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Nordrhein-Westfalen : Mehrere sexuelle Übergriffe im Straßenkarneval

Die Polizei in NRW zieht nach Weiberfastnacht eine positive Bilanz - doch es gab auch einzelne schwerwiegende Delikte. In Düsseldorf droht die Absage des Rosenmontagszugs - wegen Sturms.

Allein in Köln waren an Weiberfastnacht mehr als 2.000 Polizisten im Einsatz.
Allein in Köln waren an Weiberfastnacht mehr als 2.000 Polizisten im Einsatz.Foto: dpa

Zum Auftakt des Straßenkarnevals sind in Nordrhein-Westfalen mehrere sexuelle Übergriffe angezeigt worden. In Köln waren es nach Angaben der Polizei bis Freitagmorgen 18 Sexualdelikte von sexuellen Beleidigungen bis hin zur Vergewaltigung. Im westfälischen Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh wurde nach Polizeiangaben eine Frau vergewaltigt.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen war nach den Vorfällen der Silvesternacht mit deutlich mehr Kräften im Einsatz als in den Vorjahren. Allein in Köln waren am Donnerstag über 2.000 Polizisten im Einsatz, doppelt so viele wie sonst. Köln steht nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen und Diebstählen in der Silvesternacht besonders im Blickpunkt. "Die Taktik der niedrigen Einschreitschwelle ging auf", bilanzierte die Kölner Polizei am Freitag. Es seien 22 Sexualdelikte an Weiberfastnacht angezeigt worden, sagte Polizeidirektor Michael Temme am Freitag. Im vergangenen Jahr waren es nur neun und davor zehn.

Zwei der 22 Delikte waren schwerwiegend. Im ersten Fall war das Opfer eine belgische Fernsehreporterin. "Diese Journalistin ist unter den Augen der laufenden Kamera begrapscht und sexuell belästigt worden", sagte Temme. Der zweite Fall betrifft eine Frau, die am frühen Freitagmorgen auf dem Heimweg niedergeschlagen und "offenbar auch vergewaltigt wurde", wie Temme sagte. Die Polizei nahm am Freitag einen 17-jährigen Asylbewerber fest, der dieser Tat verdächtigt wird.

"Wir führen die gestiegene Zahl (der Übergriffe) darauf zurück, dass die Anzeigebereitschaft eine deutlich veränderte ist", erläuterte Polizeidirektor Temme. Vermutlich sei die Bereitschaft, solche Vorfälle auch tatsächlich anzuzeigen, seit den Vorfällen der Kölner Silvesternacht gestiegen. Bis Freitagmorgen nahmen die Beamten 224 Anzeigen auf, davon 22 wegen sexueller Übergriffe. Außerdem wurden 23 Taschendiebstähle, 143 Körperverletzungen und sechs Raubstraftaten angezeigt.

In Düsseldorf wurden die Jecken ebenfalls mit mehr Beamten als gewöhnlich gesichert. Eine starke Präsenz von Polizisten und Ordnungskräften soll bis Aschermittwoch dafür sorgen, dass Gewalt gegenüber Frauen, Diebstähle und Prügeleien bereits im Keim erstickt werden. Ebenso wie in Köln wurde ein Security Point installiert, an dem Gewaltopfer schnell Anzeige erstatten können.

In Schloß Holte-Stukenbrock zeigte eine 24-Jährige eine Vergewaltigung an

In den Zügen in Nordrhein-Westfalen ging es zu Karneval nach Einschätzung der Bundespolizei im Vergleich zu den Vorjahren eher friedlich zu. Landesweit waren bis zu 1.000 Bundespolizisten in Bahnhöfen und Zügen eingesetzt. Sie nahmen insgesamt rund 100 Strafanzeigen auf, vor allem wegen Diebstahls, Körperverletzung, Beleidigung oder Schwarzfahrens.

In Schloß Holte-Stukenbrock zeigte eine 24-Jährige eine Vergewaltigung an, wie die Polizei Gütersloh am Freitag mitteilte. Die Polizei nahm noch am Abend einen Tatverdächtigen, einen Asylbewerber aus Nigeria, fest. Die Ermittlungen dauern an. In Zügen und am Hauptbahnhof in Köln seien drei Straftaten "unter der Rubrik 'Bützchen und Begrapschen'"angezeigt worden, hieß es. Dabei wurden Frauen gegen ihren Willen geküsst oder an der Brust berührt.

Düsseldorfer Jecken befürchten Absage des Rosenmontagszugs wegen Sturm

Zum Wochenende blicken die Jecken nun gespannt auf die Wettervorhersagen. Angesichts der Sturmwarnung sagte der Sicherheits- und Organisationschef beim Comitee Düsseldorfer Carneval, Sven Gerling: "Wenn diese Windwerte so eintreffen, wird es keinen Rosenmontagszug geben." Die Düsseldorfer Veranstalter werden nach Angaben ihres Sprechers Hans-Peter Suchand sehr wahrscheinlich am Sonntag über eine Absage entscheiden. Wegen Sturms war der Düsseldorfer Rosenmontagszug zuletzt 1990 abgesagt und dann im Mai nachgeholt worden.

Köln zieht nach Angaben von Zugleiter Christoph Kuckelkorn noch keine "Zoch"-Absage in Betracht. Rheinaufwärts in Mainz wurde bereits damit begonnen, Tribünen und Bühnen entlang der Zugstrecke zusätzlich abzusichern, wie ein Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins mitteilte. "Ansonsten müssen wir erstmal abwarten."

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Essen wird das Maximum der Böen für Montagmittag erwartet. "Dann sind auch orkanartige Sturmböen mit Windstärke 11 nicht auszuschließen", sagte die Meteorologin vom Dienst der Deutschen Presse-Agentur.
In Niedersachsen wollen Zehntausende Narren an diesem Sonntag in Braunschweig auf die Straßen gehen - im vergangenen Jahr war dort der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden. "Wir haben bislang keine Hinweise auf eine Gefahrenlage oder auf irgendwas, das diesen Zug verhindern könnte", erklärte Polizeisprecher Joachim Grande. Für die gut 200 000 erwarteten Besucher bestehe derzeit keine Gefahr. (epd/dpa)


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