• Nach Hinrichtungen von Drogenschmugglern in Indonesien: Internationale Kritik, Australien ruft Botschafter zurück

Nach Hinrichtungen von Drogenschmugglern in Indonesien : Internationale Kritik, Australien ruft Botschafter zurück

Nach der weltweit umstrittenen Hinrichtung von acht Drogenschmugglern in Indonesien hat Australien als erstes Land diplomatische Konsequenzen angekündigt. Indonesien hingegen verteidigt die Maßnahme.

Daniel Kestenholz
In Sydney stellten Unterstützer der beiden inhaftierten Australier Kerzen auf.
In Sydney stellten Unterstützer der beiden inhaftierten Australier Kerzen auf.Foto: Reuters

Die Hinrichtung von sieben wegen Drogenhandels verurteilten Ausländern in Indonesien ist international mit Bestürzung und Kritik aufgenommen worden. Australiens Regierungschef Tony Abbott sagte am Mittwoch in Canberra, wegen der Hinrichtung zweier Australier sei der Botschafter in Jakarta zu Konsultationen zurückgerufen worden. Brasiliens Regierung sprach von einem "schwerwiegenden Zwischenfall in den bilateralen Beziehungen". Kritik kam auch von Amnesty International.

Seine Regierung könne "nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte der australische Premierminister Abbott. Die Beziehungen beider Länder hätten Schaden genommen. Nachdem sich Botschafter Paul Grigson um die Angehörigen der beiden hingerichteten Australier Myuran Sukumaran and Andrew Chan gekümmert habe, solle er zu Konsultationen zurückkehren. Am Mittwochmorgen waren Sukumaran und Chan zusammen mit sechs ebenfalls wegen Drogenhandels zum Tod verurteilten Gefangenen durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Es handelte sich um einen Indonesier und sieben Ausländer, darunter ein Brasilianer und mindestens drei
Nigerianer.

Philippina wurde verschont

Wie durch ein Wunder war die ebenfalls ihre Hinrichtung erwartende Philippina Mary Jane Veloso in letzter Minute verschont worden. Dies, nachdem sich die Frau, die Veloso für den Drogentransport angeheuert haben soll, am Dienstag der Polizei auf den Philippinen stellte. Die 30-jährige Mutter von zwei hatte immer beteuert, nichts vom in ihren Koffer eingenähten Heroin gewusst zu haben. Die Philippinen übten bis zuletzt stillen diplomatischen Druck auf Jakarta aus, während Australien die offene Konfrontation suchte, um die Hinrichtung von zwei australischen Staatsbürgern zu verhindern. Mit ihnen sind kurz vor 00:30 Uhr Ortszeit vier Nigerianer, ein Brasilianer und ein Indonesier zeitgleich auf dem Feld einer Schießanlage unter freiem Himmel von 96 indonesischen Scharfschützen erschossen worden. Dabei war lediglich jede vierte Waffe scharf geladen.

Angehörige und Freunde befanden sich zum Zeitpunkt der Hinrichtungen auf Javas Festland in rund drei Kilometern Entfernung, wo die Schüsse noch zu hören waren. Am Dienstag wurden ihnen noch letzte Besuche in den Todeszellen gewährt. Dabei war es im Hafen der Küstenstadt Cilacap zu so verstörenden wie herzzerreisenden Szenen gekommen. Ein Heer von Journalisten belagerte Angehörige, die sich mit aller Kraft um Fassung bemühten.

Regierungen prüfen Konsequenzen

Im Vorfeld der vom Ausland scharf kritisierten Hinrichtungen standen insbesondere zwei Todgeweihte im Mittelpunkt des Interesses: die beiden Australier Andrew Chan und Myuran Sukumaran, Anführer der sogenannten „Bali Nine“-Heroinschmugglerbande, die während der fast auf den Tag genau zehnjährigen Haft einen beeindruckenden Lebenswandel vollzogen hatten. Der Kopf der Gruppe, Andrew Chan, ließ sich hinter Gittern zum Priester weihen und zog zusammen mit Sukumaran eine Reihe von gemeinnützigen Projekten für Mitgefangene hoch. Die Bali Nine-Mitglieder waren im April 2005 auf Hinweis der australischen Bundespolizei in Bali verhaftet worden. Dies, obwohl die Australier wussten, dass in Indonesien der Tod auf Heroinbesitz steht. Hätte Australien die Schmuggler erst bei der Rückkehr aus Indonesien verhaftet, wären die meisten von ihnen bereits wohl wieder auf freiem Fuß.

Der amtierende brasilianische Außenminister Sergio Franca Danese erklärte nach den Hinrichtungen, nach diesem "schwerwiegenden Zwischenfall in den bilateralen Beziehungen" prüfe seine Regierung ihre nächsten Schritte. Die Familie des Brasilianers Rodrigo Gularte hatte erklärt, er leide unter Schizophrenie und hätte daher nicht zum Tod verurteilt werden dürfen. Amnesty International nannte die Hinrichtungen "völlig verwerflich". Indonesiens Justizminister Muhammad Prasetyo verteidigte die Hinrichtungen. "Wir führen einen Krieg gegen schreckliche Drogenverbrechen, die das Überleben unseres Landes bedrohen", sagte er in Cilacap in der Nähe der Gefängnisinsel und wiederholte damit die Argumentation von Staatschef Joko Widodo. (mit AFP)

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