Suriname : Auf wilden Wasserwegen

Suriname, Südamerikas kleinster Staat, überrascht die wenigen Touristen mit einer Flora und Fauna wie im Amazonas-Gebiet.

Helgard Below
Zuuu-gleich! Eine Reise auf dem Oberen Suriname-Fluss ist alles andere als eine gemütliche Kahnpartie. Doch auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel.
Zuuu-gleich! Eine Reise auf dem Oberen Suriname-Fluss ist alles andere als eine gemütliche Kahnpartie. Doch auch hier gilt: Der...Foto: mauritius images

Der Obere Suriname gurgelt über rund geschliffene Granitfelsen, die wie reglose Nilpferde im Wasser liegen. Der Fluss sprudelt durch Stromschnellen, die unser Holzkahn nur mühsam überwindet. Manchmal steigen die Führer aus und schieben das Boot in knietiefen Strudeln gegen die Strömung an. Urwaldriesen säumen die Ufer, zu einer grünen Wand verwoben von Schlingpflanzen mit pinselförmigen roten Blüten. Aus dem Inneren des Dschungels tönt ein wildes Konzert. Affen brüllen, Vögel flöten, Frösche unken und Grillen kreischen wie Kreissägen.

Suriname, etwa 3000 vor Christus erstmals von Indianern besiedelt, wurde 1667 zum Tauschobjekt. Die Engländer behielten die eingenommene niederländische Kolonie Nieuw Amsterdam (das spätere New York) und die Niederländer ihrerseits das eroberte Suriname. Heute ist es das kleinste unabhängige, wohl unbekannteste Land Südamerikas.

Im undurchdringlichen Regenwald leben nicht nur Jaguar, Tapir und Anakonda, sondern auch eine bunte Vogelwelt. Dort haben entflohene Sklaven über Jahrhunderte ihre afrikanische Kultur bewahrt. Sie waren die ersten freien Afrikaner in der Neuen Welt und bildeten die größten traditionell afrikanischen Gesellschaften außerhalb Afrikas. In der Wildnis überlebten sie mithilfe von Trance-Ritualen, Telefonbäumen, essbaren Maden und giftigem Cassava-Brot. Touristen können heute im Maroon-Museum von Paramaribo deren Geschichte erkunden und an Urwaldtouren oder dem Dorfleben teilnehmen.

Niederländisch ist Landessprache

Auf dem Suriname wähnen wir uns am kleinen Bruder des Amazonas, so vielfältig sind Flora und Fauna. Wasserläufe sind die einzigen Transportwege im undurchdringlichen Urwald von Südsuriname, die die fehlenden Straßen ersetzen. Dass hier überhaupt Menschen leben können! Untrügliche Beweise dafür sehen wir jedoch alle zwei bis drei Flusskilometer: Bunt gewandete schwarze Frauen waschen auf den Felsen im Fluss ihre Wäsche und halb nackte Kinder tollen im Wasser. Hinter ihnen lugen aus dem Regenwald mit Palmstroh gedeckte Holzhäuschen hervor. Szenen aus Afrika in Amerika.

Einst zur Kolonie Niederländisch Guyana gehörig, ist Suriname mit gut einer halben Million Einwohnern seit 1975 unabhängig. Gleichwohl: Die Verbindungen zur ehemaligen Kolonialmacht sind nie abgerissen. Niederländisch ist weiterhin Landessprache und im Königreich von Willem-Alexander leben heute etwa 300 000 Menschen surinamischer Herkunft, darunter so bekannte wie die ehemaligen Fußballspieler Ruud Gullit, Patrick Kluivert oder Frank Rijkaard, „das Lama“, der durch seine Spuckattacke gegen Rudi Völler bei der WM 1990 auch zweifelhaften Ruhm erwarb.

Zwischen Guyana und Französisch Guyana gelegen, ist das kleine Land für Touristen eine Wundertüte: im Norden koloniale Holzvillen der Hauptstadt Paramaribo mit Welterbe-Status und im Süden unermessliche Regenwälder mit rund 1000 Baumarten, einer reichen exotischen Fauna und kleinen Öko-Lodges. Versteckt im Dschungel haben die Maroons, entflohene Sklaven, seit Jahrhunderten ihre besondere Kultur entwickelt.

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