Birma : Sauvignon Blanc aus den blauen Bergen

Ein Deutscher hat Erfolg mit Birmas erstem Weingut. Nebenbei unterstützt er ein Waisenhaus

Den Inle-See mit Stelzendörfern, „schwimmenden Gärten“ und sogenannten Einbeinruderern haben wir hinter uns gelassen. Wir fahren in die Hügel nördlich des Sees. Heutiges Ziel: die Htone Bo Farm in Aythaya.

Nun, Farm klingt nach Ackerbau und Viehzucht. Damit wollte sich Bert Morsbach allerdings nicht befassen, als er 1999 die 15 Hektar pachtete. Dem studierten Bergbauingenieur, der 20 Jahre in Thailand gelebt, für die Weltbank gearbeitet und später Surfbretter produziert hatte bevor es ihn nach Birma zog, schwebte Feineres vor: Weinbau.

Nach einem Besuch im benachbarten Birma war Morsbach vor allem von Liebenswürdigkeit und Fleiß der Menschen so gefangen, dass er sich zum Übersiedeln entschloss, trotz der politischen Verhältnisse. Und der gebürtige Düsseldorfer entwickelte einen Plan, den viele Experten „verrückt“ nannten. Weinanbau in Birma, wie sollte das gehen? Lange suchte der heute 70-jährige Morsbach nach einem geeigneten Standort. Boden, Klima, Wasser – diese drei Kriterien mussten stimmen. Sein erster Anlauf 1998 in Loikaw, knapp 200 Kilometer südöstlich vom Inle-See, scheiterte. In Aythaya startete er nur ein Jahr später seinen zweiten Versuch. Die Hänge der „blauen Berge“ auf 1300 Meter Höhe erschienen ihm besser geeignet. Rund 10 000 Rebstöcke importierte er aus Europa. „Alleine hätte ich das nicht finanzieren können“, sagt Morsbach. Doch er konnte eine Gruppe von Freunden und Bekannten in Deutschland begeistern, die für Birma wie für Weinbau ein Faible hatten – und rund anderthalb Millionen Dollar in das Abenteuer steckten.

Mit zwei freien Weinberatern aus der Heimat begann eine Phase des Experimentierens. „Unseren ersten Wein 2002 mussten wir wegkippen. Ungenießbar“, erinnert sich Morsbach. Auch der Jahrgang ’03 war kaum besser. „2004 war dann aber so gelungen, dass wir die produzierten 20 000 Flaschen im Land verkaufen konnten.“ Den beiden Weinberatern wurde es schließlich zu einsam am Inle-See und Morsbach musste sich nach einem neuen Fachmann umsehen. Er schaltete eine Anzeige in einem deutschen Fachblatt. Und so ist seit 2007 der Önologe Hans-Eduard Leiendecker, zuvor 16 Jahre am Weingut Witwe Dr. Thanisch in Bernkastel tätig, für die Produkte des ersten und bisher einzigen Weingutes in Birma verantwortlich. „Wir werden weiter mit verschiedenen Rebsorten experimentieren“, sagt Leiendecker, der einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, sich jedoch gut vorstellen kann, länger zu bleiben. „Doch mit Cabernet Sauvignon, Shiraz, Sauvignon Blanc, und Chenin Blanc sind wir erst einmal gut aufgestellt.“ Kaum ein besseres Hotel oder Restaurant im Land, das nicht voller Stolz „Wine from Myanmar“ anpreist. Den Export nach ganz Asien haben Morsbach und Leiendecker bereits angedacht, „für Europa fehlen uns aber noch die Menge und auch die Qualität bei der Konkurrenz dort“. Um den Absatz der in diesem Jahr erzeugten 100 000 Flaschen ist ihnen jedoch nicht bange. „Die Überraschung und Entdeckung des Jahres für Weinfachleute ist übrigens unser Sauvignon Blanc. Ähnlich wie Neuseeland wird Myanmar für diesen Wein bekannt werden“, sagt Morsbach.

Das Unternehmen Myanmar Vineyard ist in der Gesellschaftsform einer Ltd., vergleichbar mit einer GmbH, organisiert. Für das Land hat es einen Pachtvertrag über 30 Jahre mit Option auf weitere zehn. Weinanbau soll jedoch nicht das einzige Standbein bleiben. Bereits heute verfügt das Weingut über fünf Gästezimmer, ein „Winegarden Restaurant“ und einen Pool. Im kommenden Jahr sollen 20 Bungalows für Touristen entstehen. „Arbeit zu haben, ist das Wichtigste für die Menschen hier“, weiß Bert Morsbach. Das Dutzend ungelernte Arbeiter, die er bereits heute beschäftigt, verdienen wie die meisten Menschen im Land auch nur rund einen Dollar am Tag. Doch immerhin sind sie bei Myanmar Vineyard zusätzlich krankenversichert, außergewöhnlich in Birma, wo jeder Gang zum Arzt bar bezahlt, wo schwerwiegendere Krankheiten meist in einen Schuldenberg münden, der zeitlebens abgestottert werden muss.

„Ich werde auf jeden Fall den Rest meines Lebens hier bleiben“, sagt Geschäftsführer Morsbach. Er sei zu lange aus Deutschlang fort, habe dort keine Wurzeln mehr. Die Zukunft Birmas sieht er mit gemischten Gefühlen, aber nicht ohne Hoffnung. „Ich vermute, der Demokratisierungsprozess könnte in zwei Jahren auf den Weg gebracht werden. Doch schlimm ist, dass viele Menschen das Vertrauen in Veränderungen bereits verloren haben und hier keine Zukunft für sich sehen.“ Seine kritische Haltung gegenüber der Regierung sei bekannt und werde auch den Behörden nicht verborgen geblieben sein. Schließlich gebe es genügend Informanten im Land. „Doch bisher bin ich nicht behelligt worden“, sagt Morsbach. „Übrigens, was ich deutschen Besuchern immer gern sage: Myanmar ist inzwischen von der Bevölkerung hundertprozentig angenommen; es ist keine politische Neuschöpfung der Regierung, sondern steht für die Gesamtheit der vielen Stämme im Land. Burma ist wie Birma eine Verballhornung der unmusikalischen Engländer, die ,Bamah‘ nicht richtig aussprechen können.“

Morsbach ist jedoch nicht nur als Geschäftsmann in Birma aktiv. Er unterstützt auch das Waisenhaus des örtlichen Klosters, das bis zu seinem Engagement mehr schlecht als recht über die Runden kam. Derzeit leben 90 Kinder hier, die von Mönchen und nun fünf bei Morsbach fest angestellten Lehrern betreut werden. „Wir freuen uns übrigens, wenn wir weiter unterstützt werden, dann können wir noch mehr tun. Aus Deutschland waren auch schon Freiwillige hier, die für ein, zwei Wochen mit den Kindern gearbeitet haben.“ gws

Adresse: Aythaya Vineyard, Htone Bo, Aythaya-Taunggyi, Myanmar; Telefonnummer: 00 95 / 81 / 245 36

Büro Rangun: Myanmar Vineyard Management Co., Ltd., 38G Myitzu Street, Parami Avenue Mayangone T/S, Yangon, Myanmar; Telefon: 00 95 / 1 / 66 43 86, Internet: www.myanmar-vineyard. com

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