Rausgeworfener Passagier : Verletzter Fluggast verklagt United Airlines

Der rabiate Rauswurf eines Passagiers könnte die US-Fluggesellschaft teuer zu stehen kommen. Der Passagier hat zwei Vorderzähne verloren, eine Gehirnerschütterung erlitten und sich die Nase gebrochen.

Der bekannte US-Bürgerrechtler demonstrierte am Mittwoch in Chicago gegen die Fluggesellschaft United Airlines.
Der bekannte US-Bürgerrechtler demonstrierte am Mittwoch in Chicago gegen die Fluggesellschaft United Airlines.Foto: AFP/Joshua Lott

Der gewaltsame Rauswurf eines Passagiers aus einem Flugzeug von United Airlines hat wie erwartet ein juristisches Nachspiel. Der Anwalt des Passagiers kündigte am Donnerstag in Chicago an, Klage einzureichen. Sein Mandant, der 69-jährige Arzt David Dao, habe bei dem Vorfall am Sonntag zwei Vorderzähne verloren, eine Gehirnerschütterung erlitten und sich die Nase gebrochen. Er werde sich einer Operation unterziehen müssen. „Durch den Gang gezogen zu werden, war für ihn schrecklicher und schlimmer als das, was er erlebt hat, als er Vietnam verlassen hat“, erklärte Anwalt Thomas Demetrio. Der 69-Jährige verließ Vietnam demnach 1975 auf einem Boot.

Dao war mit Gewalt aus einer überbuchten United-Maschine auf dem Großflughafen O'Hare bei Chicago gezerrt worden, nachdem niemand die Maschine freiwillig verlassen wollte. Videoaufnahmen anderer Passagiere von dem Vorfall lösten weltweit Empörung aus. United hat sich öffentlich entschuldigt. Experten erklärten am Donnerstag, United werde vermutlich versuchen, den Fall schnell hinter sich zu bringen, um noch weitere schlechte Presse zu vermeiden. Dao könne auf einen "großzügigen Vergleich" hoffen, sagteder Verbraucherrecht-Experte Deepak Gupta von Gupta Wessler. In den USA können entsprechende Entschädigungen in die Millionen gehen. Daos Anwalt sagte, es sei noch zu früh, um über die Höhe von Schmerzensgeld zu reden. United habe sich mit seinem Mandanten bislang allerdings noch nicht in Verbindung gesetzt.

Die US-Fluggesellschaft will nun alle Passagiere des Flugs 3411 in Höhe des Preises ihrer Tickets entschädigen, wie ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. United-Vorstandschef Oscar Munoz hatte sich nach Kritik und Boykottaufrufen in sozialen Netzwerken ausführlich für den Vorfall entschuldigt. So etwas werde „nie wieder passieren“, hatte Munoz am Mittwoch dem Sender ABC gesagt. Er hatte außerdem eine Überprüfung des Falls angekündigt. Dazu gehöre, wie United künftig mit Überbuchungen von Flugzeugen umgehe.

Unterdessen kündigte der demokratische US-Senator Chris van Hollen laut Medienberichten eine Gesetzesinitiative an. Demnach soll es künftig Fluggesellschaften verboten werden, Passagiere zwangsweise aus einer überbuchten Maschine zu holen. Die Airlines sollten mögliche Probleme bei überbuchten Fliegern außerdem vor dem Einsteigen der Passagiere ins Flugzeug lösen.(Reuters/dpa)

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