• Polizeigewalt: Bremer Polizeiopfer hatte zuvor auf Garderobenfrau eingeschlagen

Polizeigewalt : Bremer Polizeiopfer hatte zuvor auf Garderobenfrau eingeschlagen

In der Affäre um das Opfer von Polizeigewalt in Bremen deutet sich eine Wendung an. Das Polizeiopfer soll zuvor auf eine Garderobenfrau eingeschlagen haben, wie Aufnahmen zeigen. Der prügelnde Polizist ist derweil in den Innendienst versetzt worden.

Eckhard Stengel
Bilder einer Überwachungskamera zeigen den Einsatz.
Bilder einer Überwachungskamera zeigen den Einsatz.Foto: youtube/Screenshot Tsp

Einer der Bremer Beamten, der an den mutmaßlichen Polizeiübergriffen auf einen aggressiven Diskothekengast beteiligt war, ist vorübergehend in den Innendienst versetzt worden. Dort solle er arbeiten, bis die Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt abgeschlossen seien, teilte das Bremer Innenressort am Freitagnachmittag mit. Die internen Ermittler der Innenbehörde, die den Vorgang im Auftrag der Staatsanwaltschaft aufklären sollen, widersprachen zugleich dem Verdacht, dass die eingesetzten Beamten den Vorfall vertuschen wollten. Die Disko-Betreiber hatten der Presse berichtet, sie hätten nach dem Vorfall auf Anforderung der Polizei ein Überwachungsvideo bei der zuständigen Wache abgegeben. Die Beamten bestritten den Eingang des Bandes, so dass der Verdacht entstanden war, sie hätten es verschwinden lassen. Nach Angaben der Innenbehörde erklärte jetzt ein vernommener Disko-Mitarbeiter, er habe das Video in einen Briefkasten an der Wache geworfen. Auf Fotos habe er den Kasten eindeutig identifiziert. Doch in Wirklichkeit sei der Briefkasten „seit mehreren Jahren tot und zugeschraubt“. Deshalb gehen die Ermittler davon aus, „dass der Vorwurf der Unterdrückung von Beweismittel jeglicher Grundlage entbehrt“. Außerdem habe die Polizei direkt nach dem Einsatz ein Protokoll gefertigt, das den Einsatz samt Zwangsmaßnahmen ausführlich dokumentiere.

Seit Freitag verfügen die Ermittler erstmals über das komplette Überwachungsvideo. Bisher lag nur eine Kopie davon ausschnittsweise Journalisten vor. Das Original sei auf einem Rekorder der Diskothek gespeichert worden, der im Zusammenhang mit einer anderen Beschlagnahmeaktion gesichert worden sei, teilte die Innenbehörde mit.

Weitere inzwischen bekannt gewordene Video-Ausschnitte zeigen, dass der Diskogast offenbar selbst gewalttätig war: In einer Szene ist ein Mann zu sehen, der eine Garderobenfrau schlägt. Offenbar handelt es sich dabei um den 28-Jährigen, der später von der Polizei überwältigt wurde. Nach Aussage eines Disko-Sicherheitsmitarbeiters in Radio Bremen soll er sich anschließend der Festnahme widersetzt haben. Dabei sollen allerdings die Polizisten im Übermaß Gewalt angewandt haben. Unabhängig von den Ergebnissen der Ermittlungen hat Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) mit Polizeipräsident Lutz Müller verabredet, „die Einsatztaktik sowie die Aus- und Fortbildung der Beamten für den Umgang mit Gewalttätern zu überprüfen“.

 


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