Nahost : Eine Pipeline für den Frieden

Israel, Jordanien und die Palästinenser wollen gemeinsam Wasser aus dem Roten Meer nutzen – und gleichzeitig das Tote Meer füllen. Denn dort sinkt der Wasserspiegel bedenklich.

von und
An diesem Dock im Toten Meer konnten vor 20 Jahren noch Schiffe anlegen. Foto: picture-alliance/ dpa
An diesem Dock im Toten Meer konnten vor 20 Jahren noch Schiffe anlegen.Foto: picture-alliance/ dpa

Es ist ein Jahrhundertprojekt – wirtschaftlich, ökologisch und technisch. Aber das Vorhaben hat auch viel mit Frieden in der Region zu tun. Denn Israelis, Jordanier und Palästinenser wollen gemeinsam eine 180 Kilometer lange Pipeline bauen, die das im Süden gelegene Rote Meer mit dem Toten Meer im Norden verbinden soll. Ein entsprechendes Abkommen wurde jetzt nach langwierigen Verhandlungen am Sitz der Weltbank in Washington unterzeichnet. Fünf Jahre Bauzeit und 300 Millionen Euro Kosten sind für die erste Stufe des Mammut-Unternehmens veranschlagt.

Ziel ist es, jährlich 200 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Roten Meer in das vom Austrocknen bedrohte Tote Meer zu leiten. Das am tiefsten gelegene Gewässer der Welt mit einem Salzgehalt von bis zu 33 Prozent wird immer kleiner, der Spiegel sinkt pro Jahr durchschnittlich um einen Meter – weil dem Jordan ständig Wasser entnommen wird. Die Kioskbesitzer kommen deshalb kaum nach, ihre Sonnenschirme und Stühle immer wieder ans Wasser zu rücken.

Das Tote Meer ist ein Touristenmagnet

Das Tote Meer ist als Touristenmagnet ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Beliebt ist der zu- wie abflusslose See nicht zuletzt, weil die darin vorhandenen Mineralien eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten haben. Mittlerweile gibt es vor allem auf israelischer Seite eine florierende Kosmetikindustrie. Kein Wunder, dass man dort dem Projekt „Wasserzufuhr“ große Bedeutung beimisst.

Aber die geplante Pipeline hat für die Anrainerstaaten einen noch wichtigeren Aspekt. Denn vorgesehen ist neben der Stromerzeugung auch, 80 der 200 Millionen Kubikmeter Wasser in einer neuen Anlage in der Nähe der jordanischen Stadt Akaba zu entsalzen. Dem Abkommen zufolge werden 50 Millionen Kubikmeter in den israelischen Badeort Eilat an der Nordspitze des Golfs von Akaba geliefert. Zugleich stellt Israel die gleiche Menge Süßwasser aus dem See Genezareth zur Verfügung, um den Norden Jordaniens zu versorgen. Zudem verkaufen israelische Wasserwerke an die Palästinensische Autonomiebehörde pro Jahr 20 bis 30 Millionen Kubikmeter mehr Trinkwasser als bisher, was eine Steigerung um rund 50 Prozent bedeutet. Das wäre ein Segen: Viele Dörfer leiden unter großer Trockenheit.

Jordanien braucht dringend Wasser für die wachsende Bevölkerung

In Jordanien ist die Not womöglich noch größer. Dort gibt es ein geradezu existenzielles Interesse an der kostbaren Ressource. Das Haschemitische Königreich zählt nämlich zu den wasserärmsten Ländern der Erde. Die Vorratsbehälter auf den Dächern vieler Häuser werden oft nur ein Mal die Woche gefüllt. Zudem hat der seit fast drei Jahren andauernde Bürgerkrieg in Syrien die ohnehin schwierige Versorgungslage nochmals deutlich verschärft. In Jordanien haben offiziell bereits mehr als 560 000 Menschen aus dem Nachbarland Zuflucht gefunden, Schätzungen gehen sogar von einer Million Männer, Frauen und Kinder aus. Allein die Bewohner des riesigen Lagers Zaatari im Norden benötigen nach Angaben der Vereinten Nationen täglich drei Millionen Liter Wasser. Kein Wunder, dass der Unmut bei der einheimischen Bevölkerung immer größer wird.

Umweltschützer sehen das Projekt kritisch

Bei Umweltschützern wie „Friends of the Earth“ im Nahen Osten, der Partnerorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), kommt das Projekt weniger gut an. Die Meerwasserentsalzungsanlagen vor allem in den Golfstaaten aber auch Israel haben in den Meeren deutliche Spuren hinterlassen. Das Salz wird häufig einfach in Küstennähe wieder ins Meer gekippt, ohne dass beigegebene Chemikalien abgetrennt werden. Die Erhöhung des Salzgehalts in den ohnehin empfindlichen Küstengewässern kann aber dazu führen, dass sich Meereslebewesen nicht schnell genug anpassen können und die Zahl der Fische und anderer Meeresbewohner stark zurückgeht.

Der zweite Haken bei der Meerwasserentsalzung ist der hohe Energiebedarf für die Fabriken. Es gibt zwar in Nordafrika und dem Nahen Osten auch Entsalzungsprojekte, die mit Solarenergie betrieben werden – gefördert von EU und Weltbank. Doch zu einem Masseneinsatz ist es bisher nicht gekommen, obwohl die Zahl der Entsalzungsanlagen weltweit stetig zunimmt. Je mehr Wasser bei der Bewässerung von Feldern verschwendet wird, einfach verdunstet oder verunreinigt wird, desto höher ist der Druck, sich neue Trinkwasserquellen zu erschließen. Das gilt für entwickelte Regionen wie den Südwesten der USA ebenso wie für viele Entwicklungsländer, in denen noch immer mehr als 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Für die Weltbank ist die Investition gerade deshalb ein Pilotprojekt.

Autor

15 Kommentare

Neuester Kommentar