Neue Missbrauchsvorwürfe : FBI-Papier belastet Michael Jackson

Unterlagen über sexuellen Missbrauch wurden jahrelang beim FBI unter Verschluss gehalten – jetzt tauchen sie wieder auf. Paradox: Michael Jackson hatte die Akten selber anfertigen lassen.

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Der Detektiv führte Buch. Michael Jackson.
Der Detektiv führte Buch. Michael Jackson.Foto: dpa

Schillernd und laut, mit Technobeats, Feuerwerk und allen großen Hits – in Las Vegas lässt der Cirque du Soleil den King of Pop auferstehen. „Michael Jackson: One“ heißt die neue Show. Zur Premiere am Wochenende kam Jackson-Sohn Prince Michael in Begleitung der kuwaitischen Prinzessin Remi Alfalah, dahinter der Jackson-Clan samt der strengen Matriarchin Katherine. Die Familie demonstriert Geschlossenheit – wie immer in schweren Zeiten, und auch vier Jahre nach dem Tod des größten Popstars verdunkeln Wolken den Blick auf den Star.

Der Prozess um den Tod des Sängers geht in die zehnte Woche, doch plötzlich sind es nicht mehr Details um Propofol und andere verbotene Mittelchen, die interessieren. Es sind Dokumente aufgetaucht, die neues Licht auf zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch werfen, für die sich Jackson bereits zu Lebzeiten mehrfach verantworten musste. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 2005 zwar freigesprochen. Hätte man seinerzeit die jetzt vorliegenden Akten gesehen, wäre wohl ein anderes Urteil gesprochen worden. Denn die Papiere – Dokumente mit den Aktenzeichen CADCE MJ-02463 und CR 01046 – belegen detailliert, wie Jackson wohl jahrelang Kinder und Jugendliche auf seiner Neverland-Ranch missbraucht hat, oft in unmittelbarer Nähe zu deren Eltern, die der Aura des Superstars selbst so verfallen waren, dass sie keinen Verdacht schöpften.

Michael Jackson hatte einen Detektiv beauftragt, die Opfer aufzusuchen und zu verhandeln

Interessanterweise stammen die Dokumente aus dem FBI-Archiv von Michael Jackson selbst. Der hatte nach Informationen des britischen „Sunday Mirror“ in den Neunzigerjahren den Privatdetektiv Anthony Pellicano angeheuert. Jackson hatte sich gerade mit seinem vermutlich ersten Opfer Jordan Chandler auf einen Millionenvergleich geeinigt und Missbrauchsvorwürfe beseitigt. Als in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, dass Chandler möglicherweise nicht das einzige Opfer sei, engagierte Jackson auf Empfehlung seiner Freundin Elizabeth Taylor den Schnüffler, um weitere Missbrauchsopfer aufzuspüren und mit teilweise hohen Zahlungen zum Schweigen zu bringen. Pellicanos Akten landeten beim FBI, als der Detektiv 2002 selbst verhaftet wurde. Er hatte Telefonate zahlreicher Hollywoodstars belauscht, unter ihnen Sylvester Stallone, und wurde für seinen Lauschangriff zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Dass Pellicanos Akten in den Regalen der Bundespolizei verschwanden und nicht an die ermittelnden Behörden weitergegeben wurden, ist in den USA kein Einzelfall – ein Glücksfall hingegen für Jackson, denn die Papiere sind voller Details, die den Star mit großer Wahrscheinlichkeit hinter Gitter gebracht hätten. So soll er in seinem privaten Kino mit jungen Besuchern Pornofilme geschaut haben. In einem anderen Fall soll er im Kino mit den Genitalien eines Jungen gespielt haben, dessen ahnungslose Eltern nur wenige Reihen entfernt saßen. Insgesamt tauchen in den Missbrauchsdokumenten die Namen von 17 Kindern auf, denen Jackson insgesamt 35 Millionen Dollar an Schweigegeld gezahlt haben soll.

Der Fall Michael Jackson kommt der Familie gerade sehr ungelegen

Dass die Akten jetzt aufgetaucht sind, hängt mit einem neuen Missbrauchsprozess zusammen. Der heute 30-jährige Wade Robson, der als Kind jahrelang auf Neverland ein und aus ging und heute als Choreograf für Britney Spears arbeitet, soll sieben Jahre lang von Jackson missbraucht worden sein. „Das mag jetzt zwanzig Jahre her sein“, heißt es aus Kreisen des Klägers, „doch Wade will der Welt zeigen, dass er stets die Wahrheit gesagt hat.“

Für den Jackson-Clan kommt die erneute Missbrauchsklage zur Unzeit. Der eigene Prozess gegen den Konzertveranstalter AEG, von dem die Jacksons 24 Milliarden Dollar Schmerzensgeld für den Tod des Superstars fordern, setzt die Familie ungeheurem Stress aus. Erst vor wenigen Wochen unternahm Jacko-Tochter Paris einen Selbstmordversuch, als sie sich unter Einfluss eines Schmerzmittels die Pulsadern aufzuschneiden versuchte. Bei der „One“-Premiere in Las Vegas fehlte Paris, da sie sich zur Zeit in psychologischer Behandlung befindet. „Paris wird bald wieder okay sein“, beruhigte ihr älterer Bruder Prince Michael Reporter auf dem roten Teppich – angesichts der neuen Erkenntnisse darf das bezweifelt werden.

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