Österreich : Staatsanwaltschaft: Althaus missachtete Skiverbands-Regeln

Bei dem schweren Skiunfall, an dessen Folgen eine Frau gestorben war, habe Althaus sich nicht an die "Verkehrsregeln" des internationalen Skiverbandes gehalten, meint die Anklage. Der Politiker selbst räumt Verantwortung für den Unfall ein.

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Nachdenklich. Auf Dieter Althaus (hier ein Archivbild) warten schwere Zeiten.Foto: ddp

Wien/Erfurt Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hat vor seinem Skiunfall laut Anklage gegen grundsätzliche Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS verstoßen. Das geht aus einer Mitteilung des Landesgerichts im österreichischen Leoben hervor. Demnach habe Althaus bei hohem Tempo auf der Piste nicht sorgfältig genug auf mögliche Gefahren geachtet.

Gutachten: Althaus hätte die Frau sehen müssen

Die Staatsanwaltschaft hat den Erfurter Regierungschef bereits am 25. Februar wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Dem CDU-Politiker wird vorgeworfen, bei dem Skiunfall in der Steiermark am Neujahrstag fahrlässig den Tod der gebürtigen Slowakin Beata Christandl (41) verursacht zu haben. Althaus erlitt selbst ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und befindet sich noch immer zur Rehabilitation in einer Klinik am Bodensee.

Ein Gutachten zum Hergang des Unfalls hatte vor wenigen Wochen festgestellt, dass Althaus an einer Kreuzung zweier Pisten bergauf gefahren war. Dabei kam ihm die Frau entgegen. In einer am Montagabend veröffentlichten Erklärung der Gerichtssprecherin in Leoben heißt es, Althaus habe es entgegen der FIS-Regeln versäumt, sich "beim beabsichtigten Einfahren in eine Skiabfahrt und Hangaufwärtsfahren nach oben und unten zu vergewissern, dass dies ohne Gefahr für sich und andere möglich ist".

Althaus sei laut Anklage mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern pro Stunde in die "Panoramapiste" eingebogen, "obwohl für ihn bereits in Annäherung des Kreuzungsbereiches erkennbar war, dass Beata Christandl die Panoramaabfahrt talwärts fuhr". Althaus sei anschließend "gegen die eigentliche Fahrtrichtung hangaufwärts" gefahren und kurz darauf mit der 41-jährigen zusammengestoßen - wobei dies "für ihn durch Anhalten oder ein rechtzeitiges Ausweichmanöver bei Erkennbarkeit der Talwärtsfahrt der Beata Christandl vermeidbar gewesen wäre".

 Althaus übernimmt "Mitschuld"

Nach einer Presseerklärung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag hat Althaus inzwischen über seinen Anwalt erklärt, auf sein Recht zu verzichten, sich zu dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung vernehmen zu lassen. Er habe stattdessen in einer schriftliche Stellungnahme erklärt, keine sachdienlichen Angaben machen zu können, "jedoch die Ergebnisse der Sachverständigengutachten zur Kenntnis zu nehmen und die Verantwortung für den Tod Beata Christandls zu übernehmen". In einer zweiten Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Leoben, die den meisten Medien jedoch zunächst nicht direkt übermittelt wurde, heißt es, Althaus übernehme die Verantwortung für seine "Handlungen".

Nach Angaben seines österreichischen Anwalts, Walter Kreissl, habe Althaus damit "kein volles Schuldanerkenntnis" für den Tod der Frau abgegeben. Vielmehr habe der CDU-Politiker "lediglich eine Mitschuld an dem Unfall eingeräumt", sagte Kreissl der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag.

Althaus kann im Falle einer Verurteilung mit einem milden Urteil rechnen, da nach Auskunft der Staatsanwaltschaft keine strafverschärfenden Faktoren zu erkennen sind. Die Höchststrafe für diese Form der fahrlässigen Tötung liegt bei einem Jahr Gefängnis. Althaus' österreichischer Anwalt, Walter Kreissl, betonte inzwischen, dass sein Mandat in seiner schriftlichen Erklärung an die Staatsanwaltschaft nur eine "Teilschuld" zugegeben habe. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft Leoben bestätigt.

Die Hauptverhandlung gegen  Althaus beginnt noch an diesem Dienstag. Der zuständige Richter am österreichischen Bezirksgericht Irdning gab einem entsprechenden Antrag von Althaus' Verteidiger Walter Kreissl statt, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf eine Sprecherin des Landesgerichts Leoben berichtete. (jnb/dpa/afp)

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