• Raumfahrt-Mission MarsOne: Einmal Mars und nie zurück: Denis Newiak aus Potsdam will dabei sein

Raumfahrt-Mission MarsOne : Einmal Mars und nie zurück: Denis Newiak aus Potsdam will dabei sein

Der Potsdamer Denis Newiak hat sich für eine private Mission zu dem roten Planeten beworben und ist nun in die engere Auswahl gekommen. 2025 könnte er die Erde für immer verlassen. Ein Gespräch.

Katharina Wiechers
Das Dorf der Zukunft? In solchen sogenannten Living Units sollen die künftigen Marsbewohner leben.
Das Dorf der Zukunft? In solchen sogenannten Living Units sollen die künftigen Marsbewohner leben.Fotosimulation. MarsOne

Denis Newiak steht zweifellos voll im Leben. Der 25-Jährige studiert Filmwissenschaften, macht nebenbei die Uni-Zeitschrift, engagiert sich im Hochschulparlament und verdient sein Geld als Tanzlehrer und Straßenbahnfahrer. Und doch hat sich der Potsdamer dazu bereit erklärt, seinem irdischen Leben ein Ende zu setzen: Er hat sich für eine Reise zum Mars beworben – ohne Rückfahrschein. Nun ist er eine Runde weitergekommen.

Über 200 000 Menschen haben sich den Organisatoren zufolge für das Projekt „MarsOne“ beworben. Dahinter steckt eine private Stiftung aus den Niederlanden, die bis zum Jahr 2025 eine dauerhaft bewohnte Siedlung auf dem roten Planeten errichten will. In einer ersten Auswahlrunde, für die sich die Bewerber mit einem Video vorstellen sollten, ist Denis Newiak weitergekommen – wie 1057 andere Menschen aus aller Welt. Noch 2014 sollen unter diesen wiederum 40 Kandidaten ausgewählt werden, die dann für die Mars-Mission vorbereitet werden.

Denis Newiak wäre beim Start von MarsOne 37 Jahre alt

Erst für 2025 ist der erste One-Way-Flug zu dem unwirtlichen Planeten geplant – Denis Newiak wäre dann 37 Jahre alt. Sollte er tatsächlich für die Mission ausgewählt werden, gäbe es kein Zurück mehr. Denn der Bau einer Startrampe für den bemannten Rückflug wäre zu aufwändig und zu teuer, deshalb sollen die neuen Marsbewohner für immer dort bleiben. Doch Denis Newiak schockt dieser Gedanke nicht. „Es ist ja noch eine sehr lange Zeit hin. Und ob ich tatsächlich dabei sein werde, ist ja noch völlig offen. Verabschieden muss ich mich noch von niemandem.“

Eine Runde weiter. Denis Newiaks Video hat die Organisatoren überzeugt.
Eine Runde weiter. Denis Newiaks Video hat die Organisatoren überzeugt.Foto: M. Thomas

Allerdings würde sich das Leben des 25-Jährigen nicht erst 2025, sondern schon im kommenden Jahr radikal verändern, sollte er genommen werden. Denn schon 2015 sollen die künftigen Astronauten mit einem Vollzeittraining beginnen. Dabei wird es zum einen um körperliche Fitness, aber auch um fachliches Wissen gehen, das für das Leben auf dem Mars überlebenswichtig ist. Medizinisches, psychologisches, geologisches, physikalisches und biologisches Wissen soll den Auswanderern vermittelt werden. Das ist auch nötig, meint der Potsdamer Kandidat. „Die Gruppe wäre ja vollkommen auf sich allein gestellt. Sie müsste völlig autark überleben.“

Ab 2018 will „MarsOne“ mit dem Aufbau des „Dorfes“ auf dem fremden Planeten beginnen. Es soll aus mehreren sogenannten „Living Units“ bestehen, einer Art Hightech-Zelte. Darin sollen die neuen Marsbewohner schlafen, kochen, essen und sich waschen, aber auch zum Beispiel Pflanzen kultivieren. Energie sollen dünne Solar-Panels liefern, die auf der Mars-Oberfläche angebracht werden. Wasser ist im Boden enthalten, durch Elektrolyse kann daraus auch Sauerstoff gewonnen werden. Die medizinische Versorgung müssen die Bewohner selbst leisten, eine Art Klinik ist nicht geplant. Eigens für Trainingszwecke soll ein Simulationszentrum entstehen, in dem die anstrengende Reise – sie dauert sieben Monate – und auch das Leben auf dem Mars geübt werden soll. Nicht nur körperlich und fachlich müssen die Kandidaten fit sein, auch psychische Tests werden durchgeführt. Denis Newiak glaubt, für das Leben auf dem Mars ein geeigneter Typ zu sein. „Ich kann gut in Teams zusammenarbeiten und bin belastbar. Auch in stressigen Situationen“, sagt er.

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Bei MarsOne müssen die Teilnehmer auf engstem Raum zusammenleben

Stressresistenz wäre sicherlich angebracht, schließlich sollen die Menschen auf engstem Raum zusammenleben – bis zum Tod. Das Zusammenleben unter Extrembedingungen ist es auch, was den Studenten an dem Projekt mit am meisten fasziniert, wie er selbst sagt. „Ich glaube, dass die Mission wichtige Erkenntnisse für unsere Gesellschaft darüber liefern kann, wie das Zusammenleben auf engstem Raum und unter widrigen Umständen funktionieren kann.“ Zum Beispiel könne die Menschheit lernen, wie mit geringen Ressourcen Energie erzeugt oder Wasser gewonnen werden kann.

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