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Naturschauspiel am Himmel : Der Erdbeermond war ein Honigmond

Schön sah er aus, der sogenannte "Erdbeermond", der in der Nacht zu Dienstag auch in Berlin zu sehen war. Aber so selten war er gar nicht - und strenggenommen war er auch gar kein richtiger Vollmond.

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Der (Fast-)Vollmond leuchtet rötlich am Montag nahe Jacobsdorf im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) hinter einem alten Baum, auf dessen Ast ein Vogel sitzt.
Der (Fast-)Vollmond leuchtet rötlich am Montag nahe Jacobsdorf im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) hinter einem alten Baum, auf...Foto: dpa

In der Nacht zu Dienstag bestaunten viele Menschen in Deutschland ein Naturschauspiel, den sogenannten "Erdbeermond". Ein solch seltenes Himmelsspektakel soll es zuletzt im Jahre 1967 gegeben haben - und wird es erst wieder im Jahre 2062 geben. Für alle, die das Ereignis verpasst haben, hat Monika Staesche, Wissenschaftliche Leiterin der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin, eine gute Nachricht: Die schöne rötliche Färbung ist nicht so einzigartig. Der Junivollmond wird immer "Erdbeermond" genannt, jedes Jahr. Das besondere in diesem Jahr war, das Sommersonnenwende und Junivollmond auf demselben Kalendertag zusammenfallen. Dies jedoch war wenigstens in Deutschland gar nicht der Fall.

In Nordamerika oder auch Großbritannien fiel der Vollmond auf den Tag der Sonnenwende. In den USA hatte die Sonne ihren höchsten Punkt am Montag um 18:34 Uhr Ortszeit, und in Großbritannien um 23.34 Uhr Ortszeit erreicht. Viele Menschen in Stonehenge feierten das Ereignis.

Die Meldung von dem seltenen Naturereignis am Himmel kam ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum und wurde in Deutschland so übernommen. Laut Staesche ist dies jedoch nicht korrekt: "Aufgrund des Zeitunterschiedes zu den USA war der Vollmond bei uns bereits Montagmittag, die Sommersonnenwende allerdings erst am frühen Dienstag (0:34 Uhr) - sie fiel also kalendarisch auf einen anderen Tag." Der Abstand zwischen Vollmond und Sonnenwende betrug etwa zwölf Stunden. Dass der Moment des Vollmonds und die Sonnenwende zusammen fallen, komme durchaus nicht selten vor. Das letzte Mal in den USA sogar 2005.

"Am Montagabend war der Mond in Berlin streng genommen schon wieder am Abnehmen", sagt die Expertin. Dies sei aber mit dem bloßen Auge äußerst schwer zu erkennen. In einigen Gegenden Deutschlands war der Mond beim Aufgang ein wenig rötlich verfärbt. Dies habe allerdings nichts mit dem "Erdbeermond" zu tun, sagt Staesche. Es passiere mit jedem Himmelskörper, wenn sein Licht durch die dicken Schichten der Atmosphäre am Horizont hindurch muss - "auch mit dem Mond, egal, ob er gerade ein voller Mond ist oder nicht."

Der (Fast-)Vollmond leuchtet am 20.06.2016 nahe Schönefeld (Brandenburg). Der Juni-Vollmond wird auch "Erdbeermond" genannt.
Der (Fast-)Vollmond leuchtet am 20.06.2016 nahe Schönefeld (Brandenburg). Der Juni-Vollmond wird auch "Erdbeermond" genannt.Foto: dpa

"Weißes Licht ist eine Mischung aus mehreren Farben, und dicke Luftschichten filtern das Blau heraus - übrig bleibt Rot, wie z.B. auch beim Sonnenauf- oder Untergang", erklärt Stasche. "Kommt noch eine dünne Wolkenschicht hinzu, kann die Rotfärbung durchaus auffällig sein."

Eher "Honigmond" als "Erdbeermond"

Wie die Expertin weiter berichtet, haben wir in Deutschland den "Honeymoon" betrachtet: Ein Vollmond steht immer der Sonne genau gegenüber. Steht die Sonne im Sommer mittags hoch am Himmel - wie um die Sommersonnenwende oder etwas danach - macht der Vollmond entsprechend einen sehr tiefen Bogen am Himmel. Deswegen kann es dazu kommen, dass er insgesamt ein wenig gelblich erscheint. Daher stammt auch eine weitere Bezeichnung des Vollmonds im Juni oder Juli, vor allem in Nordamerika, nämlich "Honeymoon", der "Honigmond". Da Juni/Juli eine gute Zeit für Hochzeiten sind, entstand auf diese Weise der englische Begriff für die Hochzeitsreise, der "Honeymoon".

Im Juli kommt der "Donnermond"

Der Begriff "Erdbeermond" hingegen hat nichts mit dieser Rotfärbung zu tun, sondern kommt aus einer indianischen Tradition, bei der dem Vollmond eines jeden Monats ein Name gegeben wurde. Dieser hatte meistens etwas mit dem jährlichen Naturkreislauf zu tun. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Indianersprache der Unquachog, die im Juni ein wichtiges Fest feiern - passend zur Erntezeit der Erdbeeren. "Warum der Juni-Vollmond immer Erdbeermond heißt, lässt sich an den vielen Ständen mit diesen Früchten in Berlin ganz gut ablesen", sagt Staesche. Andere Bezeichnungen in Europa seien "Blumenmond" oder "Rosenmond".

Und ganz strenggenommen war der Vollmond am Montag in Berlin nicht einmal ein richtiger Vollmond. Staesche sagt: "Bei einem Vollmond ist keinerlei Tag- und Nachtgrenze mehr zu sehen, die Sonne scheint senkrecht von oben auf die uns zugewandte Seite." Da der Mond aber momentan auf einem sehr nördlichen Punkt seiner Bahn sei, "hatten wir um den Mondsüdpol noch ein wenig Schatten."

Wie Andreas Vogel, Leiter des Planetariums in Bremen, berichtet, haben auch alle anderen Vollmonde ihre eigenen Namen. Einen Überblick über die einzelnen Namen der Vollmonde können Sie unter diesem Link lesen. Im Juli wird der Vollmond beispielsweise "Heumond" oder "Donnermond" heißen. Klingt nicht ganz so schön wie "Erdbeermond".

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