Nach Explosionsunglück in China : Tianjin: 23 Verantwortliche festgenommen

Die Ermittler enthüllen Vetternwirtschaft und Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften hinter der Katastrophe im Hafen von Tianjin. Haben hohe Aufsichtsbeamte ihre Pflichten vernachlässigt?

Die Ausmaße der Explosionen in einem Frachthafen in der chinesischen Stadt Tianjin.
Die Ausmaße der Explosionen in einem Frachthafen in der chinesischen Stadt Tianjin.Foto: dpa

Zwei Wochen nach dem verheerenden Explosionsunglück im chinesischen Tianjin sind 23 Verantwortliche festgenommen worden. Die Polizei habe zwölf Verdächtige formell festgenommen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Zu den Festgenommenen gehören demnach der Chef und mehrere Manager der Firma, deren Chemikalien in der Hafenstadt explodiert waren. Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass zudem gegen elf Behördenvertreter wegen Machtmissbrauchs und Dienstpflichtverletzung ermittelt werde. In China folgt eine formelle Festnahme meist nach einiger Zeit im Polizeigewahrsam. Mit der offiziellen Festnahme wird der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben. Ein Prozess und eine Verurteilung des Beschuldigten sind dann so gut wie sicher.

Die Zahl der bestätigten Toten stieg auf 139, während in den Trümmern immer noch 34 Menschen vermisst werden. Wie die Nachrichtenagentur China News Service am Donnerstag meldete, wurden zwölf hohe Beamte des Transportministeriums, der Stadtregierung, der Aufsichtsorgane und des Hafenbetreibers in Gewahrsam genommen. Ihnen wurde „Vernachlässigung der Pflichten“ vorgeworfen. Ferner kamen zwölf Manager in Haft. Es sind Führungskräfte des Unternehmens Ruihai Logistik, dem das explodierte Gefahrgutlager gehörte, und der Beratungsfirma Zhongbin Haisheng. Deren Sicherheitsgutachten ermöglichte die Umwandlung des nur 600 Meter von Wohnsiedlungen gelegenen Lagerhauses im Hafen in ein Gefahrgutlager.

Explosionskatastrophe in der chinesischen Stadt Tianjin
Bilder wie nach einem Krieg: In der 15-Millionen-Stadt Tianjin in China ist es zu Explosionen in einem Frachthafen gekommen.Alle Bilder anzeigen
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13.08.2015 14:13Bilder wie nach einem Krieg: In der 15-Millionen-Stadt Tianjin in China ist es zu Explosionen in einem Frachthafen gekommen.

Die massiven Explosionen von Chemikalien am 12. August hatten in einem weiten Umkreis schwere Zerstörungen angerichtet. Noch immer liegen 527 Verletzte in Krankenhäusern. Darunter sind 34 Schwerverletzte. In dem Gefahrgutlager waren rund 700 Tonnen giftiges Natriumzyanid und Hunderte Tonnen andere gefährliche Chemikalien gelagert. Im Wasser wurden an sechs Stellen nahe des Explosionsortes übermäßige Werte von Zyanid gemessen, darunter einer, der 32 mal den Grenzwert überschritten hatte, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In welchem Zeitraum gemessen wurde, blieb unklar.

Außerhalb des Sperrgürtels um den Unglücksort seien keine schädlichen Luftwerte gemessen worden, versicherten die Behörden demnach weiter. Die Untersuchungen zur Unglücksursache haben Vetternwirtschaft und Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften enthüllt. Die beiden Chefs des Unternehmens Ruihai, Yu Xuewei und Dong Shexuan, hätten ihre guten Beziehungen ausgenutzt, um an Genehmigungen für den Betrieb des Lagers zu kommen, berichtete die Staatsagentur Xinhua. Auch hätten sie zeitweise ohne Lizenz die Chemikalien transportiert. Dong Shexuan ist der Sohn des früheren Polizeichefs des Hafens. Unter den festgesetzten Verantwortlichen sind der Vize-Inspekteur des Transportministeriums in Peking, der Leiter der städtischen Transportkommission, der Chef des Hafenbetreibers Tianjin Port sowie Aufsichtsbeamte der Binhai Entwicklungszone, in der das Gefahrgutlager liegt. (dpa)

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