermisst.
Lange schien der Fall klar - Milke wollte sich der Mutterpflichten entledigen. Doch im vergangenen März hob ein Berufungsgericht in San Francisco das Todesurteil auf. Es gebe keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten.

Der neue Prozess soll erst 2015 beginnen - wenn es vorher keine Entscheidung gibt


Richterin Rosa Mroz im zuständigen Bezirk Maricopa County folgte der Einschätzung im September und ließ die Tochter einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten gegen 250 000 Dollar (181 000 Euro) Kaution aus dem Gefängnis. Ihre krebskranke Mutter reiste in die USA und schloss sie weinend in die Arme.
Erst 2015 soll nun der neue Prozess gegen Milke beginnen. Doch ihre Anwälte sehen gute Chancen, dass die Richterin das Verfahren schon vorher aus Mangel an Beweisen einstellt. Denn ausgerechnet der einzige Hauptzeuge will nicht mehr reden.
Der Ermittler Armando Saldate hatte im ersten Prozess behauptet, Milke habe ihm die Mitschuld gestanden. Doch er hatte keine Tonbandaufnahme gemacht und auch keine Notizen. Später wurde er laut Milkes Verteidigern mehrfach überführt, in anderen Fällen vor Gericht gelogen zu haben.


Kann Saldate die Richterin am Freitag davon überzeugen, ein von der US-Verfassung vorgesehenes Zeugnisverweigerungsrecht nutzen zu können, könnte der Prozess damit schon geplatzt sein. Das Gesetz besagt, dass US-Bürger nicht zu einer Aussage gezwungen werden dürfen, mit der sie sich selbst schaden könnten. Saldate befürchtet laut seinen Anwälten juristische Schwierigkeiten, wenn er vor Gericht etwas Falsches sagt. Und ohne seine Aussage hätten die Staatsanwälte wohl keine Grundlage mehr für ihre Anklage gegen Milke.
Bislang ist nicht klar, ob Saldate wirklich schweigen darf. Das Justizministerium in der Hauptstadt Washington teilte Anfang dieser Woche mit, ihn im Falle einer Aussage nicht juristisch zu verfolgen.
Lehnt Richterin Mroz am Freitag seinen Antrag ab, dann kommt es nach bisheriger Planung am 13. Januar 2014 zu einer weiteren Anhörung.
Dort müsste sie entscheiden, ob sie Saldates Aussage in einem neuen Prozess überhaupt noch als Beweis zulassen möchte. Wenn nicht, könnte Milke auch dann endgültig freikommen. (dpa)

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