Welt : Schröders Weihnachtsgans: Der Kanzler begnadigt Doretta

Die für Bundeskanzler Gerhard Schröder bestimmte Weihnachtsgans "Doretta" landet nun doch nicht im Backofen. Auf Intervention von Tochter Klara begnadigte der Regierungschef das Tier in letzter Minute. Es wäre doch "kein gutes Weihnachtsfest, wenn da eine tote Gans herumliegt", meinte das neunjährige Kind und erweichte damit offenbar den Kanzler. Schröder hatte die Gans "Doretta" Ende August auf seiner Reise durch die neuen Länder im brandenburgischen Lenzen in der Prignitz geordert.

Nach der Mast wog sie zuletzt 7,5 Kilogramm und sollte am Sonnabend von einem ökologischen Betrieb in Gladebeck (Niedersachsen) geschlachtet werden. Sie hätte damit das Schicksal von rund 700 gefiederten Artgenossen geteilt, mit denen zusammen sie sich bisher friedlich auf einer Weide der Landschaftspflege GmbH in Lenzen rund fraß.

Der Pfleger von Doretta, Michael Kahl, sagte am Wochenende dem Tagesspiegel, die Gans sei auf dem Rückweg zu ihm. Es werde das Tier jetzt wohl bis ins hohe Alter betreuen. Die Frage, ob Doretta einem anderen Kunden verkauft werde, verneinte er.

Noch bis zum Wochenende hatte der für die Schlachtung vorgesehene Öko-Hof in Niedersachsen überlegt, wie er der Familie Schröder den Festtagsbraten zustellen sollte - zum Beispiel mit oder ohne Schleife um den Hals. Ursprünglich war vorgesehen, das Tier am kommenden Dienstag - mit regionalen Rezepten, Äpfeln und Backpflaumen - anzuliefern. Die Gans war Anfang Juni auf einer Biofarm im mecklenburgischen Ort Wargun geschlüpft. Boulevard-Blätter hatten am Sonnabend Gnaden-Appelle an Schröder gedruckt. Mehrfach wurde er gemahnt, sich an US-Präsident Bill Clinton ein Beispiel zu nehmen: Der hatte im Herbst zum Erntedankfest einem Truthahn nach alter Tradition das Leben geschenkt. Welches Festtagsessen an Dorettas statt bei den Schröders zu Weihnachten auf dem Tisch landen wird, war nicht zu erfahren.

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