Portugal : Mutmaßlicher deutscher Kinderschänder festgenommen

Der New Age-Musiker Oliver Shanti aus Deutschland ist nach sechsjähriger Fahndung in Portugal wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch festgenommen worden. Ihm werden über hundert Fälle zur Last gelegt.

LissabonDer seit sechs Jahren gesuchte Musiker und mutmaßliche Kinderschänder Oliver Shanti ist nach portugiesischen Medienberichten in Lissabon festgenommen worden. Der 59-jährige Deutsche, der mit bürgerlichem Namen Ulrich Schulz heißt, gilt nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) als einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland. Ihm werden von der Staatsanwaltschaft in München über hundert Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern zur Last gelegt.

Die staatliche portugiesische Nachrichtenagentur Lusa und die Tageszeitung "Diário de Notícias" nannten am Sonntag keine Einzelheiten der Festnahme. Die Ermittler in Portugal machten aufgrund einer Nachrichtensperre keine Angaben. Weder von der Staatsanwaltschaft München noch vom BKA waren am Sonntag Bestätigungen für die Festnahme zu bekommen.

Nach Beginn der Fahndung tauchte er unter

Nach dem aus Hamburg stammenden Shanti wurde seit sechs Jahren mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Als Produzent von esoterischer Musik hatte er erheblichen Erfolg gehabt und zahlreiche Schallplatten veröffentlicht. Vor etwa 20 Jahren siedelte er nach Portugal über und lebte in der Kleinstadt Vila Nova de Cerveira. Mit Beginn der Fahndung nach ihm tauchte er unter.

Bis dahin war er Guru einer sektenähnliche Kommune gewesen. Nach Angaben des BKA nutzte Schulz alias Shanti in Deutschland und Portugal den engen Kontakt zu seinen Anhängern aus, um sich sexuell an deren Kindern zu vergehen. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Musiker sich in weitaus mehr Fällen an Kindern vergangen habe, als bisher aufgrund von Zeugenaussagen vermutet werde, heißt es in einem Fahndungsaufruf des BKA.

In Portugal war er sehr beliebt

In Portugal wurde damit gerechnet, dass der mutmaßliche Kinderschänder an Deutschland ausgeliefert wird. Eine solche Auslieferung kann unter Umständen relativ rasch vollzogen werden. Aber sie kann sich auch über eine längere Zeit hinziehen, wenn der Verdacht besteht, dass der Verdächtige in Portugal ebenfalls Straftaten begangen hat.

Der bärtige und schwergewichtige Musiker hatte sich bis zu seinem Verschwinden in der portugiesischen Wahlheimat sehr beliebt gemacht. Der Feuerwehr von Vila Nova de Cerveira stiftete er drei Krankenwagen. Der Stadtverwaltung vermachte er die Statue eines Hirsches, die den Platz vor dem Rathaus ziert. 1994 erhielt er von der Stadt eine Verdienstmedaille. "Wir hatten damals nicht die geringste Ahnung davon, dass der Deutsche irgendetwas mit Kindesmissbrauch zu tun haben könnte", sagte der Bürgermeister der Kleinstadt. (kj/dpa)

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