• Rechte finden sich nicht im Internet zurecht: Frei.Wild-Fans beleidigen die falsche Mia

Rechte finden sich nicht im Internet zurecht : Frei.Wild-Fans beleidigen die falsche Mia

Der umstrittenen Band Frei.Wild war die Nominierung für den Echo entzogen worden. Jetzt haben die Fans auf Facebook ihren Frust abgelassen - allerdings an der falschen Person.

Carolin Henkenberens
Bleibt der Echo-Verleihung fern. Mieze, Frontfrau der Berliner Band MIA.
Bleibt der Echo-Verleihung fern. Mieze, Frontfrau der Berliner Band MIA.Foto: picture alliance / dpa

„IHR seid zum Kotzen! Ignorant, rot lackierte Faschisten. IHR seid erbärmlich und spießig! Pfui!!!“ – mit diesen und ähnlichen Kommentaren auf Facebook machten sich am Freitag überwiegend rechtsorientierte Fans der umstrittenen Band Frei.Wild Luft, nachdem der Band die Echo-Nominierung entzogen worden war. „Asozial, dieser linke Siff“, schrieb einer und fragte provokativ: „Nationalstolz = Rechtsextrem, oder was?“ Hunderte Kommentare dieser Art waren auf der Facebook-Seite zu finden.

Doch dummerweise hatten die Fans nicht richtig gelesen und offensichtlich auch nicht das Profilfoto beachtet. Dann hätten sie wohl schnell bemerkt, dass ihre Wutreden die falsche Mia trifft. Sie hatten die britische Sängerin, die sich M.I.A. schreibt und sich mit ihren braunen Haaren äußerlich gut von der Sängerin der Berliner Band MIA. unterscheidet, beschimpft. Die Berliner Band hatte ihre Teilnahme an der Echo-Verleihung abgesagt, weil Frei.Wild nominiert worden war. Daraufhin wurde Frei.Wild von der Nominierungsliste genommen, was deren Fans wild macht.

Doch schon bald waren etliche Kommentare wieder gelöscht. Zumindest einigen Fans war die Verwechslung offensichtlich peinlich. Sie bekamen auch reichlich Schelte von Frei.Wild-Gegnern, wurden teilweise sogar beleidigt: „Ihr Wild.Schwein-Fans“, schreibt einer. „Dieses rechte Pack ist doch wirklich zu dumm für alles“, schreibt ein anderer. Einige Facebook-Nutzer sind von dem Vorfall amüsiert, denken sich weitere lustige Namen wie „Frei.Wurst-Fans“ aus. Doch die meisten Frei.Wild-Gegner schämen sich fremd und entschuldigten sich bei der englischen M.I.A.: „Lesen können sie auch nicht. Entschuldigung M.I.A. für einige deutsche Dumpfbacken!“

Nach dem Ausschluss von Frei.Wild aus dem Echo-Wettbewerb kündigte der Bundesverband der Musikindustrie nun an, die Regeln für den Musikpreis ändern zu wollen. „Wir werden unsere Nominierungskriterien rasch überarbeiten, um mit solchen Fällen in Zukunft klarer umgehen zu können“, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Florian Drücke, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Wie genau diese Veränderungen gestaltet werden, würden in den kommenden Wochen mit dem Vorstand erörtert. Die Diskussion habe aber schon im Vorfeld der jetzigen Debatte begonnen. Die Deutsche Phono-Akademie, die zum Bundesverband der Musikindustrie gehört, hatte am Donnerstag nach Protesten und dem Boykott mehrerer anderer Bands die Gruppe Frei.Wild von der Liste der Echo-Nominierten gestrichen. Kritiker werfen den Deutsch-Rockern aus Brixen in Südtirol vor, in ihren Songs völkisches und nationalistisches Gedankengut zu verbreiten. Der Echo wird am 21. März in Berlin verliehen.

Die Nominierungen für den Musikpreis richten sich nach den Verkaufszahlen der jeweiligen Gruppen. Mit dem Ausschluss von Frei.Wild hat die Phono-Akademie eigenen Angaben zufolge in diese Regularien eingegriffen. „Das war eine besondere Situation und insofern ein Novum in der bisherigen Echo-Vergabe“, sagte Drücke. „Uns war wichtig, möglichst rasch ein Zeichen zu setzen.“ (mit dpa)


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