Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik : Frieden auf den ersten Blick

Ein Land voll Gold und Diamanten – und doch eines der ärmsten der Welt. Warlords herrschen mit Kalaschnikows, Christen kämpfen gegen Muslime. Gibt es noch Hoffnung?

Von Isabelle Buckow
In den Krankenhäusern der Zentralafrikanischen Republik liegen besonders viele Kinder
In den Krankenhäusern der Zentralafrikanischen Republik liegen besonders viele Kinder.Foto: Christian Werner

An einem sonnigen Mittag steht Ali Darassa Mahamat, muslimischer Warlord, auf seinem Anwesen in Bambari, einer Stadt in Zentralafrika, und wartet auf seinen großen Auftritt.

Fünf junge Männer in Armeeuniform lehnen an Bäumen, in den Händen halten sie Kalaschnikows. Zwei andere fahren auf Motorrädern über das Gelände.

Das Geräusch der Motoren dröhnt in den Ohren. Darassa nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette, streicht seine Uniform glatt, rückt den Gürtel zurecht.

Es ist ein besonderer Tag für ihn. Heute kann er seine guten Absichten demonstrieren. Heute kann er zeigen, dass er dem Land etwas bringt, was Politiker und internationale Militäreinheiten nicht schaffen: Frieden.

So entstand der Konflikt

Jahrzehntelang hatten Christen und Muslime relativ gewaltfrei zusammengelebt, hier, in der Zentralafrikanischen Republik, inmitten der Krisenstaaten Tschad, Sudan, Kongo und Kamerun. Dann stürzten mehrheitlich muslimische Séléka-Rebellen im März 2013 den Präsidenten, fielen in die Hauptstadt Bangui ein, brannten Dörfer nieder, vergewaltigten Frauen und Kinder.

Wütende Bürger bildeten eine Gegenmiliz, die christlich-animistische Anti-Balaka. In der Landessprache Sango heißen sie „gegen die Kugeln der AK-47“. Anfangs verteidigten sie sich nur gegen die Séléka. Später machten sie Jagd auf alle Muslime.

Die Séléka wurden aus der Hauptstadt Bangui vertrieben, ihre Koalition aufgelöst. Die Kämpfer flohen in den Nordosten des Landes. Seither kämpfen sie als Ex-Séléka weiter.

Die UN schickten französische und afrikanische Blauhelmsoldaten ins Land – die Friedensmission Minusca. Sie sollte das Töten stoppen und die verfeindeten Gruppen entwaffnen. Frieden importieren. Doch wie geht das eigentlich? Und wie weit darf man dafür gehen?

Warlords kontrollieren das Land

Noch bricht die Gewalt immer wieder aus. Mindestens 6000 Menschen wurden in den vergangenen Jahren getötet. Eine Million sind auf der Flucht, vor allem Muslime, rund eine halbe Million sucht in Nachbarländern Schutz. Die Hälfte der gut fünf Millionen Einwohner braucht nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR Essen, Medizin oder eine Zeltplane.

Oft kommt die Hilfe nicht dort an, wo sie gebraucht wird. Denn Warlords kontrollieren das Land. Warlords wie Ali Darassa.

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