Nachlass von Pierre Brice wird versteigert : Winnetou, der Ehemann

Medizinbeutel, Friedenspfeife und Silberbüchse: Wer im Nachlass von Pierre Brice nach Winnetou sucht, trifft einen Ehemann und Reisenden. Seine Witwe Hella organisiert den letzten großen Auftritt an diesem Wochenende

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Freizeitindianer. Bei Elspe im Sauerland macht Pierre Brice in den 80ern ein Picknick mit seiner Frau Hella. Dabei sein Winnetou-Kostüm zu tragen, war eine Idee des Fotografen.
Freizeitindianer. Bei Elspe im Sauerland macht Pierre Brice in den 80ern ein Picknick mit seiner Frau Hella. Dabei sein...Quelle: Michael Petzel, aus dem besprochenen Band "Pierre Brice - Unvergesslicher Winnetou", Karl-May-Verlag

Pierre Brice wirkt jetzt, da sein Taufkleid in einer Auktionshalle in Mühlenbeck hängt, plötzlich ganz schutzlos. Position 11, Pierres Taufgewand im Originalzustand, bestehend aus Unterkleid und Schleier, Bretagne, um 1929.

Gewebtes Leinen und Spitze von Calais, so fing es an. Pierre Brice, der westdeutsche Winnetou, der am 6. Juni mit 86 Jahren in Paris an einer Lungenentzündung starb, hat an diesem Wochenende seinen letzten Auftritt. Noch einmal wird er auf allen Kanälen Thema sein: Auf drei Bieterplattformen im Internet schalten sich dann internationale Interessenten zu, Telefonbieter werden direkt mit dem Auktionstisch verbunden sein, und live können mehrere hundert Leute im Saal mitbieten. Keine Mindestgebote, „für jeden Geldbeutel ist etwas dabei“.

Ihre Liebe war symbiotisch

Im Blitzlichtgewitter des vermutlich letzten Pressetermins in Sachen Pierre Brice steht seine zarte Witwe und umklammert dessen Silberbüchse, das Prunkstück der Auktion. Mit Nieten ist ein „W“ für Winnetou in den Schaft geschlagen, Nieten sitzen auch an ihren silbernen Keil-Sneakers. Die Beziehung, so heißt es, war über 40 Jahre lang symbiotisch.

Sie habe anfangs nicht geahnt, wie viel Winnetou in diesem Mann stecke, sagt das Flintenweib. Sie hat ja 1981 Pierre Brice geheiratet, dann wurde sie seine Managerin. Nun steht sie vor den übrig gebliebenen Winnetou-Pappaufstellern, den Kostümen, die Brice mit ihr zusammen gebastelt hat. „Er hat die Zeichen gemalt, und ich habe die Fransen geschnitten“, sagt sie. Pierre Brice trug die Kostüme im ZDF-Fernsehfilm, in Bad Segeberg, in Elspe, eines von ihnen hat ein Einschussloch. Da sind eine indianische Satteltasche, antike Medizinbeutel, eine Friedenspfeife und Messer, Steigbügel, Halsbänder, Longierleinen, ein Sattel und rostige Hufeisen. Messerattrappen hatte Pierre Brice aus Leder selbst angefertigt, um im Kampf seine Kollegen nicht zu verletzen. Nicht zu vergessen die beiden Koffer: Einer beinhaltet die Pferdeapotheke mit Medikamenten, Cremes und Bandagen, der andere die Schminke und Cremes für den Häuptling.

Ihr geht es nicht um den Mythos

Doch Hella Brice geht es nicht um den Mythos Winnetou, sondern um Pierre Brice, den Mann, der in Schuhgröße 43 durch sein Schauspielerleben lief. Es geht ihr um den Mann, der immer ein Messer bei sich trug, seitdem er sich mit 25 Jahren einmal nach einem Autounfall selbst aus dem Gurt geschnitten hatte. Den Mann, der als Junge die französische Résistance unterstützte, im Indochina-Krieg kämpfte und zeit seines Lebens Bücher über sein Idol Charles de Gaulle las.

Aber weil dieser Mann auch elf Winnetou-Filme gedreht hat, erfüllen schon die Klänge der Filmmusik den Raum, schon jetzt läuft die Vorbesichtigung für die Auktion am Wochenende in der Halle. In „Pierres Crèperie“ werden bretonische Galettes serviert. Hinten stehen aufgereiht mehr als zwei Dutzend seiner rahmengenähten Schuhe, über Jahrzehnte immer neu besohlt, als könne man auch diesen Mann wie ein Pferd beschlagen. Da sind eine cremefarbene Ledersitzgruppe und vier Stühle samt Tisch von seiner Jacht „Winnetou I“ aus den 70ern. Eine „Hermès Warmhaltekanne (Thermos), Paris, mit zweistufiger Springdeckel-Automatik“, die Brice bei Dreharbeiten dabei hatte.

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