Sacha Baron Cohen : Der Komiker und die armen Tyrannen

"Tod dem Westen": Wie der Komiker Sacha Baron Cohen im Waldorf Astoria für seinen neuen Film „Der Diktator“ wirbt. Berühmt wurde er als "Borat", der idiotische Reporter aus Kasachstan.

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„Bei mir haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer, nämlich gar keine.“ Komiker Sacha Baron Cohen als nahöstlicher Diktator mit Leibwächterinnen bei seiner Pressekonferenz in New York.
„Bei mir haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer, nämlich gar keine.“ Komiker Sacha Baron Cohen als nahöstlicher Diktator mit...Foto: REUTERS

„Willkommen, ihr Teufel der zionistischen Medien – und Tod dem Westen“. Das darf öffentlich im Moment eigentlich nur Sacha Baron Cohen, Admiral General Shabazz Aladeen. Diktator, britischer Komiker, aber mit jüdischen Wurzeln.

Wie auf Youtube zu sehen ist, trat Cohen im New Yorker Waldorf Astoria am Montag bei einer inszenierten Pressekonferenz (die Fragen waren zuvor an die ernsthaft erschienenen rund 100 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt verteilt worden) mit seiner Escorte schwer bewaffneter und leicht bekleideter Leibwächterinnen an die Redebühne. Mit viel Hingabe gab er seinen Admiral, den Diktator von Wadiya. Nächste Woche läuft der Film an. Eine schöne Werbeveranstaltung. Eine, die, wie die „New York Daily News“ schreibt, die Beziehungen zur muslimischen Welt auf das Niveau der Kreuzzüge zurücksetzen könnte.

Ein richtig schlechter arabischer Diktator, der mal eben Israel ausradieren will. Aber Cohen will ja nicht Politiker werden. Martin Scorsese, der Cohen für seinen Film „Hugo Cabret“ an Bord geholt hat, attestiert seinem Schauspieler im Gespräch mit der „International Herald Tribune“ allerdings, ein politischer Satiriker sei er sehr wohl. In der Tradition jüdischen Humors.

Der Diktator, der für den Diktator-Film wirbt, blieb zunächst seiner ganz eigenen Perspektive treu. Er sei gekommen, um auf eine furchtbar gefährdete Gruppe hinzuweisen: Diktatoren. Nur wegen ein wenig Bereicherung, Unterdrückung und einem „winzigen bisschen Genozid“. So viele seiner Freunde seien schon gefallen: Saddam, Kim Jong-Il, Gaddafi und Oprah (Winfrey, US-Talkmasterin). Sein Freund Ahmadinedschad könne sich nicht mal mehr eine Krawatte leisten. Und weil ihm das Klopapier ausgegangen sei, müsse jener sich mit einem seiner LieblingsT-Shirts, dem „I hasse New York“, den Hintern abwischen. Ahmadinedschad und er hätten den gleichen Filmgeschmack, lässt der Diktator wissen, Fantasy. Zum Beispiel „Herr der Ringe“ oder „Schindlers Liste“.

Dem Cohen-Diktator schien dann die Rolle zu eng zu werden. Bei den Vereinten Nationen bedankte sich der Cohen-Satiriker in der schwarzen Uniform des Diktators für ihr „mutiges Nichtagieren zu Syrien“. 13 Monate und immer noch keine Sicherheitsratsresolution. Sie hätten so gut wie nichts für das syrische Volk getan. „Aber denken Sie daran: Man kann immer noch weniger tun!“ Den US-Republikanern nahm Aladeen ihre doppelten Standards ein wenig übel: „Was in meinem Land Genozid genannt wird, heißt in Texas juristisches System.“

Den Anwärter auf die republikanische US-Präsidentschaftskandidatur, Mitt Romney, bewundere er, jener habe das Zeug zum Diktator: „Er ist unglaublich reich und zahlt keine Steuern.“ Und es sei schließlich kein weiter Weg vom LeuteFeuern zum Feuern auf Einheiten. Einzelne Länder kann der Diktator auch beurteilen. „Holland? Schön flach, kann man gut einmarschieren!“ Südafrika habe „eine gute Geschichte“ und der russische Präsident Wladimir Putin sei „auch ein sehr professioneller Diktator“.

„Tod dem Westen.“

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