40 Jahre Kultfilm : Das wahre Kuckucksnest

Eine verrückte Idee: Den Film über eine Irrenanstalt in einer Irrenanstalt zu drehen. Nur ein Klinik-Direktor in Oregon machte mit. Die Produktion "Einer flog übers Kuckucksnest" wurde 1975 zum Welterfolg. Ein Ortstermin.

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Freigeist.: Der Mediziner Dean Brooks spielte im Film sogar mit.
Freigeist.: Der Mediziner Dean Brooks spielte im Film sogar mit.Foto: picture alliance / dpa

Sie mussten verrückt sein. Einen Hollywoodfilm über eine Irrenanstalt in einer echten Irrenanstalt drehen? Eine Klinik nach der anderen lehnte entsetzt ab. Der Titel allein reichte: „Einer flog übers Kuckucksnest“. Der Debütroman von Ken Kesey, 1962 erschienen und ein Riesenerfolg, hatte das rebellische Jahrzehnt eingeläutet, das die amerikanische Gesellschaft so gründlich aufgemischt hat.

Genau das macht die Hauptfigur, McMurphy, mit der Psychiatrie: Ein kleiner Gauner, er spielt verrückt, um der Arbeit auf der Gefängnisfarm zu entkommen. In der Klink trifft der provokant fröhliche Rebell auf die diktatorische Krankenschwester Miss Ratched, stachelt die Patienten zu Selbstbestimmung und Gaudi an – und wird schließlich mit Elektroschocks und Lobotomie kaltgestellt.

Keiner der Klinikverantwortlichen, sagte Regisseur Milos Forman später, hatte das Buch gelesen. Nur Dean Brooks, von 1955 bis 1981 Leiter des Oregon State Hospitals in Salem, der Hauptstadt des Bundesstaates. Und der sagte zu. Brooks hatte Humor und einen Plan: Er betrachtete die Dreharbeiten als Bereicherung für die Kranken, eine Form der Therapie, und er wollte eine öffentliche Debatte über die Psychiatrie anzetteln. Auch über die desaströse Situation, wie er sie im eigenen Haus erlebte: überfüllte Stationen, viel zu wenig Personal.

Der unkonventionelle, um eine humane, respektvolle Behandlung kämpfende Mediziner hatte schon einige Experimente gewagt. Mit chronisch kranken Patienten war er zum Wildwasserkanufahren und Survivaltraining gefahren – „Wilderness Therapy“ nannte es die Zeitschrift „Life“ in ihrer Reportage –, startete, unerhört, ein Programm für Jugendliche als ehrenamtliche Mitarbeiter, verschaffte sowohl Mitarbeitern wie Patienten Mitspracherecht und Gehör. Auch Dr. Brooks wurde von konservativen Kollegen für verrückt erklärt. Warum also nicht ein Film? Auf der Grundlage des Romans, den er als Allegorie auf den Missbrauch in Institutionen aller Art sah, egal ob in Schule, Kirche oder Krankenhaus.

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