Portrait : Kim Schmitz, die große Nummer

Es gibt nicht viele Deutsche, die es geschafft haben, auf einem Feld Hauptfeind der USA zu werden. Er ist einer.

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Selbstinszenierung. Kim Schmitz mit einer Frau im Arm und Freunden im Pool auf seiner Jacht.Alle Bilder anzeigen
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24.01.2012 19:31Selbstinszenierung. Kim Schmitz mit einer Frau im Arm und Freunden im Pool auf seiner Jacht.

Kim Schmitz, der große Selbstdarsteller, der große Finanzjongleur, der große Meister des Internets und wahrscheinlich der derzeit größte Kriminelle, den Deutschland international zu bieten hat, ist der Hauptfeind der USA in Sachen Internetpiraterie. Der hat Washington den Krieg erklärt. Auch nach seiner Verhaftung in seinem 30-Millionen-Dollar-Anwesen im neuseeländischen Auckland bleibt Kim Schmitz eine große Nummer.

Washington will unbedingt seine Auslieferung, monatelang hatte das FBI sich auf seine Festnahme vorbereitet. Die Vorwürfe gegen „Kim Dotcom“, wie sich der 38-Jährige nennt, reichen vom organisierten Verbrechen über Internetpiraterie bis zur Geldwäsche. Das FBI schätzt den Schaden, den Schmitz mit seiner Internet-Datenbörse Megaupload verursacht hat, auf eine halbe Milliarde Dollar. Am Ende verschanzte sich der Deutsche mit einer abgesägten Schrotflinte im Panic Room seines Anwesens. Wie viel Privatvermögen er angehäuft hat, ist unklar, wie so vieles in der Geschichte um den Zweimetermann, der seine erste Million ausgerechnet vom deutschen Staat erhalten haben will.

Es war ein „Jungunternehmer-Förderprogramm“, erzählte Schmitz 2001 bei „Harald Schmidt“. Mit diesem Geld hätte er Firmen gegründet, ideenreich Arbeitsplätze geschaffen, für den Technologiestandort Deutschland geworben. „Es ist frustrierend zu sehen, wie viel man diesem Land gibt und wie man dann trotzdem angegangen wird“, sagte er damals. Die Suche nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, ja sogar nach Dankbarkeit sollte neben seiner Großspurigkeit die größte Konstante in Schmitz’ rasanter Karriere bleiben, die ihre Wellenbewegungen im Gleichschritt mit dem Auf und Ab der globalen Internetwirtschaft bestritten hat.

Er verkörpert geradezu die Dotcom-Blase. Geboren wurde Schmitz in Kiel, sein Vater arbeitete als Kapitän auf der MS Deutschland, seine Mutter als Köchin. Schon 1994, als der Siegeszug des Internets höchstens Experten klar gewesen sein kann, war Schmitz in der Hackerszene aktiv, brach virtuell in die Seiten von Regierungsbehörden und internationalen Konzernen ein. Sagt Schmitz. Er könne nicht eine Zeile programmieren und sei lediglich ein gewiefter Verkäufer, kolportierten Quellen im Internet. Zumindest die Münchener Polizei muss jedoch die erste Version geglaubt haben, der damals 20-Jährige verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft, bekam eine Bewährungsstrafe. Alles nur ein Vorspiel für das, was folgen sollte.

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