Reise : Es grünt so grün

Öko-Schiffe anno 2022/Eine Vision von Uwe Bahn.

Keine Utopie. Zugdrachensysteme für Schiffe sollen tatsächlich Energie sparen. Foto: dpa
Keine Utopie. Zugdrachensysteme für Schiffe sollen tatsächlich Energie sparen. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Verdammt, dieser Regen. Sorgenvoll studiert Aida-Umweltdirektorin Monika Griefahn die Wettercharts für Bergen. Seit dem 26. Mai 2022 regnet es in der Stadt, in der es immer regnet. Eine Woche ist der Kreuzfahrer nun schon hier in Norwegen kaltgestellt. Keine Sonne, keine Energie. Die „Aida Sol“ ist das erste Schiff, das vor acht Jahren auf Sonnenenergie umgestellt wurde. Wenn nicht die „Aida Sol“, welches Schiff dann? Aber bei diesem tristen Wetter geht hier gar nichts mehr. Da haben es die beiden neuen Clubschiffe besser: Die „Aida Öko“ und die „Aida Yoga“ fahren volle Kraft voraus unter der Sonne der Karibik.

Vielleicht hätte die Rostocker Reederei bei den Nordlandrouten auf Windenergie setzen sollen. So wie bei Tui Cruises, wo „Mein Schiff 9“ bereits seit März 2018 unter Segeln fährt. Auch wenn der Zwanzigmaster nicht einfach zu manövrieren ist, entspricht doch die Segelfläche des 5000-Personen-Potts nach Quadratmetern exakt der Fläche von Hessen. Einen halben Seetag braucht die Crew, um die Jutesegel zu setzen, die immer wieder aus den Verankerungen gerissen werden. Jutesegel sind seit drei Jahren Pflicht, seit bei der „Sea Cloud“ in den traditionellen Stoffen das allergieauslösende ZGHKVM QGF 2 nachgewiesen wurde. In der Biskaya bläst es kräftig – leider aus der falschen Richtung. „Mein Schiff 9“ wird zwei Tage später in Lissabon eintreffen, muss kreuzen. Nur wenige Passagiere meutern, schließlich haben sie ja eine Kreuzfahrt gebucht.

„Mein Schiff 7“ dümpelt derweil vor Rotterdam mit schlaffen Segeln im Windschatten eines Containerriesen. Der stellt gerade von Schweröl auf Schiffsdiesel um, schließlich soll Hollands Hafen nicht verpestet werden. Auch wenn der Industrieschiffsverkehr auf dem Wasser 99 Prozent ausmacht – im Fadenkreuz des Naturschutzbundes sind seit zehn Jahren die ein Prozent Kreuzfahrer. In der Deutschen Bucht sitzt per Einstweiliger Verfügung seit nunmehr drei Monaten die „Deutschland“ der Deilmann-Reederei fest. Zwei Basstölpel-Paare haben auf dem Schornstein des Schiffes ihr Nest gebaut. Vermutlich haben die verwirrten Vögel die „Deutschland“ mit der Felsformation von Helgoland verwechselt. Ehe die Jungtiere nicht geschlüpft sind, wird hier kein Motor angeworfen, kein Anker gelichtet.

Seit Monika Griefahn bei Aida Cruises vor zehn Jahren das Umweltamt übernommen hat, ist viel passiert. Auf den drei ältesten Schiffen der Reederei ist das Sonnendeck einer großzügigen Ackerfläche gewichen. Hier wird kontrolliert biologisch angebaut, legendär sind bereits die „Hirsepartys“ auf der „Aida Cara“.

Aber auch andere Reedereien sind dem gefolgt. Norbert Röttgen, 2012 geschasster Umweltminister, leitet bei Hapag Lloyd die Nachhaltigkeitsoffensive. Unglücklich allerdings sein Einstieg. Seit die Greenpeaceschiffe „Rainbow Warrier III“ und „Esperanza“ den Tenderdienst der „Europa“ übernommen haben, kommt es immer wieder zu Übergriffen. „Bevor ich einen dieser Kähne besteige, ersticke ich lieber an einer Auster“, wird ein Stammgast zitiert. Und er ist nicht der Einzige, der so denkt. Es ist noch eine Menge Aufklärungsarbeit nötig, bevor die Kreuzfahrt endlich wieder in ruhiges Fahrwasser kommt.

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