Rechtschreibfehler bei der Sprach-Instanz : Der Duden als Naschlagewerk

Der Duden versteht sich als maßgebliche Instanz für alle Fragen zur deutschen Sprache. In der Werbung für das "Handbuch Zeichensetzung" ist ein Fehler auf dem Titel. Wie konnte das passieren?

von
"Vollpfosten" wurde 2013 neu in den Duden aufgenommen. Wegen bloß eines Fehlers ist der Begriff noch nicht zu gebrauchen.
"Vollpfosten" wurde 2013 neu in den Duden aufgenommen. Wegen bloß eines Fehlers ist der Begriff noch nicht zu gebrauchen.Foto: Jens Kalaene/dpa

Dieses Buch hat offenbar gefehlt: Im vergangenen Jahr brachte der Duden-Verlag ein „Handbuch Zeichensetzung“ heraus – als „praktischen Ratgeber zu Komma, Punkt und allen anderen Satzzeichen“. Eine Novität, die offenbar ganz gut angenommen wird. Die zweite Auflage ist erschienen, und im Internet geben die Nutzer für das Naschlagewerk drei von fünf Sternen.
Naschlagewerk? Das ist eben kein Schreibfehler gewesen. Denn in der Reklame für den Titel ist dem Berliner Verlag, nach eigenen Angaben „die maßgebliche Instanz für alle Fragen zur deutschen Sprache und Rechtschreibung“ ein Rechtschreibfehler unterlaufen. Im Online-Shop des Duden prangt auf der Abbildung des Titelcovers ein großer roter Punkt, in dem es heißt: „Mit Register zum schnellen Naschlagen“. In den sozialen Netzwerken machte die Abbildung seit Dienstagabend die Runde.
Viele spotteten über den Duden, der laut Eigenwerbung „für höchste lexikografische Kompetenz“ steht. „Den Duden bei einem Rechtschreibfehler zu erwischen, muss genauso schön sein, wie Papst Benedikt bei fehlerhaftem Latein“, twitterte etwa ein Philipp Kurowski. Andere empfahlen dem Duden neue Wortspiele wie „Naschlag“. Und Nutzerin Heidi Hensges wollte den Tweets zunächst keinen Glauben schenken: „Das ist jetzt nicht wirklich wahr, oder?“ Ein anderer kommentierte: „Geht ja nur um Zeichensetzung. Von Rechtschraipunk seht da nix.“

Bei Verlagssprecherin Nicole Weiffen lösten die Botschaften aus den sozialen Netzwerken einen „Riesenschreck“ aus. Das relativierte sich erst, nachdem Weiffen sich vergewissert hatte: Die ausgelieferten Bücher enthalten den Fehler nicht, er findet sich nur auf der Reklame im Onlineshop. Für die war ein fehlerhaftes Motiv aus der Bilddatenbank eingespielt worden. Weiffen sagte, an einen vergleichbaren Fehler in der Verlagsgeschichte – der erste Duden erschien vor mehr als 130 Jahren – könne sie sie sich nicht erinnern. Und versichert, jeder neue Duden werde auch künftig mehrfach Korrektur gelesen.

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben