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Soziale Netzwerke : Facebook gehen die jungen User aus

Die 13 bis 24-Jährigen verlassen Facebook in Scharen, weil das soziale Netzwerk unter Älteren einen ungeahnten Boom erfährt. Die Jungen wechseln zu Pinterest, Instagram, Flickr, Vine und WeChat. Pinterest expandiert gerade nach Berlin und sucht Mitarbeiter.

Michel Penke
Für junge Nutzer ist Facebook nicht mehr die erste Wahl.
Für junge Nutzer ist Facebook nicht mehr die erste Wahl.Foto: dpa

Facebook wächst, wächst und wächst. Und wenn es nicht wächst, dann explodieren die Nutzerzahlen. Jung, modern und dynamisch will das Unternehmen von Mark Zuckerberg sein. Junge Nutzer sind da die beste Werbung.

Doch die bleiben dem Unternehmen mehr und mehr fern. Nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens iStrategylabs löschen immer mehr Jugendliche ihre Facebook-Profile. Vor allem die jüngsten Facebook-User, die 13 bis 17-Jährigen, wenden sich von dem Netzwerk ab. Ein Viertel ist zwischen 2011 und 2014 auf andere Anbieter umgestiegen. Unter den 18 bis 24-Jährigen sind es immer noch 7,5 Prozent, die Facebook den Rücken kehren.

Beinahe die Hälfte aller Facebook-User ist mittlerweile 35 oder älter

Grund dafür ist das gleichzeitig rasante Wachstum Facebooks in den älteren Generationen. 30 bis 40 prozentige Zuwachsraten verzeichnet das Unternehmen von Mark Zuckerberg unter den 25 bis 54-Jährigen. Bei den über 55-Jährigen kommt Facebook auf beeindruckende 80 Prozent mehr Anmeldungen. Beinahe die Hälfte aller Facebook-User ist mittlerweile 35 oder älter. Vor drei Jahren stellten sie mit 37 Prozent nur eine kleine Minderheit.

Unter den Erwachsenen ist Facebook damit so erfolgreich wie nie zuvor. Nach einer Studie des Forschungsinstituts „Pew Research Center“ besuchten 63 Prozent täglich Facebook, 40 Prozent mehrmals am Tag.

  Facebook ist mittlerweile zu uncool

Während die Alten kommen, flüchten die Jungen. Eine Freundschaftsanfrage der Eltern ist für viele Jugendliche Grund genug die Internetplattform zu verlassen. Facebook selbst ist das Problem schmerzhaft bewusst. Spätestens nachdem der eigene Produktionsdirekter Blake Ross im Februar vergangen Jahres seine Kündigung scherzhaft damit begründete, dass Facebook ihm mittlerweile zu uncool sei. Ein Forbes Journalist hätte einen Freund seines Sohnes gefragt, ob Facebook noch cool sei und dieser hätte das verneint.

„Wir sehen einen Rückgang von täglichen Nutzern. Vor allem bei jüngeren Teenagern“, sagt auch Facebook-Finanzchef David Ebersmann. Bereits im Geschäftsbericht 2012 hatte Facebook zugebe müssen, junge Nutzer an andere Netzwerke zu verlieren.

Doch neben dem Ansturm der Senioren gibt es noch weitere Gründe für das Fernbleiben der Jungen. So ist das eigene Profil in Facebook nur wenig personalisierbar. Anders als bei Tumblr oder Instagram gibt nur wenige Möglichkeiten dem eigenen Internetauftritt durch Bilder oder Videos eine persönliche Note zu verschaffen. Auch die anhaltende Diskussion über Facebooks Daten-Spionage gegen die User hat ihren Beitrag geleistet, um das Image des Konzerns nachhaltig zu schädigen. Viele User sind über die ständig geänderten Privatsphäreneinstellungen verärgert. Die Nutzungsbestimmungen sind mittlerweile länger als die gesamte US-Verfassung.

Die New-Comer: WeChat, Vine, Flickr, Snapchat, Tumblr, Twitter, Pinterest und Instagram

Kein Wunder, dass immer mehr webaffine – und damit junge – Nutzer Facebook den Rücken kehren. Sie wenden sich anderen Diensten wie WeChat, Vine, Flickr, Snapchat, Tumblr, Twitter, Pinterest und Instagram zu. Soziale Dienste, die von älteren Internet-Usern nur wenig bis kaum besucht werden. Pinterest expandiert gerade nach Berlin und sucht einen Deutschland-Manager und einen Community-Manager.

Facebook ist nach wie vor der Gigant unter den Netzwerken. Doch sein größter Wettbewerbsvorteil – nämlich alternativlos zu sein –, er schwindet zusehends.