Protest gegen Umweltschutz : Rechte in den USA verpesten absichtlich die Luft

Sie hassen Obama, Toyota und Umweltschutz: In den USA bauen Rechtskonservative Pickups zu "Coal Rollers" um. Wer am meisten Dreck rausbläst, gewinnt. Dahinter steckt eine politische Botschaft - und eine spezielle Vorstellung von Männlichkeit.

Jan H. Wasserziehr
Coal Roller: Mit aufgemotzten Diesel-Pickups blasen Obama-Hasser in den USA massenhaft Abgase in die Luft und belästigen ungeliebte Umweltfreunde.
Coal Roller: Mit aufgemotzten Diesel-Pickups blasen Obama-Hasser in den USA massenhaft Abgase in die Luft und belästigen...Foto: Screenshot.

Es ist der neue Trend unter den amerikanischen Umweltverschmutzern, Obama-Hassern und Rechtskonservativen: „Rollin' Coal“. Rollin' Coal, das heißt die Partikelfilter aus seinem Diesel Truck entfernen, für ein paar hundert Dollar einen speziellen Auspuff einbauen und dann noch derart viel Benzin in den Truck gießen, bis beim Fahren schwarze Rauchschwaden aus dem Auspuff kommen, mit dem man die Umwelt verpesten und nervige Leute vollblasen kann. „Es macht einfach Spaß – rumfahren, Rauch ausstoßen und ‚ne gute Zeit haben“, sagte Robbie, 25-jähriger Mechaniker aus South Carolina dem US-Magazin Vocative.

„Coal Rollers“ werden die aufgemotzten Fahrzeuge genannt, und zum Hintergrund haben sie neben einer speziellen Vorstellung von Männlichkeit nicht weniger als eine politische Botschaft. Die „Umweltschmutzaktivisten“ protestieren gegen Klimaschutz, Obamas Umweltpolitik und die EPA (Environmentral Protection Agency). Zu treffen sind sie vor allem in den ländlichen Gegenden von Wisconsin, Iowa oder Alabama, ihre Haltung ist konservativ, anti-liberal.

„Ich lerne eine Menge Leute kennen, die Obama nicht abkönnen“, erzählt ein Verkäufer von Auspuffrohren aus Wisconsin. „Wenn er für Umwelt ist, dann sind wir dagegen. Einen dicken Auspuff auf meinen Truck zu bauen – das ist mein Weg, ihm den Mittelfinger zu zeigen. Du willst frische Luft und eine tolle CO2-Bilanz? Dann verpiss dich.“

Wer Pech hat, wird vollgequalmt

Der Trend löst einen regelrechten Youtube-Hype aus. Es gibt zahlreiche Videos, in denen Coal Roller bevorzugt umweltfreundliche Autos, Fußgänger oder Radfahrer mit einer Rußwolke einnebeln. „Rolling coal on hot babe“, heißt einer dieser Clips. Die Truck-Fahrer fragen darin eine vorbeilaufende leicht bekleidete Frau, ob sie rauche. Als diese bejaht geben sie lachend Gas und hüllen die Passantin in eine schwarze Rauchwolke. Auch Videos wie „WORLD'S SICKEST COAL ROLLERS!!“ und „Diesels Rolling Coal on PEOPLE 2014 Compilation” erfreuen sich unter der Coal Roller Gemeinde großer Beliebtheit. Dabei gilt: Desto schwärzer und dichter der Rauch, desto männlicher, desto besser!

Sein Wurzeln hat Rolling Coal beim „Truck Pulling“, einer ländlich geprägten Sportart, bei der Diesel Trucks so schnell und weit wie möglich tonnenschwere Gewichte ziehen müssen. Um einen Vorteil zu ergattern, fingen die Fahrer an, ihre Trucks umzubauen und extra viel Benzin in den Motor zu kippen, um mehr PS, Drehkraft und Geschwindigkeit zu erreichen. Als Nebeneffekt trat bei dieser Praxis schwarzer Rauch aus den Trucks aus, der den Beteiligten offenbar derart gut gefiel, dass sie den exzessiven Rauchausstoß kurzerhand zum Hauptziel machten. Bis zu 5000 Dollar geben manche für Auspuffsysteme- und Rauchschalter aus, ein „Starter-Kit“ soll bereits ab 500 Dollar zu haben sein.

Wieso aber muss dieser Rauch auch noch anderen ins Gesicht geblasen werden? Ryan, Robbies Mitarbeiter in der Diesel-Werkstatt erklärt: „Wenn dir jemand auf die Nerven geht, kannst du ihn einfach mit Ruß einnebeln und manchmal fühlst du dich besser danach. Letztens hab’ ich das mit einem Kerl gemacht der seinen Mustang mit offenen Fenstern gefahren ist – es war toll.“

Naturfreunde als Feindbild

Die Erzfeinde sind aus Sicht der Coal Roller allerdings andere: Die „Nature Nuffies“ – „Natur-Deppen“, die Hybrid Autos fahren. Deren Umweltbewusstsein kollidiert offensichtlich mit dem Lifestyle der Diesel-Fahrer. Unter den „Reisbrennern“, so die abwertende Bezeichnung der Trucker für in Asien hergestellte Wagen, ist Toyotas Hybrid Prius das ausgemachte Lieblingsziel der Umweltverschmutzer. „Prius repellent“, Prius abweisend also, schreiben sich einige der Trucker auf ihre Rückscheiben, wenn sie klarmachen wollen, dass sie schon mal einen "Priussozialisten" verkohlt haben – auch das gibt es natürlich vielfach auf Video.

Diese Aversion gegen den Umweltschutz in den USA ist nicht neu, auch nicht unüblich. Einmal jährlich ruft der World Wildlife Fund (WWF) zur Earth Hour auf  und Staaten, Unternehmen und Haushalte reduzieren weltweit für eine Stunde ihre Beleuchtung. Zum Trotz haben Konservative eine Gegenaktion gestartet, die exakt zur selben Zeit stattfindet. In der „Human Achievement Hour“ soll die Bevölkerung die menschlichen Errungenschaften feiern - und anlässlich dessen ihren Energieverbrauch absichtlich nach oben fahren. Hinter der Anti-Umwelt-Kampagne steckt das Competitive Enterprise Institute (CEI), ein konservativer Think Tank, der sich gegen staatliche Regulierung einsetzt und systematisch die globale Erwärmung in Frage stellt. Gesponsert wird die Organisation unter anderem von Facebook, Google und Philipp Morris.

Neben den verursachten Umweltschäden, hat der zweifelhafte Trend auch gesundheitliche Konsequenzen: Wie die NGO Clean Air Taskforce ermittelte, sterben rund 21.000 US-Bürger frühzeitig in Folge der ausgestoßenen Dieselabgase.

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