Urlaub am Roten Meer : Im Wechselbad

Vor 25 Jahren begann im ägyptischen Hurghada der Tourismus – mit Höhen und Tiefen.

Peter S. Kaspar
So kann Urlaub sein. In Hurghada (hier das Hotel Royal Azur) besteht jedoch kaum Grund, das Silberjubiläum zu feiern.
So kann Urlaub sein. In Hurghada (hier das Hotel Royal Azur) besteht jedoch kaum Grund, das Silberjubiläum zu feiern.Foto: PA

Das Wahrzeichen Hurghadas vergammelt allmählich. Es passt nicht so recht zu den Jubiläumsfeiern, die sich derzeit am Roten Meer häufen. Viele Tauchbasen feiern ihr Silberjubiläum. In dem Rundbau auf einer Landzunge südlich des Ortsteils Sekalla war einst das Sheraton-Hotel untergebracht. Kein Gebäude in der wuchernden Stadt steht so symbolisch für den Aufstieg, aber auch für das Scheitern in der meistbesuchten Urlaubsregion am Roten Meer. Errichtet wurde die noble Herberge bereits in den 60er Jahren – von der DDR. Eigentlich hätten verdiente Kader sich dereinst dort erholen und im Roten Meer planschen sollen. Der Sechs-Tage-Krieg 1967 machte diesen Traum jedoch zunichte.

Es dauerte mehr als zehn Jahre, bis Sheraton als Betreiber den leer stehenden Rundbau bezog. Etwa zur gleichen Zeit eröffnete rund fünf Kilometer südlich das Magawish, ein Club Méditerranée. Beide Projekte schienen zu scheitern. Die Anlagen waren nur mäßig besucht. Ein anderer hingegen war zufrieden. Der Deutsche Rudi Kneipp war stets ausgebucht, und das, obwohl die Qualität seiner Unterkunft nur mit viel Wohlwollen als „Jugendherbergsstandard“ zu betrachten war. Doch seine Klientel waren Taucher, die noch wenige Jahre zuvor froh waren, wenn sie an den Gestaden des Roten Meeres überhaupt ein Zelt aufschlagen konnten. Doch für Massentourismus schien die kleine Stadt Al Gardagha untauglich – der Name Hurghada war für die Hauptstadt der Provinz Red Sea noch nicht geläufig.

Doch vieles begann sich dramatisch zu ändern, als der ägyptische Unternehmer Mohamady Hwaidak zwischen Magawish und Sheraton sein Hotel Giftun Village baute. Ein Bruder erklärte ihn für total verrückt, wollte ihn gar in die Psychiatrie einweisen lassen. Ein Hotel in die Wüste zu bauen, konnte nur den Ruin der Familie bedeuten. Urlaub hier? Unmöglich!

Doch während die Häuser seiner Mitbewerber meist leer standen, war das Giftun vom ersten Tag an ausgebucht. Allerdings mussten die Gäste dort auch nicht wie im Sheraton 100 Dollar für die Übernachtung bezahlen, sondern nur 17. Und eine Tauchbasis hatte das Giftun auch.

Jetzt fehlten noch genau zwei Ingredienzien, um Hurghadas explosionsartiges Wachstum zu starten. Einerseits gelang es dem ägyptischen Unternehmer, viele skeptische Landsleute nun ebenfalls zu Investitionen in Hurghada zu bewegen. Andererseits schaffte er es mit einer abenteuerlichen Aktion, die ersten Charterflüge aus Europa auf dem eigentlich fürs Militär reservierten Flughafen landen zu lassen.

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