Spanien bricht viele Drogenrekorde

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Spanien : Das Drehkreuz für Drogen
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Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht stellt in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht fest, dass Spanien europaweit sowohl die höchsten beschlagnahmten Kokainmengen als auch die meisten Sicherstellungen dieser Droge meldet. „Wie in den Vorjahren wurde auch im Jahr 2010 die Hälfte aller Sicherstellungen von Cannabisharz und etwa zwei Drittel der beschlagnahmten Gesamtmenge aus Spanien gemeldet“, heißt es außerdem in dem Bericht. Die Nähe zu Marokko und die kulturell bedingten engen Bande zu den wichtigsten Kokain-Produzenten in Südamerika machen das Land anfällig. Einen geschichtlichen Grund bemühen einige spanische Zeitungen: So habe die Polizei nach dem Ende der Franco-Diktatur 1975 ihr hartes Image ablegen wollen, um die Bevölkerung versöhnlich zu stimmen. Das habe jedoch den Drogenbanden in die Hände gespielt. Spanien sei der „Dealer Europas“, schrieb „El Mundo“ und „Publico“ stellte zuletzt fest: „Spanien verliert den Kampf gegen den Drogenhandel.“

Dass die Rolle eines Landes als regionales Logistik-Zentrum für Rauschgift sich auch auf die Gesellschaft auswirkt, ist nicht zuletzt von mittelamerikanischen Staaten bekannt. So liegt Spanien beim Kokain-Konsum junger Erwachsener im Vergleich mit anderen westlichen Staaten auf dem zweiten Platz hinter Australien: die USA und alle europäischen Nachbarn konsumieren weniger. Doch während eine Freigabe des Kokains kein Thema ist, versuchen die spanischen Behörden zumindest den Haschisch-Handel in geordnete Bahnen zu lenken. Seit einigen Jahren gibt es im ganzen Land „Cannabis Social Clubs“, also Coffeeshops, die ihre Türen nur für verantwortungsvolle Konsumenten öffnen , die auch Beiträge zahlen.

In den spanischen Drogensog werden auch westafrikanische Staaten gezogen, die als Zwischenstation genutzt werden. Die Vereinten Nationen schätzen, dass jährlich Kokain im Wert von einer Milliarde US-Dollar von Südamerika durch Westafrika nach Europa gelangt. Die Rolle Spaniens hat Begehrlichkeiten ausländischer Krimineller geweckt, wie der italienische Mafia-Experte Antonio Nicaso erklärt: „Spanien eignet sich ideal für Geldwäsche und für Drogenhandel. Durch seine Geografie mit der Verbindung nach Afrika und zum Atlantik, der Nähe zu Gibraltar. Auch die Existenz von Orten wie Marbella erlaubt, zusammen mit dem vergangenen Immobilienboom, dass etwa die ’Ndrangheta dort Geschäfte macht, die sie in keinem anderen europäischen Land so leicht machen könnte.“ mit mam / dpa

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