Autor William Boyd : „James Bond macht dumme Fehler“

William Boyd hat den Agenten 007 genau seziert – und dann wiederbelebt. Er weiß auch, wie Prinz Charles gequält wurde und hasst Sterneköche.

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William Boyd
William BoydFoto: Trevor Leighton

Mr. Boyd, schön haben Sie es hier in Chelsea. James Bond soll gleich um die Ecke gewohnt haben.

Ja, am Wellington Square. Niemand weiß, welches Haus Ian Fleming beim Schreiben im Kopf hatte, aber ich habe zur Recherche alle zwölf Romane und acht Kurzgeschichten gelesen, jedes Detail notiert. Da kam keine andere Adresse infrage.

Sie hätten eine erfinden können.

Wenn ich geschrieben hätte, Bond hat ein Haus in Hampstead, würden mich sofort 1000 aufgebrachte Leser bestürmen. Dass er nun mein Nachbar wurde, ist Zufall. Ich wohne hier seit 25 Jahren und wusste das nicht.

Weil Sie sich, bevor Sie diesen Job übernahmen, nicht für Bond interessiert haben?

Zuerst habe ich mich für Ian Fleming als Person interessiert. Der hatte ein kompliziertes Verhältnis zu dem Schriftsteller Evelyn Waugh, den ich sehr schätze. Die beiden kannten, aber mochten sich nicht. Dabei waren sie typische englische Autoren ihrer Zeit – Misanthropen, die so schnell wie möglich sterben wollten. Fleming und Waugh begingen eine Art langsamen Selbstmord.

Beide tranken zu viel.

Fleming rauchte drei Schachteln Zigaretten pro Tag und trank eineinhalb Flaschen harten Alkohol. Beide nahmen verschreibungspflichtige Tabletten, morgens, um in Gang zu kommen, und abends, um besser einschlafen zu können. Sie waren depressiv. Flemings Frau Anne schrieb an Waugh: „Ian sitzt den ganzen Tag in seinem Schlafzimmer, er starrt aus dem Fenster – ein Zustand schieren Elends.“ Waugh und Fleming waren privilegierte Mitglieder der Oberklasse, denen ihr Butler das Frühstück brachte, sie zur Bibliothek fuhr, jeden Handschlag abnahm. Sie schrieben aus reiner Langeweile. Hätten sie Antidepressiva genommen, wären sie vielleicht älter geworden.

Welche Drogen nehmen Sie?

Ich mag Drinks, aber ich bekomme einen furchtbaren Kater am nächsten Tag.

Und was hat Sie getrieben, einen James-Bond-Thriller zu schreiben?

Mich interessiert die Psychologie von Agenten, die in einem Punkt Schriftstellern ähneln: Beide handeln mit Lügen. Als Schreiber inspiziere ich meine Umgebung genauso, wie es ein Spion tun würde. Was ist das für ein Kleid? Hält der Mann seine Zigarette komisch? Wie ein Spion, der niemals entspannt, einen Raum betritt und nach dem besten Fluchtweg Ausschau hält. Das habe ich in meinen Spionageromanen „Ruhelos“ und „Eines Menschen Herz“ bereits beschrieben. In letzterem tritt Ian Fleming sogar kurz auf.

Deshalb schickte die Fleming-Familie eine E-Mail: Mr Boyd, hätten Sie Lust, einen Bond zu schreiben?

Nein, mein Agent rief mich an. Er sagte, rate mal, von wem ich eine Anfrage auf dem Tisch habe. Ich sagte sofort zu. Dann erst traf ich die Familie.

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