• Selbstüberschätzung: Ägyptens Militär will Wundergerät gegen Aids entwickelt haben

Selbstüberschätzung : Ägyptens Militär will Wundergerät gegen Aids entwickelt haben

Ägyptens Militär will in seinem unbändigen Machttaumel ein Wundergerät gegen Aids erfunden haben. Sehen Sie hier auch ein Video vom ägyptischen Fernsehen, wo zu pathetischer Musik über die Erfindung berichtet wird.

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Kolossale Selbstüberschätzung. Dieses kleine Gerät rechts soll angeblich HIV besiegen.
Kolossale Selbstüberschätzung. Dieses kleine Gerät rechts soll angeblich HIV besiegen.Foto: Screenshot

Es war ein großer Aufmarsch – die ersten Reihen bei der Pressekonferenz gefüllt mit andächtigen Offiziersgesichtern in Uniform. „Wir haben Aids besiegt, wir haben Hepatitis C besiegt“, tönte vorne am Pult Generalmajor Ibrahim Abdul Atti, der sich als Chef der militärischen Forschungsbrigade vorstellte. Die neue ärztliche Wunderwaffe, von der ägyptischen Armee bereits weltweit zum Patent angemeldet, kann angeblich die brisanten Viren im Körper der Kranken aufspüren und vernichten. Keine umständlichen Bluttests mehr, keine teure Medikamententherapie, Diagnose und Heilung in einem Guss – durch elektromagnetischen Wellenkampf zwischen Viren und Gerät. „Unsere Streitkräfte haben einen wissenschaftlichen Durchbruch erzielt, der sofortige Erfolge bei niedrigen Kosten erreicht“, sekundierte Armeesprecher Oberst Ahmed Ali auf Facebook.

Ägyptens Militär gefällt sich in grotesker Selbstüberschätzung

Ein Beamter des Gesundheitsministeriums sprach von „spektakulären Ergebnissen“, während andere angesichts der Urlauberflaute bereits von medizinischen Touristenströmen nach Ägypten träumen. „Ein Virus zu besiegen ist ein ganz einfacher Prozess, aber Allah gewährt Weisheit nur dem, dem er sie gewähren will“, dozierte derweil gottgewiss Generalmajor Ibrahim Abdul Atti, während auf den beiden Videoschirmen links und rechts Männer in Schlafanzügen zu sehen waren, denen Weißkittel das schlanke Gerät zur Diagnose auf den Leib hielten.

Arabische Länder wollen nicht zugeben, dass sie auf einen Betrüger reingefallen sind

Andere Patienten wiederum fieberten, mit Schläuchen an leise quietschende rechteckige Boxen angeschlossen, angeblich ihrer totalen Gesundung innerhalb von 24 Stunden entgegen. „Complete Cure“ heißt die Wunderapparatur, oder abgekürzt „CiCi“, genauso wie Ägyptens neuer politischer Wunderheld, Feldmarschall Sisi, den ein übereifriger Scheich kürzlich sogar zum neuen Propheten ausrufen wollte. Am 30. Juni soll die landesweite Aids-Massentherapie beginnen, dem ersten Jahrestag des Sturzes von Mohammed Mursi.

Sehen Sie hier die absurde Vorstellung im Fernsehen

Der neue Aids-Terminator sieht aus wie ein Pistolengriff mit silbriger Radioantenne – und ähnelt damit in verblüffender Weise jenem dubiosen Bombendetektor, der in Ländern wie Irak, Jemen und Ägypten seit Jahren im Einsatz ist. Egal ob vor großen Hotels in Sanaa oder an der Einfahrt zum Parlament in Bagdad, jedes Auto wird erst mit gewichtiger Miene und Antennen-Pistole in der Hand abgeschritten, bis es passieren darf. 85 Millionen Dollar und wahrscheinlich Hunderte von Leben kostete den bombengeplagten Irak der Ankauf dieser sogenannten ADE-651-Geräte. Ihr britischer Konstrukteur James McCormick ist längst des Betrugs überführt und musste im Mai 2013 eine zehnjährige Gefängnisstrafe antreten. Seine gehörnten arabischen Kunden jedoch wollen sich einfach nicht eingestehen, dass sie ihr Geld zum Fenster herausgeworfen haben und einem Schwindel aufgesessen sind.

Das medizinisch-magische Zwillingsgerät der ägyptischen Armee könnte ebenfalls viele Menschen das Leben kosten. Ägypten hat eine der höchsten Hepatitis-C-Raten der Welt. 10 bis 20 Prozent leiden unter dieser Krankheit, die zu Leberversagen und Leberkrebs führen kann. Und so meldete sich vergangene Woche Interimspräsident Adly Mansour über seinen Wissenschaftsberater Essam Heggy zu Wort und forderte eine Überprüfung der Aids- und Hepatitis-Wunderwaffe durch internationale Experten. „Das Ganze ist ein Skandal und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage“, wetterte Heggy, der einst Astronomie studierte. Ägyptens Forscher-Generäle jedoch lassen sich durch solche Querschüsse nicht beirren. Man habe ihm im Ausland zwei Milliarden Dollar geboten, „wenn er das Gerät aushändige und vergesse“, tönte Entdecker Ibrahim Abdul Atti. „Ich habe denen gesagt, dies ist die Erfindung eines muslimisch-arabischen Ägypters – und dann bin ich ihnen entkommen, zurück in meine Heimat, unter dem Schutz unseres Geheimdienstes.“


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